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sich

aus, und im nächsten wirtshaus kehrte er ein. "Einen Schoppen, Suppe und sonst noch was auf einem Teller" befahl er. Der Wirt war selbst daheim, ein schwerer Mann am leib; sein Schritt war so gewichtig, dass es den Gästen allemal angst wurde, wenn er ihretwegen einen Tritt versetzte, sie müssten ihn bezahlen, eben weil er so gewichtig war. Sein Geldbeutel und sein Ansehen waren desto leichter, daran aber dachte Uli nicht; er war noch so gewohnt, von der äussern Schwere auf die innere zu schliessen und von einem doppelten Kinn auf einen doppelten Geldsack, hier voll Silber, dort voll Gold. Grosse, aber hohle Bäuche, aussen fix und innen nix, war damals noch nicht so gebräuchlich.

"Gar weit seid Ihr nicht gewesen?" sprach der stattliche Wirt mit einem Gesicht wie ein klösterlicher Kellerherr oder ein oberkeitlicher Korn- oder Amtsschaffner ihn an. "Ich sah Euch diesen Morgen vorbeigehen." "Nein," sagte Uli, "ganz zunächst, nur im Blitzloch oder wie man sagt." "Potz," sagte der Wirt. "Nehmt es nicht übel, aber besehen muss ich Euch, ob Ihr noch ganze Knochen habt, von den Kleidern will ich nichts sagen. Mit ganzen Beinen kommt selten einer aus dem Blitzloch, oder wenn die Beine ganz, so ist er doch halb gefressen, bsunderbar wenn er wohl am leib ist. Um Verlaub zu fragen: was habt Ihr mit Hagelhans wollen? Kauscher bei dem ist es nicht." Er hätte eine Verrichtung gehabt, von einer Base von Hans, sagte Uli, aber es wäre ihm auch lieber, er wäre nicht gegangen, obgleich er ungeschlagen und ungebissen davongekommen. "Ja, das ist einer," sagte der Wirt, "zwei Solche laufen nicht auf der Welt herum. Nicht dass ich meine, dass ich alles glauben müsse, was die pfaffen stürmen, selb ist nicht; aber wenn ein Teufel ist, so glaube ich, Hagelhans mache Halbpart mit ihm, wenn er ihn nicht selbsten ist. Allweg mit rechten Dingen geht das nicht zu. Keinem Menschen gibt er ein gut Wort, keinem armen Menschen ein Almosen. Geld hat er wie Steine, sein Hof wird gearbeitet wie keiner, er selbst tut keinen Streich. Sein Gesinde hält er wie Sklaven, und doch läuft selten jemand fort und klagen wird Keins, wie bös sie es auch haben und wie gut man es mit ihnen auch meint und es ihnen auf die Zunge legt. Aber es heisst, wie man es mit den Hunden mache, welche man kauft, dass sie nicht fortlaufen, mache es Hagelhans auch mit den Dienstboten. Es nimmt mich ds Tüfels wunder, was seine Dienstboten für ein Trank trinken müssen, dass sie so bei ihm aushalten, oder ob sie sich gleich verschreiben müssen mit Leib und Seele, wie man sagt, dass es der Teufel im Brauch habe. Wenn er einem Menschen aus der Not helfen könnte, er liess sich eher schinden, als dass er es täte. Wie wüst der ist, es glaubt es kein Mensch, ein jedes Kind auf der Gasse weiss Euch hundert Proben davon. Nur für Euch ein Beispiel zu sagen. Wer in Handel und Wandel ist, weiss, wie es geht: das Geld geht aus und zahlen sollte man doch, wenn die Termine um sind. Es gibt immer Leute, welche keinen Verstand haben, wie gut Freund sie auch sind, solange man zahlen kann, und wenn man schon hundertmal reicher ist als sie und hundertfach Unterpfänder hätte, so kommen sie einem nicht daran und wollen Geld, und aus Land und Häusern kann man nicht Geld machen, versteht sich! Nun wie geht es mir? Ich bin stark im Handel, wie bekannt, und so ein Grosskopf sagt einst zu mir: Andreas, wenn du Geld mangelst, so komm zu mir, habe zweitausend Gulden liegen daheim, weiss nicht wo aus damit, würde sie niemanden lieber geben als dir, und wegen Wiedergeben brauchst nicht Kummer zu haben. Mir war es anständig, war damals gerade gut was zu machen, wenn man Geld hatte. Ich, dumm genug, nehme es, dachte nicht daran, dass das mich je plagen werde. Aber was macht mir der Schelm? Dem kommt es anders in Kopf, will das Geld plötzlich wiederhaben; ich konnte es weiss Gott nicht aus den Steinen schlagen, und er, nicht faul, lässt mich betreiben darum. Das werde nicht alles machen, dachte ich, Geld, für den zu zahlen, werde genug im land sein. Aber wohl, da habe ich es erfahren, was es heisst, Geld suchen in der Not; die, welche es haben, haben es, die Andern können zusehen, wo sie es nehmen und wie sie es machen. Ich wusste, dass Hagelhans manchtausend Gulden im haus hatte, und dachte, es werde doch erlaubt sein darum zu fragen, und dann nicht etwa auf die nackte Hand, sondern gegen Versicherung, wo jeder Vernünftige sich hätte ersättigen können. Ich hinauf an einem schonen Morgen, hatte noch eine Flasche vom Besten in der tasche, unter dem Vorwand, ich wollte ihm den zum Versuchen bringen, wenn er wieder etwa kaufen wollte. Dachte, der werde ihm den Mund schon süss machen, und er hätte es gewiss gemacht, wenn es dazu gekommen wäre. Aber ich kam