lange darnach zu laufen. Wenn meine Mutter einen Batzen wert wäre, hat er gesagt, so würde sie kein solch Lumpenmensch erzogen haben, denn keinen faulen Pfennig sei ich wert, und wenn ich schon einen Taler im Maul hätte; von schlechten, verfluchten Leuten her müsste ich sein, dass ich so nichtsnutz geraten, zu einem Mensch, welches kein Bettler auf dem Mist auflesen würde, und dabei hat er mich nun geschlagen, bis ich aus dem Bette sprang, in die Kleider fahr und fortlief. Bringt mir nun nicht der Unflat von Magd das Kind nach und sagt, der Herr schicke es! Was jetzt machen? Fahren wollte mich niemand, gehen mochte ich nicht, zurück wollte ich nicht; der könnte mich töten oder gar vergiften, ihm war das Schlimmste zuzutrauen. Endlich erbarmte sich Lugihausi meiner, er war früher auch ein vornehmer Mann und weiss jetzt, wie es jemand ist, dem niemand helfen und glauben will; der spannte endlich an, und jetzt bin ich da und jetzt, Mutter, musst du Fuhrlohn zahlen."
Das waren begreiflich keine erfreulichen Nachrichten und Aussichten; gerne hätte Vreneli den doppelten Fuhrlohn bezahlt, wenn Elisi wieder weitergefahren wäre. Der Base war es wahrscheinlich ebenso, sie wusste, was das Fortlaufen für eine missliche Seite hat, nämlich das wiederkommen. Dass der Mann die Frau geprügelt, fand sie freilich sehr fatal, besonders für den geschlagenen teil. Indessen musste sie gestehen, dass ein Mann ungeduldig werden muss und wirbelsinnig, wenn die Frau für nichts sorgt, nichts denkt, immer nichts da ist, was man eben brauchen sollte, wenn sie ist, als wäre sie ohne Gehirn oder hätte höchstens das Gehirn einer Gänsin; in einem solchen Gehirn steckt gewöhnlich noch die Unart, dass man es nicht einmal mahnen darf; da soll eine Magd probieren und sagen: Frau, dies, Frau, jenes wäre nötig, sollte man holen!, sie würde allemal einen Schnauz kriegen eine Elle länger als der längste Husarenschnauz. Da kriegt denn so eine Magd auch Bosheit in den Leib und denkt: Meinetalb!, wird stumm wie ein fisch, hat erstlich Freude, wenn man auskömmt mit einer Sache und die Frau merkt es nicht, und zweitens noch eine grössere Freude, wenn der Mann darüberkömmt und mit einem Haselstecken am Gedächtnis seiner Frau herumflickt, wenn auch mit schlechtem Erfolg.
Was die gute Grossmutter dabei tröstete, war das Erbarmen mit dem armen kind; so heillos verwahrloset war ihr die längste Zeit kein Bettelkind vor Augen gekommen, so mager, unsauber, gelb, blau und grau, es war ein Elend. Sie sagte Elisi, sie hätte gute Lust, noch nachzubessern, was ihm der Mann zu wenig gegeben, vor Gott sei es nicht zu verantworten, wie es mit dem kind umgehe; sie müsste sich schämen, eine Tochter zu haben, welche nicht halb so viel Verstand gegen ein Kind habe als eine Katze gegen ihr Junges. Wenn sie mehr hätte, sagte Elisi, so sollte sie das Kind nehmen; dass es nicht mehr habe, dafür könne es nichts, sie hätten ihn es erzeugt und erzogen; traurig genug sei es für ihn es, dass man ihn es so verwahrloset, dass es so dumm geblieben. Es trat gar deutlich hervor, dass Elisis ganze Lebenskraft im Maul sich zentralisiert habe.
Es ist sehr oft der Fall, dass die geistige und körperliche Kraft eines Menschen sich in ein Glied oder ein Talent zusammenzieht, da Ausgezeichnetes leistet, im Übrigen aber schwach oder kreuzdumm ist. Man hatte ausgezeichnete Maler, und nebenbei waren sie einfältige Menschen, man hatte Menschen, denen alle Kraft in den Füssen lag, schlaff hingen die arme am leib nieder, Hasenfüsse nannte man sie, kommode Leute, besonders bei einer Retirade. Bei Elisi zogen alle geistigen und leiblichen Kräfte sich in einem Gliede zusammen, und zwar in der Zunge. Die Zunge ist ein klein. wunderbar Ding, "ein klein Glied," wie der Apostel Jakobus sagt, "und erhebet sich doch gewaltiglich. Siehe ein klein Feuer, wie einen so grossen Haufen Holz zündet es an! Also ist auch die Zunge ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit; also stehet die Zunge unter unsern Gliedern, welche den ganzen Leib befleckt und zündet das Rad unserer Geburt an und wird angezündet von der Höllen." Ja, das ist ein Ding, die Zunge, und zwar eines von doppelter natur, ein geistig und ein leiblich Werkzeug, dem geist, dem leib unentbehrlich. Es ist aber nichts merkwürdiger als die Wahrnehmung, dass die Zunge, sobald sie zum herrschenden Gliede im Körper wird, sie sich in beiden Richtungen, geistig und körperlich, geltend macht und das grosse Wort führt. Das Wort "Kaffeeschwestern" ist ein altes, wohlbekanntes, und niemand, der es hört, ist so einfältig, wenn er es hört, zu glauben, es sei da die Rede von Schwestern, welche bloss den Kaffee lieben, er weiss alsbald, dass es zungenfertige Dinger sind, welche nebst Kaffee das Geschwätz lieben über alles. Es ist halt mit der Zunge akkurat wie mit einem Wagenrad, wird dieses viel umgetrieben, so muss es auch viel und gut gesalbet werden. Die Sache ist ganz natürlich; wie Krieger mit dem Degen, fechten die Diplomaten mit der Zunge, sind aber auch allbekannte Gutschmecker, und diplomatische Mahlzeiten sind wohlbekannt von alters her. Wenn nun ein ganzes Volk sich