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fassend, "ich weiss nicht, wo ich meine Augen gehabt; es ist ja ds Elisi, es wird zu Besuch kommen wollen." "So ungesinnet, du mein Gott, was hat es wohl gegeben?" jammerte die Base.

Unterdessen war das Pferd blöde herangeschritten, und drinnen sass wirklich Elisi, so mager und grüngrau wie ein vorjähriger Rosmarinstengel, hatte ein eingewickelt Päcklein auf dem Schosse, und im Päcklein quakte was, man wusste nicht, war es ein Laubfrosch oder sonst eine lebendige Kreatur. "Da nehmt, und da bin ich." sagte Elisi und reichte das Paket hinaus, in welchem es gar heiser und jämmerlich quakte. "Jetzt müsst Ihr mich behalten, Ihr mögt wollen oder nicht, ich bin hier daheim." Vreneli half ausladen, musste dem Fuhrmann einen Platz für das Ross im Stalle zeigen, da das Mannsvolk im wald war, hörte also die reichlichen Ausrufungen der Base nicht. Die gute Alte ward inne, dass das quiekende Paket aus einem Kindlein bestand, welches fest eingewickelt war in ein Umschlagetuch, und liess es aus Schreck fast fallen. "Du bist doch immer das schrecklichste Babeli auf dem ganzen Erdboden," sagte sie zu Elisi, "ein Kind so einzumachen; ein Wunder ist es, dass es nicht dreimal erstickt und siebenmal erfroren ist. Nein aber, das arme Tröpflein! Es ist nichts grässlicher, als wenn ein Mensch keinen Verstand hat und dazu noch eine Mutter vorstellen soll." "Dass ich eine bin, daran seid gerade Ihr allein schuld," sagte Elisi, "warum geht Ihr und erzwingts, dass ich den Hudelbub heiraten muss? Ledig wäre es mir noch lange lange wohl gewesen." "Was?" sagte die Alte, "ich soll an deiner Heirat schuld sein und dir wäre es noch lange wohl gewesen ledig? Jawohl, dass Gott erbarm, und wie! Gerade wie dem armen Würmli da, Gott verzeih mir meine Sünde! Aber was bringt dich Böses? Denn nach dem Guten darf ich dich nicht fragen." Da begann Elisi ein schreckliches Geheul, wie es ihm jetzt ergehe, weil man es gezwungen habe, den verfluchten Möff zu heiraten. Es habe gedacht, die müssten doch auch was davon haben, welche an all dem schuld seien. Wüst sich sagen lassen den ganzen Tag, Hund sein sollen und nichts fressen, obendrein noch Schläge, diese Lebweise habe es satt, es könne sie seinetalben jemand anderes auch probieren.

Da kam Vreneli mit Schinkenschnittchen, Backwerk, Wein, mit allem, was im Hinterstübchen für die Base aufgehoben gewesen. Es habe gedacht, es könne vielleicht was helfen und Elisi werde hungrig und durstig sein, sagte Vreneli in allem guten Meinen und dachte, wie es da was Gescheutes mache. Aber kurios, im Verkehr mit dummen Leuten wird gerade das Gescheuteste zum Verkehrtesten, mit Minus ist halt gerade das umgekehrte Rechnen als mit Plus. Wie Elisi Wein und Schinken sah, fing es ein ganz mörderlich Geschrei an, akkurat als ob Vreneli Elisis eignen Schinken da präsentiere, wohlgeräuchert auf einem Teller. Man begriff lange an dem Geheule nichts, bis man endlich aus einigen artikulierten Tönen entnehmen konnte, dass es Elisi das Herz zerriss, wie man auf der Glungge ein Leben führe, seit es fort sei. Während es Hunger leide, kaum hartes Kuhfleisch habe und schlechte Kartoffeln samt wasser, wenn es möge, habe man hier schon des Morgens Schinken und Wein wie die vornehmsten Engländer. Aber vor Gott sei es nicht recht und sie würden es einst zu verantworten haben, dass man die eigenen Kinder ins Elend stosse und mit Fremden und Lumpenleuten die Sache verfresse und versaufe! Jetzt sehe es, wie man es mit ihm meine und immer gemeint habe.

Man sagte ihm, gestern sei Taufe gewesen und was da stehe, sei übrig geblieben. Aber mache jemand einem zornigen Weibsbild was begreiflich! Zudem tat das Kindlein erbärmlich, dass es der Grossmutter himmelangst wurde und sie und Vreneli ihm ihre Hauptsorge zuwenden mussten. Sie liessen also das Elisi heulen und suchten das Kind zu beschwichtigen.

Umsonst heult selbst ein Elisi nicht gerne; sobald es also sah, dass man seiner sich nicht mehr achte, setzte es ab mit Heulen und sich hinter Schinken und Wein und sagte, es wolle zugreifen, wenn es schon niemand heisse, es wolle nehmen, während noch was da sei, es merke wohl, wie das gehen solle, die Leute werden halt nie aussterben, welche Andere um ihre Sache brächten oder eheliche Kinder aus dem Neste stiessen. Man liess es reden und essen, beides brachte es nach und nach zu sich selbst und auf den rechten Grund seines Herkommens.

Gestern spät am Abend war der Mann heimgekommen, fand kein Licht im haus, nichts Warmes für sich, da tat er wie ein Menschenfresser und prügelte Elisi. Am Morgen wollte er frühstücken, da war weder Holz noch Kaffee da, alles sollte erst zusammengeholt werden, hierher, dorter; da ward das Untier wieder zornig und prügelte Elisi wieder ab, und zwar mit der Elle. "Soll ich für alles sorgen? Soll ich an alles denken? Soll mir alles in den Sinn kommen? Der Unteufel, der er ist! Für was ist er da? Für was hat man eine Magd? Und wenn man nicht wüsste, dass er kein Geld hätte, so würde man uns solche Sachen ins Haus senden, man brauchte nicht