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Nötige erhielten zu rechter Zeit, Vreneli sich nicht selbst darum mühen musste oder sonst zu früh in Anspruch genommen würde. Da Mädi bereits bei der Base gedient, so gab es keine Kompetenzstreitigkeiten, wie sie bei ähnlichen Gelegenheiten sonst nicht selten sind, namentlich zwischen einer allfälligen Frau Schwiegermutter, welche in solchen Fällen eigens herkommt, und dem Gesindepersonal. Es musste schon mancher arme Schwiegersohn taufen lassen über Hals und Kopf, damit er der mit aller Welt im Kriege liegenden Schwiegermutter los und wieder zu Frieden käme. Solch ein vernünftiger Wächter täte jeder Wöchnerin wohl, aber eben ein friedlicher, der nicht mit Krieg und Kriegsgeschrei sie in neue Nöten und gefährliche Fieber bringt. Diese Wächter müssen sich aber freiwillig eben in befreundeten Personen finden, fremde irren, allfällige Vereine sind auf dem land was Treibhauspflanzen, versetzt in bäuerische Gärtchen. Solche Wächter finden sich auf dem land unter den älteren Frauen, soweit es ihre Geschäfte erlauben. Wie alte Offiziere immer bereit sind, Freiwillige vor, zustellen, und wenn das nicht mehr möglich ist, doch gar zu gerne ihre alten Kriegszüge repetieren und sich dieselben so recht lebendig vergegenwärtigen, so lieben Weiber, welche die Zeit unbarmherzig über die Tage der Kindbetten hinausgetragen, die Betten junger Weiber und erquikken sich dabei an der Vergegenwärtigung der eigenen Feldzüge.

Die Base war wirklich da wie der gute Engel, und wenn Joggeli schon brummte, sie täte dümmer als eine Grossmutter und wenn er sterben täte, sie merkte es kaum, so nahm sie es kaltblütig hin und tat, was ihr not schien. Mehr ärgerte sie sich über Uli, der ihr alles zu kaltblütig nahm und so in seinem Treiben und Jagen befangen war, dass er weder Zeit nahm zu besonderen Vaterfreuden noch recht Zeit, der Sache, wie man zu sagen pflegt, nachzulaufen, und doch war es Winter. Kaum dass er Zeit hatte, die Taufzeugen auswählen zu helfen. Begreiflich war Patin die Base, des Bodenbauern Frau die zweite, mit der Wahl des Paten hatte es Not. Endlich ward dazu ein alter Vater erwählt, von dem die Base sagte: Der müsse doch einmal auch herbei, wüst getan habe der sein Lebtag. Es nehme sie wunder, was der für ein Gesicht mache und ob er daran denke, eins zuwege zu bringen, welches er dem lieben Gott zeigen dürfe, von wegen in Sinn werde es dem doch kommen, dass wenn man siebenzig Jahre alt sei, das Abmarschieren nicht mehr fern sein könne.

Vreneli schüttelte den Kopf dazu, dies Gesicht hätte es lieber nicht gesehen. Von diesem mann hatte es immer nur mit dunkeln Worten reden gehört als wie von einem Gespenst, und wenn es weiterfragen wollte, so hatte man gesagt: "Das ist ein Wüster, am besten ist es, man rede nicht von ihm." "Ein Unflat war er, du hast recht." sagte die Base, "und ich werde das Unservater auch zweimal statt nur einmal beten an selbem Tag, wo ich ihn sehen muss. Aber sieh, vielleicht kommt es ihm in Sinn, gut zu machen, vielleicht denkt er dabei an seine Sünden und an ein Gesicht, welches unser Herrgott gerne sieht, und es fehlt ihm die gelegenheit dazu; die wollen wir ihm geben, er hat doch dann keinen Vorwand, wenn der Richter ihn frägt: Hans! Und Vreneli? Tut er dann nicht darum, je nun so dann, so haben wir doch das Unsere getan."

"Aber Base," sagte Vreneli, "wer soll ihn zu Gevatter bitten," "Uli, versteht sich," sagte die Base. "Nein, Base," sagte Vreneli, "dies darf ich Uli doch wirklich nicht zumuten, er könnte mich dauern, das Gevatterbitten ist ihm ohnehin schrecklich zuwider. Sehet nur, was er für ein Gesicht macht, wenn er Euch die Sache vorbringt, und sieht Euch doch alle Tage und hält Euch fast für die Mutter. Auch zu Bodenbauers Frau zu gehen, macht ihm Kummer. Erst dann noch zu dem Vetter, den er nicht kennt, der sein Lebtag nie was von mir wissen wollte, der jagt ihn mit dem Stock vom haus weg. Jahrelang vergisst mir Uli das nicht, wenn wir ihn an einen solchen Ort schikken." "Schweige nur, er muss gehen, das tut ihm nur wohl; die mann müssen nicht meinen, dass sie nur das zu machen hätten, was ihnen anständig ist und für gut dünkt." sagte die Base. "Wofür hätte man sie sonst, die Tabakstinker, wenn man sie nicht zuweilen an etwas hinschicken könnte, welches man nicht selbst anrühren mag?" "Aber Uli geht Euch nicht, Base, und warum ihn böse machen so für nichts und wieder nichts?" sagte Vreneli. "Das verstehst du nicht," sagte die Base. "Uli geht, man muss es nur machen wie der Tüfel mit den Menschen, zu guten Sachen wird das wohl erlaubt sein. Man muss ihn bei der schwachen Seite nehmen. Da kommt er. Will dir gleich zeigen, wie man das macht."

Vreneli wollte noch einreden, wie das ihm auch nicht anständig sei, aber Uli trat schon ein, und die Base sprach: "Du hast mich noch nicht zu Gevatter gebeten, und die Leute sagen doch, ich solle Pate sein; lass doch sehen, wie kannst du das und was für ein Gesicht machst du