in Zeugnissen bemerkt oder wenigstens angedeutet sein, denn wofür hat man eigentlich Zeugnisse? Aber gerade hier ist ein fauler Fleck im ganzen Verhältnis, und eine Meisterschaft schmiert die andere auf das schmählichste an.
Ein solches Zeugnis soll entalten den Ausdruck der Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit einem Dienstboten; die Gründe von beiden sollen, wenn auch nicht ausdrücklich bemerkt, so doch angedeutet sein. Denn ein Zeugnis soll Wahrheit entalten, es wird als Wahrheit bezeugt durch Namensunterschrift, man soll dazu stehen können mit einem Eide. Diese Zeugnisse wurden eingeführt um der Meister und der Dienstboten willen. Einem Hausvater darf und soll es nicht gleichgültig sein, wen er in sein Haus aufnimmt. Jeder Mensch hat seine Bedeutung in einem haus, trägt mehr oder weniger zur Stimmung des Hauses bei, kann vergiftend und verpestend des Hauses grösstes Unglück sein, ein Laster einschleppen wie ein Pestkranker die Pest. Darum will ein Hausvater wissen, wen er in sein Haus aufnimmt. Wenn derselbe Fehler hat, so kann er vor denselben sich in acht nehmen, aufpassen, bessern, Bedingungen stellen usw. Die Zeugnisse sind aber noch wichtiger für die Dienstboten selbst. Wenn ein Knecht weiss: Ich verdiene in diesem Jahre nicht bloss den Lohn, sondern auch ein Zeugnis, und zwar eines nach der Wahrheit, akkurat wie ich mich aufführe, ein gutes oder ein böses, so kommt dieses seiner Schwachheit zu hülfe, lehrt ihn aufpassen, stärkt seine Kräfte. Sie sind, was dem Studenten seine Examen, Promotionen und daherige Testimonien sind. Ach, wir sind gar armselige, schwache Geschöpfe! Mit allen möglichen Mitteln muss man unserer Schwachheit aufhelfen, uns auf klepfen aus unserer Faulheit und Selbstvergnüglichkeit und dahin bringen, dass wir unsere Tage mit Weisheit zählen, damit wir Erfahrungen ins Herz bringen. Dienstboten haben solche Stärkungen wohl so nötig als Studenten. Leichtsinn und Gedankenlosigkeit kommt über das rohere Gesindel wohl so häufig als über gebildete Jünglinge, welche denn doch täglich geistige Speise zu sich nehmen. Und wie oft schleicht sich die Bosheit ein, welche die herrschaft absichtlich plagt, mit Vorbedacht allen möglichen Schabernack ihr antut und weder durch Bitten noch Drohungen sich abwendig machen lässt! Wenn nun rechte, wahr, hafte Zeugnisse wären, wenn jeder Dienstbote wüsste: was er treibt, kommt in die Rechnung, ins Zeugnis, und da steht es geschrieben und bleibt geschrieben, bei jedem neuen Meister muss ich mich ihretwegen entschuldigen und kann den Fleck nicht tilgen, sondern bloss durch gute spätere Zeugnisse bedecken, so gleichsam annullieren: es würde gar Mancher grössere Aufmerksamkeit auf Tun und Dienst verwenden, würde allmählich zu einem tüchtigen Wesen heranwachsen, zu selbsteigenem Nutz und Frommen. Es würde wirklich ganz anders aussehen in der Gesindewelt.
Nun aber ist das Ding verpfuscht, die meisten Zeugnisse sind untreu, lügen an, wer sie liest, und warum? Vor allen Dingen wahrscheinlich aus einem gewissen Mitleiden, einer falschen Barmherzigkeit. Das Mensch weinte, flehte, bat, man möchte ihm doch verzeihn, es nicht unglücklich machen, seine Sünden ihm nicht im Zeugnis verewigen, es wolle sich gewiss und wahrhaftig bessern. Die weichen Meisterherzen liessen sich bewegen, dachten, es wäre doch wirklich hart, das Mensch unglücklich zu machen, ihm sein Lebtag mir ein paar Buchstaben so schwer zu schaden, und bedecken die Menge der Sünden mit dem Mantel der Liebe. Und das Mensch geht triumphierend mit dem schönen Zeugnis ins neue Jahr hinein, treibt sein wüstes Wesen fort, denkt, mit einer Stunde Heulens erpresse es zuletzt doch wiederum ein gut Zeugnis, und eine Stunde zu heulen gehe ihm doch allweg viel leichter, als ein ganzes langes Jahr hindurch gut zu tun. Es lebt sein schlecht Leben wohlgemut und trotzig fort, verschanzt sich keck hinter seine guten Zeugnisse, macht die Schanze alle Jahre um ein Zeugnis stärker und höher. Sagt ihm eine Meisterfrau was, so brüllt es ihr ins Gesicht, wie manch gut Zeugnis es habe, wie es allentalben wohl angewesen, es allen habe treffen können, nur ihr alleine nicht! Aber man kenne sie wohl, sie sei bekannt von Spandau bis Magdeburg, und wenn ein Engel vom Himmel käme, keine Stunde könnte er es ihr recht machen! Die Meisterfrau gibt wiederum ein prächtig Zeugnis, sie denkt, sie wolle doch nicht allein die Böse sein; hätten die Andern die schönen Worte über das Gewissen gebracht, so werden sie ihr das ihrige auch nicht abdrücken; besser sei es, sie bringe das Mensch im Frieden fort als unter Donner und Blitz, der ihr zündend in Galle oder Nerven fahre, oder dass sie gar noch mit ihm vor den Richter müsse. Das Mensch aber hebt triumphierend das Stück Papier empor und sagt: "Es kommt Euch wohl, dass Ihr Verstand gebraucht und mir ein Zeugnis gegeben, wie ich es verdient und mit den andern Zeugnissen beweisen kann. Das waren brave Leute, welche sie ausgestellt, es wäre wohl gut, es würde keine schlimmern geben. Es kommt Euch wohl, sonst hätte ich es probieren wollen, ob noch Gerechtigkeit sei auf der Welt, es gibt Gottlob noch Richter, welche wissen, was Recht ist." Das Mensch wusste wohl, worauf es pochte, denn es gibt wirklich viele Richter, welche aus grundsätzen der Humanität allen Mägden recht geben gegen ihre Meisterleute, und es gibt Richter, welche ganz besondere Vorliebe zu schlechten Menschern haben und streng an den christlichen Grundsatz, wie sie sagen, sich halten: Wer viel liebt, dem wird viel