1849_Gotthelf_150_36.txt

dazu?"

"Wenn Ihr das verrichten wolltet, so wäre es mir grausam anständig, und dass Ihr Euch deretwegen gar verköstigen solltet, selb meinten wir nicht," sagte Uli. "He nun, kurz und gut, es ist immer besser als so ein Gestürm, wo man nicht weiss, was hinten, was vornen ist," sagte die Alte. "Die andern Male machst es schon besser, besonders beim Pate musst anwenden." "Wenn wir nur schon einen hätten." sagte Uli, "das Andere würde sich schon machen. Wir haben uns schon die Köpfe kraus gedacht, und Keinen brachten wir heraus, bei dem nicht ein Wenn oder ein Aber war." "So geht es gerne beim ersten" sagte die Base, "später nimmt man es schon nicht halb so genau mehr. Wir haben schon an einen gedacht, rate mal."

Uli riet, aber erriet nichts. "Hagelhans im Blitzloch" sagte endlich die Base, "nicht wahr, an den hättest nicht gedacht?" "Ihr vexiert, Base," sagte Uli, "das soll ja der grösste Unflat sein, und mit dem werdet Ihr nicht begehren zu Gevatter zu stehen." "Euretwegen wohl," sagte die Base. "Er ist eigentlich Vrenelis nächster Verwandter, hat keine Kinder, und man weiss nie, was solchem Menschen am Ende noch ins Gewissen kommt. Man hat Beispiele von Exempeln, wie die Wüstesten lind wurden, wenn es zum Abfahren ging. Man ist es seinen Kindern schuldig, den Verwandten sich zu zeigen und dass man noch an sie denkt. Und wer weiss, wenn er dich mal kennt, könnte er dir auch noch kommod kommen mit seinem Gelde, man kann nie wissen, was so einem grauen Hagelhans durch den Kopf fahren kann. Daneben ist es auch möglich, dass er dich mit dem Stock vom haus wegjagt, aber fressen wird er dich nicht, und wenn er in Kurzem sterben sollte, so brauchst doch nicht in den Haaren zu kratzen und zu sagen: Wer weiss, wenn ich gegangen wäre, käme jetzt auch was an mich. Aber ich machte den Kopf, bin jetzt reuig, gefressen hätte er mich allweg nicht, und einen Verwandten zu Gevatter bitten ist noch lange nicht gebettelt."

"He ja, wenn Ihr meint. Base," sagte Uli zu Vrenelis grosser Verwunderung. "so könnte ich probieren. Zuwider ist es mir, aber der Kinder wegen wird man sich noch Manches gefallen lassen müssen, habe ich mir sagen lassen, und wenn dies das Ärgste wäre, so wollte ich nicht klagen; es ist mir nur, dass ich deretwegen einen ganzen Tag versäumen muss." "Ach Base," sagte Vreneli, als Uli nach abgemachter Sache wieder gegangen war, "ich sollte lachen und das Weinen ist mir zuvorderst. Das hätte ich von Uli nicht erwartet, und dass das arme Kindlein den Hagelhans zum Paten haben soll, das, Base, ist doch wahrlich nicht recht, von ganzem Herzen erbarmt es mich; sehen mag ich ihn nicht, ich bleibe im Bett."

"Dies wäre kurios, wäre das erstemal, dass du vor einem Menschen dich nicht zeigen dürftest. Der liebe Gott gibt ganz schlechten Eltern Kinder, dass man es gar nicht begreifen kann, warum er das den armen Würmchen zuleide tut. Man muss sich damit trösten, dass er am besten weiss, warum er es macht, aber darum wird es wohl erlaubt sein, einem Kind einen Paten zu geben, der nicht der Sauberste ist; bin doch ich noch da und die Bodenbäuerin, du, Uli, da wird doch Hagelhans am Kind wenig machen können, und lässt Gott es zu, nimmt er die Gevatterschaft an, so weiss niemand, für was das gut ist, vielleicht dass es Hagelhans herumführt und zum Frieden bringt. Darum lass es jetzt gehen, wie es angesponnen ist, mach mir Uli nicht etwa abwendig, hörst!" Vreneli gehorchte, Uli ging. Das Blitzloch, wo Hagelhans wohnte, war von der Glungge ungefähr fünf Stunden entfernt und lag in einer Gegend, welche ziemlich unbekannt ist, aus einem grossen Hügelknäuel besteht, durch den keine Heerstrasse führt, aber von Metzgern, Fürkäufern, Hühnerträgern, Taubenkrämern und Haberhändlern fleissig besucht wird, denn da kriegt, wer Geld hat, zu kaufen, was er an Landesprodukten sucht, zum Handel oder eignen Gebrauch. Uli war noch nie in der Gegend gewesen, geschweige denn im Blitzloch selbst. Anfänglich marschierte er wie ein Pfarrer, der seiner Predigt noch nicht recht sicher ist und sie auf dem Kirchweg noch einmal probiert, halblaut und mit Händeverwerfen. Er studierte seine Gevatterbitte ein, sagte die Worte bald so, bald anders, und war er hinten aus, so wusste er nicht, wie er angefangen hatte, musste frisch an das Studieren. Nun kennt ein Pfarrer seinen Kirchweg, die Steinchen alle sind ihm wohlbekannt, er verirrt sich nicht, er stolpert kaum mit den Beinen. Uli aber kannte weder den Weg noch viel weniger die Steine auf demselben, daher er tapfer stolperte, seine Nase bedenklich gefährdete und am Ende noch verirrte. Er war genötigt, sein Studieren zu lassen und auf den Weg zu achten, denn wo keine Heerstrasse ist, da laufen desto mehr kleine Wege durcheinander, und in einem Hügellande verliert man auch die Richtung leicht.

Das Blitzloch war ein