eben nicht in die stube; vor dem haus ist er gestanden, so breit wie eine Stallstüre, und neben ihm der verfluchte Hund. Ich mache mein Kompliment und zwar honett, wie es nur immer der Brauch ist, und sage, ich hätte was mit ihm wollen. Aber er nichts mit mir, sagte er mir gleich an den Kopf heraus. Ich dachte nicht daran, dass das so gröblich Ernst sei, sondern sagte: Es werde doch erlaubt sein, ein paar Worte mit ihm zu reden. Du hast es gehört, sagte er, ich will nichts mit dir, und jetzt streiche dich, rate ich dir. Das kam mir in Kopf, dass er mich so wegjagte wie einen Hund oder Bettler, ich sagte: Schon mit manchem vornehmen Herrn hätte ich geredet, Gehör hätte mir jeder gegeben, abgehen werde ihm nichts an seiner Hübsche, wenn er schon ein paar Worte höre. Und jetzt packe dich, sagte er, und so stark als du magst. Ich komme auch nicht, dich zu plagen, darum lass auch mich in Ruhe, du Lumpenwirt, willst dich packen oder nicht? Mein Seel, gerade so sprach er zu mir, und mit dem ist es nicht genug gewesen. Der verfluchte Hund kam langsam auf mich zu, mit aufgehobenem Schwanze und brummend wie ein Ochse. Ich wollte mich nicht erschrecken lassen und vom haus weg wie ein Dieb. Ich sagte ihm, wie er ein wüster Mann sei und dies keine Manier. Da mir nichts dir nichts schiesst mir der Hund ins Gesicht und kriegt mich zu Boden. Das ging so ungesinnet, ich konnte nichts dazu sagen. Ich will auch auf den Hund dar. Pump, liege ich wieder am Boden, mit der Nase tief in der Erde, und allemal, wenn ich aufstehen wollte, schoss der Hund mich nieder, aber ohne zu beissen. Wer auf allen Vieren vom haus weg und den ganzen Hügel hinauf muss wie ein Unvernünftiges, das war ich, und erst als ich oben im Weg war, liess mich der Ketzer aufstehen.
Da wollte ich noch ein paar Worte sagen, aber wohl, ich hatte Zeit, zu gehen. Ja, die ganze Seite hinauf, auf allen Vieren, ich werde allemal krank vor Zorn, wenn ich daran denke. Es dünkt mich, es freue mich nicht zu sterben, wenn ich es Hagelhans nicht noch eingetrieben."
So erzählte der Wirt, dass Uli sich sehr verwundern musste, wie er ausnahmsweise mit Höflichkeit behandelt worden, indem er auf den Beinen sich habe entfernen dürfen. Der Wirt wusste nun eine Greueltat nach der andern zu erzählen und sagte oft: Es sei Mancher gehangen worden, er habe nicht die Hälfte getan, was der. Aber er sei mörderlich reich, und mit Geld habe man zu allen zeiten viel gemacht und es dünke ihn, je länger je mehr. Je ärmer die Herren würden, desto besser gefiele ihnen das Geld.
Bei einem geschwätzigen Wirte hat man sich leicht länger versäumt, als man dachte. Es war schon ziemlich über Mittag, als Uli aufbrach. Die Gevatterrede war abgetan, und zwar kurz, die plagte Uli nicht mehr auf dem Heimweg, wohl aber der Ärger, für sein Mädchen einen solchen Paten zu haben, und das Werweisen, ob es nicht am besten wäre, den Hagelhans gar nicht einschreiben zu lassen, sondern einen andern zu suchen. Je mehr er darüber nachdachte, desto deutlicher kam es ihm vor, von dem wolle er nichts, und da er keinen andern Paten wusste, so kam es ihm als das Gescheuteste vor, sich selbsten einschreiben zu lassen. Es war nicht mehr Tag, als er durch das Pfarrdorf ging, doch noch zu einer Zeit, wo man zum Pfarrer darf, ohne Angst zu haben, ihn aus dem Bette herauszuklopfen. Bei weltlichen Beamteten wird man freilich auch um diese Zeit selten Audienz suchen, man setzt voraus, ob mit Grund oder ohne Grund lassen wir dahingestellt, sie seien anderswo als daheim.
Er klopfte also im Pfarrhause an, freundlich empfing ihn der Pfarrer und holte alsbald ein Buch hervor, fast grösser als der Pfarrer selbst. "Ich weiss schon," sagte derselbe, "warum Ihr kommt, am Sonntag wollt Ihr taufen lassen. Die Frau ist doch wohl, und was habt Ihr, einen Knaben oder ein Mädchen?" "Nur ein Mädchen." "Nun, wenn es Eurer Frau gleicht, so habt Ihr bald viel hülfe von ihm, und nur Geduld, die Buben werden schon noch nachkommen. Im Anfang hat man grosse sehnsucht nach ihnen, aber zählt darauf, bald kommen sie einem lange schnell genug. Indessen wo rechte Eltern sind, sind Kinder immer eine reiche Gabe Gottes. Wo viele Kräfte tätig sind, recht gerichtet und im rechten grund gewurzelt, da bauen sie ein Haus, sind Säulen für die Eltern. Wen soll ich als Pate einschreiben?" "denke mich selbst," sagte Uli, "brauche dann niemanden weiter zu plagen." "Es ist mir leid," sagte der Pfarrer, die Feder niederlegend, "das darf ich nicht. Niemand kann sein eigener Bürge sein." "Da weiss ich wahrhaftig nicht, was ich machen soll," sagte Uli. "Hört, Herr Pfarrer, wie es mir heute gegangen ist." Als Uli auserzählt hatte, sagte der Pfarrer: "Ich denke doch,