und wenn du vorbeigehst, so komme ins Haus und berichte, wie es dir geht. Hörst, und vergiss es nicht, ich zürnte es, wenn du es nicht tätest. Je besser es dir geht, desto mehr wird es mich freuen. Aber es ist keine Gefahr um dich; stellst dich gut, so gehts dir gut; gibts dir etwas Ungesinnetes und können wir dir helfen, so vergiss uns nicht und denke an uns." Selbst Uli sagte: Sie sollten ihm nicht zürnen; wenn sie einmal selbst in seine Lage kämen, so würden sie ihn begreifen. Wenn einer einen Anfang hätte wie er, so müsse er sich sturm sinnen, woher er die Kreuzer alle nehmen wolle. So schieden sie im Frieden auseinander, und dies ist allemal schön. Wer aus allen Häusern im Frieden scheidet, darf hoffen, einst auch im Frieden zu scheiden aus dieser Welt und einzuziehen mit Freuden in Gottes himmlisches Haus.
Am Nachmittag und am folgenden Tage zogen die neuen Dienstboten ein, und Vreneli ward es ein um das andere Mal übel.
Es ist ein wunderlich geschöpf, so ein Menschenkind, und noch wunderlicher krabbelt es ihm im Kopf herum, noch viel wunderlicher, als in einem chinesischen Wörterbuche die achtzigtausend Schriftzeichen, welche die chinesischen Gelehrten ersonnen haben sollen, krabbeln mögen. Ja, müssen noch ganz andere Gelehrte haben, die Chinesen, als wir, haben aber auch um so längere und dickere Zöpfe, begreiflich! Was so in eines Knechtleins kopf krabbelt, stellt sich selten ein Mensch vor, und wäre es auch ein Gelehrter, selbst ein deutscher. Sie kamen daher wie Dampfkessel, auf zwei schlechte Beine gestellt zwar, aber aus allen Löchern pfiff und schurrte der Dampf, sintemalen sie aufgeblasen waren, was die Haut ertragen mochte. Erstlich bildeten sie sich schrecklich viel ein, dass sie wirklich einen Platz hatten und noch dazu an einem so berühmten, grossen Bauernorte. Wer ihnen begegnete, frugen sie, wie weit es noch bis zur Glungge sei, und jeder musste vernehmen, dies sei der Berühmte, man werde schon davon gehört haben, der dort als Melker oder Karrer einziehe oder gar als Meisterknecht, denn so genau nahmen sie es nicht. Sie bildeten sich auch wirklich ein, Solche wie sie seien noch nie diese Wege gewandelt, denn sie gingen nicht, sie wandelten. Als sie endlich an Ort und Stelle angewandelt kamen, mussten sie natürlich zeigen, wer da angewandelt käme, und so kamen sie wirklich wie aufrechte Dampfkessel auf zwei Beinen. Vreneli weinte zuletzt, doch bloss für sich. Uli stunden die Haare bolzgerade auf vor Zorn, er verwerchete ihn jedoch auch im Stillen. Joggeli sass hinter dem Fenster und verwerchete nur Galgenfreude, jedoch auch im Stillen, erfürchtete sich doch zuweilen vor den Kernsprüchen seiner Frau.
Nach und nach langte auch die Bagage an; die war traurig, es war, als käme sie aus dem siebenjährigen Kriege und härte alle Schlachten mitgefochten. Mädi war es, welche rekognoszierte und sichere Berichte darüber brachte. Mädi war also geblieben, Vreneli zu Lieb und Ehr. Uli konnte es nicht verzeihn, dass er die Andern zum Abzug gebracht. Mädi hatte keinen Liebhaber unter den Abgehenden, aber das Ehrgefühl rechter Mägde, welchen alles daran gelegen ist, dass es gut gehe da, wo sie dienen, dass es heisst: da werde recht gearbeitet und bessere Ordnung sehe man nirgends. So viel Verstand hatten zur selben Zeit die Dienstboten, dass die Ehre des Orts auch auf die fiel, welche zu dieser Ordnung beitrugen. Mädi hatte Schadenfreude und sagte, es geschehe Uli recht, dass er solchen Zeug gekriegt, der werde das Jahr über für mehr als zweihundert Taler Zorn und Verdruss zu schlucken haben. Nur sei es nicht recht, sagte es zornig, dass die Unschuldigen mitleiden müssen. Das werde eine Zuversicht geben, dass man vor Zorn nicht mehr werde die Augen auftun mögen. Aber was ihn es am zornigsten mache, sei, dass man die Lumpen alle Wochen werde waschen müssen und dann die halbe Woche ums Haus herum werde zu hängen haben, das werde doch der Glungge wohl anstehen! Die Leute werden glauben, es sei da ein Lumpensammler eingezogen und trockne an den Zäunen, was er nass zusammengetragen. Es hasse nichts mehr, als so verhudelte Hemdchen zu waschen. Anrühren dürfe man sie nicht, das wasser ertrügen sie nicht, an der Sonne führen sie auseinander und das leiseste Lüftchen trage die Fetzen dem Teufel zu, und wenn dann nichts mehr sei, so müsse man alles gestohlen haben. Am besten sei es, Uli wasche selber, Vreneli solle es ihm sagen, Mädi wolle damit hell nichts zu tun haben. Vreneli sagte nichts, aber Mädi konnte sich nicht entalten, Uli zu fragen: "Sag, Uli, in der hintern kammer sind noch zwei grosse alte Tröge; soll ich diese etwa ausputzen, damit die neuen Knechte Platz haben für ihre Sachen?" "Wenn es nötig ist, so will ich es dir schon befehlen," schnauzte Uli. "Einstweilen siehe nur zu dir und mache, dass du immer Platz hast." "Jä so" sagte Mädi, "ist das so gemeint? Das wird eine strenge Obrigkeit geben sollen, wo man nicht mehr das Maul auftun soll und sagen, was einem dreinkommt." "Höre. Mädi," sagte Vreneli, "schweig und lass der Sache den Lauf." "Aber