," sagte der Bodenbauer, "solange du nicht reicher bist, darfst mit Spekulieren dich nicht befassen; Spekulieren ist gar ein seltsam Ding, ungesühnt schlägt es einem das Bein unter; das Geld hast du sicher, über das Korn kann dir gar allerlei gehen. Zudem, wer sagt dir, dass übers Jahr das Korn teurer ist und nicht wohlfeiler? Dann musst du doch in alle Wege verkaufen, denn für zwei Zinse reicht dein Vermögen kaum aus, was hast du dann gewonnen? Verkaufe, was du musst, hast übrig, so behalte es, betrachte es als Vorschlag und Sparbüchse, womit du dir aus, helfen kannst, wenn dir sonst was anderes fehlt. Es ist sehr gut, wenn man so nach und nach in einem haus zu recht vielen Vorräten von allem, was das Land bringt, kommt. Das macht sich so nach und nach, man weiss nicht wie, rechnet es nicht, aber wenn zeiten kommen, wo man die Sachen braucht, oder zeiten, wo man Geld nötig hat, so hat man einen Schatz im haus, den man gesammelt, ohne es zu merken; das ganze Haus ist gleichsam eine Schatzkammer, in allen Ecken findet man Schätze, und wenn man alles zusammenträgt, so hat man einen grossen Reichtum, an den man kaum dachte. Dagegen, wenn man alle Jahre aufräumt, das Entbehrliche alles zu Gelde macht, so scheint kein Segen in den Sachen zu sein, man ist mit allem immer fertig, und wenn mal ein Fehljahr kommt, so kann man dreifach wie, der ausgeben, was man einfach eingenommen, ist übel dabei in Not und sorge. Ich hasse die Hudelwirtschaften, wo oben und unten nichts Vorrätiges ist, die Mäuse die Schwindsucht kriegen und elendiglich verkümmern." Uli sagte nicht viel zu dieser Predigt, er dachte bloss, es sei gut, dass Vreneli sie nicht höre.
Dem Vetter Johannes gefiel es sonst wohl in den Ställen, nur warf er einige seltsame Blicke durch die Gänge in den Ställen und ums Haus. Uli fasste diese Blicke beschämt auf und sagte: "Ja, wenn man nicht immer hinten und vornen ist, so machen sie auf und davon, und obs allentalben aussieht wie in einem Schweinestall, dem fragen sie nichts nach, wenn nur der Tag umgeht und zu rechter Zeit das Essen auf dem Tische steht; es ist ein Leiden mit dem Lumpenpack, man glaubt es nicht." "Hast geändert auf Weihnacht?" fragte Johannes. "Getroffen," antwortete Uli, "ich habe müssen," und erzählte nun des Langen und Breiten, wie er es gemeint und wie er gerechnet. "Hast bass gemacht?" fragte Johannes. Uli gestund den Irrtum in seiner Rechnung nicht ein, sondern erzählte bloss, wie übel er es getroffen, wie an seinen Bürschchen nichts sei als Hochmut; trügen die Nasen so hoch, als wollten sie die Sterne vom Himmel runterstüpfen, und was das Ärgste von allem sei, sie wollten sich gar nicht weisen lassen, meinten, sie verstünden alles, sie seien so viel als er der ja auch nur Knecht gewesen. So einer, dächten sie, wie er wohl merke, solle nicht kommen und sie kujonieren wollen, so einem stehe es übel an. Habe geglaubt, er könne auch was verdienen, dass er halbbatzige Bürschchen zu brauchbaren Knechten mache. "Das wäre wohl gut," sagte Johannes, "aber du wolltest es nur zu gut machen. Für Plätze, wie du sie hast stelltest du die Bürschchen viel zu leicht an; sie begreifen, wie es scheint, gar nicht, was sie versehen sollen, sondern bloss, dass sie Karrer und Melker sind. Wo einer nicht weiss, was er zu tun hat, sieht er alles Zurechtweisen als Kujonieren an. Nimm ein Mensch, welches sein Lebtag nur den Schweinen gekocht hat, und stelle es in eine Herrenküche als Köchin, so wird es Jahre gehen, ehe es begreift, dass ein Unterschied ist zwischen einem Schweinetrog und einem Herrentisch, und die Frage ist, ob es je dahin kommt, menschlich zu kochen für die herrschaft. Das Gleiche hast mit dem Handwerker. Am übelsten fährst immer mit denen, welche aus Lehrjungen sich eigenmächtig zu Meistern avancierten. So hast du es allentalben. Mache aus einem gemeinen Schreiber oder Schreibersknecht einen Staatsrat oder einen Kreispräsidenten, so wird er sein Lebtag nie lernen, was er soll, nie die rechte Wurde kriegen, sondern nur Hochmut und eine Anmassung vom Teufel." "Ja, ja," sagte Uli, "ich hatte nicht Glück, ein andermal hoffentlich geht es mir besser." Wetter, dachte Johannes, ist der auch schon so avanciert, dass er seine Böcke nicht mehr für Böcke ansehen kann?
übrigens hatten sie einen recht gemütlichen, heimeligen Tag. Sie hatten das Taufemahl daheim, besondere Gäste waren nicht geladen; was auf die Zunge kam, handelte man traulich ab, wurde nicht alle Augenblicke gezwungen, die besten Faden im gespräche abzureissen, weil Unberufene in die stube stürmten. Gut und währschaft wartete Vreneli auf, dass selbst Vetter Joggeli sagte, eine Wirtin hätte es werden sollen, es verstünde es und dazu stehe es ihm noch wohl an, zwei Dinge, die nicht immer beisammen seien. Die Bodenbäurin erzählte viel von ihren Kindern, namentlich von der ältesten Tochter, welche am Heiraten war. Eine Mutter kann nie glücklicher sein, selbst