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an ihrem eigenen Hochzeittage nicht, als wenn sie ihrer Tochter die Hochzeitpredigt halten kann; ohne Tränen geht sie nie ab, das reinste Glück presst bei echt weiblichen Herzen immer Tränen aus den Augen. Wie am herrlichsten im Himmelstau die Blumen funkeln, so weibliche Augen in Tränen der Wonne.

So eine rechte mütterliche Hochzeitpredigt hat unabänderlich drei Teile. Im ersten Teile laufen die Augen an, im zweiten trocknen sie wieder, im dritten laufen sie über. Es gibt aber auch selten schönere, herzlichere Predigten als die, welche quellen aus treuen Mutterherzen. Im ersten Teile erzählt die Mutter, wer ihre Tochter sei, was sie sei und was sie könne. Sie erzählt, wie sie einstehe in der Haushaltung, keine Magd wert sei, ihr die Schuhriemen aufzulösen, unverdrossen früh und spät, und wenn sie an etwas sinne, so sei es schon gemacht. Sie rühmt aber ganz besonders ihren Verstand, wie sie auf Frieden halte, das Klapperwerk hasse, den Vater nie böse mache, und wenn sie sehe, dass irgendwo was Ungerades sei, sie nicht ruhe, bis sie dasselbe ausgeebnet und gerade gemacht. Sie könne nichts weniger leiden, als wenn irgendwer im haus, und sei es nur der Rossjunge, nicht zufrieden sei. Aber erst wenn jemand was fehle, erfahre man, was das für ein Kind sei. Von weitem sehe es einem an den Augen es an, wenn man nicht wohl sei, und plage einem da nicht mit Frägeln und Reden. Es wisse, was man nötig hätte, und bringe es einem ungesinnet und ungeheissen. Es sage bloss: "Mutter, jetzt lass mich machen, gehe und halte dich still, schlafen täte dir gut. Habe nicht etwa Kummer, dass was vergessen werde, du weisst ja, ich habe das schon oft gemacht." Wenn sie dann nachsehe, so sei es so, sie wüsste nichts zu verbessern. Dem Vater mache sie es gerade so; er sage oft, er hätte gemeint, nur an Buben könne man Freude haben, was ein rechtes Mädchen sein könne, das habe er nicht gewusst. Er müsse sagen, er tauschte das seine nicht an ein Dutzend Buben. "Es war aber auch berühmt, es sahen noch andere Leute, was mit ihm ist; wenn es unser einzig Kind wäre und wir noch einmal so reich, es hätte nicht stärker um ihn es gehen können und dazu von vornehmer Seite her, wo ich nicht daran hätte denken dürfen. Aber darauf hat es nicht gesehen, und wir liessen ihn es machen, wir dachten, es hätte den Verstand selbst. Und Gottlob, als es ihm war, den möchte es jetzt und keinen Andern, da kam es und sagte, es möchte Vater und Mutter was sagen aber es dürfe fast nicht, der und der setze ihm stark nach und wolle nicht nachlassen, und es müsse es sagen, wenn es einmal einen möchte, so sei es diesen. Aber es wolle uns dieses zuerst sagen; wenn wir im Geringsten etwas dawider hatten, so sollten wir es nur sagen, es sei nicht, dass es meine, das müsse sein, es wolle sich uns unterziehen. Es hat meinen Alten selbst gedünkt, es hätte keine Art, wie das Meitschi sich unterzog und alles in unsere Hand legte. Wenn sie alle so wären, es würde weniger Unglück geben, hat er gesagt. Was wollten wir dagegen sagen? Es las aus, wir selbst könnten es nicht besser, und dass es bloss unseretwegen ledig bleiben solle, das meinen wir nicht, das wäre ja gottlos. Es ist ein Bursche von den bravsten und hübschesten einer, hat einen bezahlten Hof, versteht das Bauernwesen aus dem Fundament, ist selbst dabei früh und spät und selbst voran. Zu scheuen ist nichts in der Familie, weder leiblich noch geistlich, wir haben gute Nachfrage gehalten und lauter gut Lob gehört. Es sei eine berühmte Familie gewesen, solange man sich erinnern möge. Nur die Mutter lebt noch, bsunderbar eine brave Frau; sie hat gesagt, sie möge die Stunde nicht er, warten, bis mein Meitschi ihr ins Haus komme, dann solle es Meisterfrau sein vom ersten Augenblick an. Sie habe genug regiert, danke Gott, wenn sie abgeben könne. Nein, besser hätte das Kind es nie machen können! Aber wie es dann bei uns gehen soll, das weiss ich nicht, nein, ich weiss es nicht, darf nicht daran denken, wie übel es mir geht, niemanden es sagen." Da nun geht das Überlaufen recht an, und doch ist der Schmerz ein süsser. Zweifacher Trost steht ihm zur Seite, das Bewusstsein, eine solche Tochter zu haben, und die Hoffnung auf ein jüngeres Mädchen, das zwar noch nicht Verstand hat an der ganzen Hand, was jenes am kleinen Finger, das aber einsehen werde, was jetzt an ihm sei, und so viel Gedanken, dass es der Schwester nicht ganz werde nachstehen wollen. "Aber" usw.!

Das war die Hochzeitpredigt, welche die Bodenbäurin aus der Fülle ihres Herzens hielt und welcher die Glunggenbäurin in rührender Andacht zuhörte. Sie konnte keine solche halten, die arme Frau. Sie wünschte Glück von ganzem Herzen, sagte aber auch aufrichtig, sie erfahre das Gegenteil. Wenn die Bodenbäurin ihre Tochter einmal sehen werde daherfahren mit ihrem mann, werde sie absitzen müssen vor Freude, sehe sie aber Elisi und seinen Mann