dahergefahren kommen, so müsse sie absitzen vor Kummer und Angst. Das Elisi könne sie aber doch erbarmen von ganzem Herzen, an allem sei es nicht schuld; es sei ihnen zu wert gewesen von Jugend auf, und kränklich sei es auch gewesen, darum habe man es mit Arbeit verschont, dummerweise, sie hätten den Verstand nicht besser gehabt. Man habe ihnen gesagt, Elisi müsse gebildet werden mit Welsch und Brodieren, dann könne es eine vornehme, gebildete Frau werden und brauche nicht zu arbeiten, dazu sei es zu zart, und wer reich sei, solle eigentlich gut haben und Andere machen lassen um den Lohn. Es hätte ihr geschienen, etwas sei an der Sache. Wenn sie so oft des Abends mit müden Beinen abgesessen sei und fast nicht mehr habe aufstehen können vor Schmerzen, sei es ihr oft vorgekommen, es sei dumm, sich so zu mühen, wenn man das Geld hätte, jemand den Lohn zu geben, dass er es für einen mache. Da habe sie gedacht, man könne das mit Elisi so probieren; wenn die Schulmeister und sonst die Gelehrtesten es so meinten, so werde es wohl auch so sein. "Wie dumm man ist, kann ich jetzt erfahren, und wie es einem geht, wenn man Gottes Wort nicht achtet und auf das Klügeln der Menschen hört. Es heisst: sechs Tage sollst du arbeiten, und: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen, und da heisst es nicht von Reich und Arm, von Zart und Grob, es heisst: Du sollst. Und das wird wohl alle angehen, nenne man eine Elisi oder Lisi. Wenn eines nicht arbeiten kann, so ist es der ärmste Tropf von der Welt. Nicht von wegen dessen, weil niemand weiss, wie es ihm noch einmal gehen kann, dass Gott erbarm, sondern weil eines nicht befehlen kann, wenn es nicht weiss, wie etwas gemacht werden muss. Eine Frau ist der ärmste Tropf von der Welt, wenn sie nicht in jedem Augenblick die Magd vorstellen kann. Weiss sie nicht, wie man eine Sache macht, so hat keine Magd Respekt vor ihr, hält sie zum Besten. Sie ist nicht bloss am schlechtesten bedient, hat das ganze Jahr das Herz voll Verdruss und Gift, sondern sie muss sich auch verschreien lassen in der ganzen Welt als die böseste Hexe, welche je dem Teufel von dem Karren gefallen. Ach Gott, das erfahre ich an Elisi. Ich mag ihm Mägde herbeischaffen, so viele ich will, es plagen ihn es alle, es verschreien ihn es alle; es klagt und jammert oft darüber, hat schrecklich böse dabei, und ich weiss in Gottes Namen nicht zu helfen. Wenn ich schon sehe, wo der Fehler ist, so kann ich doch nichts daran machen, so wenig als bei Johannes Frau, die auch ein Narr ist vom Kopf bis zu den Zehn. Die wäre grob genug zur Arbeit, aber man hat sie auch nichts gelernt als den Narren zu machen, dass Gott erbarm!"
So ergoss sich die Glunggenbäurin, und dass auch ihre Augen nicht trocken blieben, versteht sich. Aber weder neidisch auf die Bodenbäurin noch unglücklich war sie dabei. Wer hat nicht schon erfahren, wie durch eine flotte Herzensergiessung in gemütlicher Traulichkeit der Geist sich erleichtert und aufheitert wie nach strömendem Regen der Himmel? Die Zeit schwand wie den Seligen die Ewigkeit, unbemerkt, und dunkel wards, ehe jemand daran gedacht. Entschieden weigerten sich der Bodenbauer und seine Frau, über Nacht zu bleiben. Es sei ihnen nicht wohl an einem andern Orte, sagten sie, über Nacht. Solange sie verheiratet seien, seien sie nie Beide mit einander ausserhalb dem haus über Nacht gewesen und Eins ohne das Andere nicht oft. Man wisse nie, was es geben könne. Dieses Gefühl, welches heimzieht an allen Haaren, dem mann Kraft gibt, dass er jeder Überredung unzugänglich wird, an allen Wirtshäusern vorüberwandelt, die Müdigkeit der Glieder überwindet und heimkehrt, wenn auch erst nach Mitternacht, ist ein eigentümliches, es ist ein Kind der Treue, welche auf dem einmal erkornen Posten stehen will in der Nacht, die niemandes Freund ist.
Solche in trauter Gemütlichkeit verbrachte Tage, wo Sterblichen die Zeit verrann wie Seligen die Ewigkeit, glänzen durchs Leben wie ein goldenes Gestirn am hohen Himmelsbogen, weite Räume erhellen sie, und einmal erlebt, werden sie nicht wieder vergessen. Solche Tage sind manchmal eingestreut ins Leben wie am Himmel die Sterne, manchmal gleichen sie der klaren Morgensonne, welche einen hellen Tag bringt, manchmal der Abendsonne, nach welcher die Nacht kommt und nach der Nacht stürmische Tage.
Diesmal war dieser Tag wirklich der Abendsonne ähnlich, welcher erst die Nacht, dann wilde, trübe zeiten folgen.
Siebentes Kapitel
Eine Überraschung, aber keine angenehme
Am folgenden Morgen wollte Vreneli eben die Base rufen, dieweil es im Hinterstübchen noch einige Schinkenschnittchen und eine Flasche Wein zweggestellt hatte, um den Nachdurst zu löschen und den blöden Magen zu verbessern, wie es sagte, als ein schlecht Fuhrwerk um das Haus gefahren kam, aber noch viel blöder, als irgend ein Magen nach einem Kindtauftag sein kann.
Vreneli hatte gute Augen. "Herr Jeses, Herr Jeses!" sagte es. "Was ist, was ist?" fragte die Base, "es wird doch nicht etwa eine Bettelfuhre sein?" "Nein, Base, nein," sagte Vreneli, sich