wenn ihm an seiner Wiege des Tages und in der Nacht ein holder, schöner Engel erscheint, der mit süssen Tönen tröstet, mit milden Händen die rechte Labung spendet, als wenn an der Wiege Rand ein hässlicher, grüngrauer, keifender Kobold auftaucht, ein unsauber Ding, von dem man lange nicht weiss, ist es eigentlich ein Mensch oder ein Affe, über die Wiege hereingrännet, hässliche Töne von sich gibt, heftig und krampfhaft reisst und stösst und schaukelt, dass Glied um Glied davonfahren möchten? Was meint man, sollte man nicht solch grinsenden, keifenden, nichtsnutzigen, selbstsüchtigen Dingern, seien es meinetalb Gräfinnen, Bauerntöchter oder Stallmägde, das Heiraten verbieten von Obrigkeits wegen und jede, welche es doch versucht, einsperren lassen hinter Gitter, und zwar enge und eiserne, und bis zum dreiundfünfzigsten Jahre? Die Base wäre sicherlich dieser Meinung gewesen, wenn man ihr den Fall vorgelegt hätte. Es lag ihr unendlich schwer im Gewissen, dass sie daran nicht gedacht oder geglaubt, es werde Elisi der nötige Verstand seinerzeit schon kommen, dass sie nicht mit Händen und Füssen sich jeder Heirat widersetzt. Es beelendete sie unendlich, wenn sie sah, wie Elisi das arme Kind misshandelte, aus unverständiger Eitelkeit, wie eine Hoffartsnärrin ein beliebig Kleidungsstück, welches sie in die Form zwingen will, die ihr gerade in die Augen geschienen.
Am wohlsten schien bei dem ganzen Handel der Baumwollenhändler zu sein, wenigstens nahm er Elisis Abwesenheit höchst kaltblütig, zeigte sich nicht nur nicht, sondern liess auch kein Wörtlein von sich hören. Die Unbequemlichkeiten des Fortlaufens dagegen fingen nachgerade an, recht unangenehm sich fühlbar zu machen. Anfangs ärgerte sich Elisi bloss, dass der Unflat ihm nicht nachgelaufen kam, um ihm alles sagen zu können, was es ihm eingebracht hätte. Nach und nach stieg ihm die Eifersucht zu Gemüte, es nahm ihn es bitter wunder, was der Unflat jetzt vornehme, da er keine Frau mehr habe?
Wenn nur einmal eine Frau auf diesen Punkt gekommen ist, dann kriegt die dickste Phantasie Leben, fängt sich an zu bewegen in den schauerlichsten Bildern und malt der Frau Dinge vor, dass sie das Zittern kriegt in alle Glieder. Noch ungeduldiger ward Joggli. Der Lumpenhund habe ihn geplündert, kein Spitzbub könne es besser; jetzt schicke er ihm Frau samt Kind über den Hals, um ihn des Todes oder des Teufels zu machen. Aber das wolle er nicht so. Dem Schelm wolle er seine Familie nicht erhalten, in seinen alten Tagen noch Kindbette halten und dazu keinen Augenblick Ruhe, weder Tag noch Nacht.
Endlich liess Joggeli Bescheid machen dem Tochtermann, er solle seine Frau holen. Dieser liess sagen: Er hätte sie nicht gehen heissen, er hiesse sie auch nicht wiederkommen, sie werde den Weg wohl noch wissen, er werde ihr ihn nicht zu zeigen brauchen. Am liebsten sei ihm, sie bliebe, wo sie sei, sie dünke ihn dort am schönsten. Potz Blitz, wie gab das Feuer! Auf der Stelle sollte Uli mit ihm fahren, meinte Elisi und dann müsse er ihm den Unflat prügeln in seinem Namen, bis derselbe kein Glied mehr rühren könne, dem wolle es zeigen, dem Hagel, wo es schön sei. Das wollten aber weder Vater noch Mutter tun. Es sehe jetzt, was Fortlaufen sei ein andermal möge es die Sache besser bedenken und denken auch an seine Fehler. Sei es so lange schon dagewesen, so könne es ein paar Tage auch noch warten. Elisi zeterte gewaltig, und wenn es gewusst hätte, wie zu fuss gehen, es wäre gelaufen, aber eine halbe Stunde zu fuss zu gehen, war ihm ein Greuel. Schuhe hatte es auch keine, welche einen solchen greulichen Feldzug ausgehalten hätten. Die Base hatte gewünscht, Joggeli wäre selbst zum Tochtermann gefahren und hätte ihn zum Verstand gebracht, denn sie waren Beide der Meinung, Elisi hätte ihm so viel zugebracht und noch so viel zu erwarten, dass Geduld haben und sich auch in etwas unterziehen ihm wohl anstehen würde. Wenn man den Geldsäckel in der Hand habe, so wüsste man nicht, warum man so mit einem Bürschchen nicht ein ernstaft Wort sollte reden dürfen? Sie waren Beide akkurat gleicher Meinung, bloss darin wichen sie ab, dass Joggeli dies nicht selbst ausrichten wollte, er war nicht der Mann, jemanden unter den Bart zu stehen. Er wollte den Johannes schicken, der tue es gerne, sagte er, und wenn er den Spitzbuben schon ein wenig in die Finger nehme, so werde es ihm wenig schaden, allweg schlechter werde er dadurch nicht. Gegen das sträubte die Base sich. Es könnte doch zu böse gehen, meinte sie. Sie hätte nichts wider Johannes, aber wenn es sei, um Frieden zu machen, so schickte sie lieber nicht ihn, sondern jemand anders. Elisi müsse doch alles wieder abbüssen, was von ihrer Seite dem mann angetan werde. Die gute Alte hatte selbst eine Art von Mitleiden mit dem Tochtermann, so sehr er ihr sonst zuwider war. Sie müsse bekennen, sagte sie oft zu sich selbst, sie würde auch ungeduldig, wenn Elisi ihre Frau wäre, und wenn es dazu noch so böse sei wie hier, so könne sie sich nicht einmal verwundern, wenn es ihm zuweilen in die Finger käme, von wegen Mannevolk sei immer Mannevolk, und bekanntlich gehöre das Mannevolk nicht unter die geduldigen und sanftmütigen Kreaturen.
Achtes Kapitel
Wie Zögern wechselt mit Überraschen,