grosser Hof, lag, wie es sich von selbst versteht, in einem Loch und hatte seinen Namen daher, weil vor hundert Jahren, als der Hügel gegen Westen abgeholzt war, fast alle Jahre der Blitz dort eingeschlagen hatte, so dass man sich lange nicht mehr getraute, ein Haus daselbst aufzurichten. Hagelhans war ein Bauer, gross von Statur und reich an Geld, hatte Knochen wie ein Ochs, ein Gesicht wie ein Löwe und Augen wie eine Katze, wenn weder Sonne, Mond noch Sterne am Himmel stehen. Lieb war er, so weit man wusste, niemanden, kam er in einen Stall, so schlotterte das Vieh, sah ihn ein armer Mensch auf der Strasse, so floh er über alle Zäune weg, kam er in ein Wirtshaus, so floh das Stubenmädchen auf den Estrich und rief den Wirt, als täte es am Messer stecken; einen Hund hatte er, gross wie ein vierteljährig Kalb, der begleitete ihn Tritt für Tritt, und Tauben trippelten furchtlos um seine Füsse.
Uli kannte ihn nicht, aber was er von ihm gehört, veranlasste ihn, stillezustehen und sich bestmöglichst zu fassen, als er auf der Höhe stunde, wo man ihm das Blitzloch zu seinen Füssen gezeigt. Er repetierte seine Rede, aber er musste zwischendurch auch seinen Augen Gehör geben, welche das Blitzloch musterten, und darum kam er mit dem Repetieren nicht weit. Im Blitzloch sah es schön aus, das heisst für eines Landmanns Augen, nicht für Herren, oder eines Dämchens Augen. Die Gebäulichkeiten aller Art waren nicht elegant, aber Uli sagte für sich: Verdammt kommod. Was er sah an Äckern und Wiesen, Bäumen und Zäunen, war so, dass er sagte: Da könnte man noch was lernen. Er vergass endlich seine Rede ganz und gar und schaute sich das Ding da unten an wie ein Künstler ein Gemälde, ein Liebhaber eine Dame. "Wo willst?" erscholl plötzlich eine tiefe stimme neben ihm. Erschrocken fuhr er auf, sah sich um, sah hinter einem Haselzaun eine Gestalt, welche die seine fast um Kopfslänge überragte, und zwischen den grünen Blättern ein grau Gesicht, mächtig wie ein Löwengesicht. Zollang stunde ein grauer Bart im gesicht, nicht nach Wiedertäuferart, sondern weil es dem Eigentümer beliebte, denselben bloss alle Monate oder alle sechs Wochen herunterzuholen. "Wo willst, oder hast im Sinn, das Gschickli zu kaufen?" fragte noch einmal das graue Gesicht, und ein grosser Hund legte seine vordern Tatzen auf den Zaun, tat das Maul auf und sah seinen Herrn an.
Da fand Uli, es sei Zeit zu reden, und sagte: Er habe sich umgesehen, ob er wohl recht gegangen sei? Er wolle ins Blitzloch zum Bauer.
"Was willst bei ihm?" fragte das graue Gesicht und über, blitzte Uli mit seinen kuriosen Augen, dass Uli alsbald wusste, wen er vor sich hatte. "Seid Ihr ihn etwa selbst?" fragte er. "Was willst?" fragte der Alte, dumpf knurrte der Hund. "Ich hätte einen Paten gemangelt und hätte fragen wollen, ob Ihr die Sache verrichten wollet?" sagte Uli erschrocken und ganz ausser allem Gestudierten. "Du Hagels Lümmel! Habe ich den Leuten dies noch nicht sattsam vertrieben?" sagte er. "Ist immer noch einer dumm genug und kommt mit der alten Bettelei?" sagte der Alte mit einer stimme wie dumpfer Donner; laut schlug der Hund an und rüstete sich zum Sprung.
Das fuhr Uli in die Glieder, er stellte sich fest, denn er gehörte zu den Leuten, welchen der Mut mit der Gefahr kommt, und nicht zu denen, welche Helden sind, solange keine Gefahr da ist, denen es aber geht, sobald die Gefahr kommt, wie Schönen, welche eine ungeheure Keuschheit zu feld tragen, solange keine gelegenheit zur Sünde sich zeigt. Uli stellte sich fest und sagte: Er sei nicht zum Betteln da, sondern um einen Paten zu suchen, wie es üblich sei unter Verwandten.
"Verwandten?" sagte der Alte, "wer bist?" "Bin Pächter auf der Glungge, habe dort das Mädchen geheiratet, welches sie auferzogen," antwortete Uli. "Die Base lässt Euch grüssen, Ihr werdet sie wohl noch kennen, hat sie gesagt." "So, erinnert sich die noch an mich?" sagte der Mann, nachdem er Uli scharf betrachtet hatte, "und du willst dem Mädchen, welches sie auferzogen, sein Mann sein, so? Wenn du doch ein Vetter sein willst und nicht ein Bettler, so kannst hinunterkommen."
Somit stellte der Alte seinen Stock über den Zaun, ergriff zwei Zaunstecken, und ohne mit einem Fuss den wenigstens fünf Fuss hohen Zaun zu berühren, hob er sich hinüber, wie kaum ein Zwanzigjähriger es ihm nachgetan hätte; in hohem Satze sprang der Hund ihm nach. Wie ein alter Riese wandelte Hagelhans schweigend seinem Gehöfte zu, Uli unbehaglich hintendrein, ungewiss, ob er als Vetter oder Bettler behandelt werden solle. Ein andermal, dachte er bei sich, könne die Base selbsten gehen; das sei gar kommod, zu befehlen und dann daheim zu bleiben.
Der Weg, fest und eben, wie man bei Schlössern sieht, führte durch einen prächtigen Baumgarten, wo die Bäume in guter Ordnung sauber und reinlich stunden, schöner als manch Regiment, wenn es zur Musterung zieht.