Ungewöhnlich gross war das Haus und still wie das Grab lag es da, kein Leben schien dasselbe zu bergen, wenn nicht Tauben es rings umflattert hätten. Tauben sassen auf dem dach an der Sonne, Tauben stunden auf dem Brunnen und nippten den köstlichen, süssen Trank, Tauben beinelten rund ums Haus. Uli sah Mägde spinnen in der stube, aber keine drehte ihre neugierige Nase dem Fenster zu oder streckte sogar das ganze Gesicht durch das Schiebfensterchen; sie spannen emsig, wussten es, dass es sie hell nichts anging, kam einer oder ging einer.
Blank war es im haus, aber düster sah es aus; keine Art von Schmuck war in der weiten stube, in welche Hagelhans ihm voranging, kein Glasschrank, kein Geräte irgend einer Art, nicht einmal der grosse Ofen trug einen Zierat, einen ein- gebrannten Spruch oder ein eingehauen Bild. Da hiess Hans ihn absitzen, klopfte mit dem Stocke; ein Gesicht erschien unter der tür, nach einem kurzen Befehl ging es, kam bald wieder mit Brot, Käs und Schnaps, verschwand dann wieder, ohne einen laut von sich gegeben zu haben.
"Also Pächter auf der Glungge bist?" unterbrach der Alte endlich das unheimliche Schweigen und begann nun eine Art von Examen trotz dem besten Professor. Wie ein alter Edelmann die Geschlechter kennt und mehr oder weniger um den Bestand der Familien sich kümmert, so hatte es auch Hagelhans, lebte aber geschieden von der Welt, suchte gelegenheit, Bericht einzuziehen, nicht; kam sie aber zufällig, benutzte er sie. Lange hatte er von der Gegend, woher Uli kam, nichts vernommen, daher war ihm das Meiste neu, was Uli berichtete. Aber ob er an dem Einen oder dem Andern mehr oder weniger Anteil nehme, verriet er weder mit einem Wort noch einer Miene. Er lachte nicht einmal, als Uli vom Elisi und dem Baumwollenhändler erzählte, von der Trinette und dem Johannes, er nahm es mit der gleichen Gleichgültigkeit hin wie den Ruhm, den Uli seinem Vreneli spendete und der Base, sagte zu allem nichts als endlich: Es sei ein verwegen Stücklein, mit keinen Mitteln eine so grosse Pacht zu übernehmen. Aber so sei es halt, jeder mache, was er könne, denke, er sei nicht der Erste, der über nichts komme, ob einer mehr oder minder, sei ja gleichgültig. Nun legte sich Uli des Langen aus, wie er das nicht so habe, wie er es zu machen gedenke, dass es ihm nicht so gehe. Während er erzählte, schielte er so unvermerkt als möglich nach der tür, der Magd gewärtig, welche warmes Essen bringe. Aber er spähte umsonst, es erschien keine Magd. Da sagte er endlich, er müsse machen und gehen, der Weg sei lang, die Tage kurz. "Kannst mich einschreiben lassen," sagte endlich der Alte. "Aber um es zu verrichten, bestelle jemand anders oder mache es selbst, ich habe keine Kutte für die Kirche." "Werde der Base Euern Gruss ausrichten sollen?" fragte Uli. "Selb mach, wie du willst, aber das sage ihr, dass wenn sie mir wieder jemanden zusende, mich nicht ruhig lasse, Hagelhans noch immer der gleiche Unflat sei." Mit diesem Bescheid entliess er Uli, und er und sein Hund sahen ihm nach, bis er oben am Hügelrand verschwunden war.
Missmutiger, ärgerlicher war Uli kaum je von einem haus weggegangen als jetzt vom Blitzloch. So behandelt hatte man ihn wirklich lange nie, und einen zum Paten einschreiben lassen zu müssen, der ihm kein gut Wort gegeben, ihn wie einen Bettler gehalten statt wie einen Vetter, selb kam ihm in den Hals fast wie eine Kannebirne, welche bekanntlich die würgende Kraft haben, an welcher Kinder wohl leben, aber nicht erwachsene Leute. Dass das Gevatterbitten nicht eben die angenehmste Verrichtung sei, hatte er immer gehört, aber sich doch nicht vorgestellt, dass man dabei wie ein Hund behandelt werde. Ein andermal könne dann wer anders gehen, und wenn die Base befehlen wolle, so könne sie es auch ausrichten. Nicht einmal was Warmes anbieten und noch dazu über Mittag und noch dazu einem Vetter, selb war unerhört. War er doch nur Pächter und hätte sich sein Lebtag geschämt, wenn er jemanden, der um diese Zeit zu ihm gekommen, ohne was Warmes aus dem haus gelassen. Uli dachte nicht, dass die Vettern von links nicht gleich wert kommen wie die Vettern von rechts und dass man ihnen nicht die gleichen Ansprüche zugesteht. Er dachte ferner nur, was man dem Uli schuldig sei, und nicht, was bei Hagelhans bräuchlich sei. Wäre der heilige Bastian gekommen oder eine lebendige Majestät, Papst oder Kaiser, was Warmes hätten sie im Blitzloch nicht gekriegt, und es ist hohe Frage, ob Hagelhans so höflich gegen sie gewesen wie gegen Uli und sie hätte heissen in die stube kommen. Hagelhans war Hagelhans, und wegen irgend einem Menschenkinde tat er keinen Schritt mehr oder weniger, machte eine Miene anders, er fragte allen den Teufel gleich viel nach. Wir ihm am nächsten kam, war ihm am widerlichsten, gleich viel ob Bettler oder Kaiser. So war Hagelhans und so konnte er sein, denn er wollte nichts, bedurfte nichts, mit den Menschen hatte er ab- und ausgerechnet ein, für allemal, wie er glaubte.
Was Warmes müsse er haben, machte Uli bei