," sagte Uli gereizt. "Ein guter Meister macht mit wohlfeilen Knechten mehr als ein schlechter Meister mit guten Knechten. Es ist schon aus manchem Klotz ein rechter Bursche geworden, wenn ihn ein guter Meister recht auseinandernahm." Darwider hätte er nichts, sagte der Knecht, wenn er es probieren wolle, so solle er es machen. Gehört hätte er zwar nie, dass einer aus einem Zwilchsack einen Sammetrock gemacht oder aus einem Kalbe einen Hengsten.
Hier wurden sie unterbrochen, und das Gespräch ward nicht wieder angeknüpft. Die Folge davon ward, dass die zwei besten Knechte andere Plätze annahmen, welche ihnen längst angeboten waren. Uli vernahm dieses alsbald, denn es ist eine gar rege Aufmerksamkeit unter dem dienenden volk um diese Zeit, sie visieren und gucken nach guten Plätzen schärfer noch als auf ihren Sternwarten die Astronomen nach neuen Kometen und derlei Dingen. Da kamen die Bursche daher, und einer gab sich für einen Karrer aus, ein anderer für einen Melker, redeten, als kämen sie vom Himmel her, und gebärdeten sich, als seien alle Fürstentümer und Gewalten über Kühe und Pferde unter ihre Füsse getan. Von diesen hörte dann Uli, der sich über das Geläufe für bestimmte Plätze wunderte, sein Karrer hätte zum Kabismüller gedungen und sein Melker in den Krautboden. Das machte ihn böse, dass sie dieses getan, ohne mit ihm zu reden, ihm das Wort zu gönnen. Er dachte nicht daran, dass er es akkurat so gemacht hatte, dass gute Knechte ihr Bewusstsein haben, sich weder am Lohn abbrechen lassen noch um Plätze betteln. Er hielt es ihnen nicht vor, aber gab ihnen kein gut Wort mehr und suchte andere Knechtlein, aber so wohlfeil als möglich.
Wer Landmann ist, weiss, welche verhängnisvolle Zeit der Herbst ist, wie man alle hände voll zu tun hat, eigentlich gar nicht in das Bett sollte oder es machen, wie man von reichen Bauern zu Raxligen erzählt: sie hingen, wenn sie zu Bette gingen, ihre Hosen an die Stange auf, welche um den Ofen läuft, aber sobald die Hosen aufhörten zu blampen, stünden sie wieder auf und machten sich frisch an die Arbeit. Im Herbst ist es nun Not, dass alles flink sich rührt und geschickt in die hände arbeitet, Menschen und Vieh. Schmollen aber Meister und Dienstboten, gönnen sich die Worte nicht, dann hat es gefehlt, dann harzet es überall und es ist, als ob die Glieder der Arbeitenden mit Blei gefüllt wären. Vreneli machte gut, so viel es konnte, musste aber oft die Augen trocknen, wie Uli unwirscher wurde, damit aber die Arbeit nicht förderte. Es wäre sonst ein so gesegneter Herbst gewesen, aber was ist aller Segen des Landes, wenn die Gemüter nicht gesegnet sind mit Frieden! Es war viel Obst, und da Uli das Holz zum Dörren nicht zu kaufen brauchte, sondern Holz nach Notdurft zur Pacht hatte, so ward ein reicher Vorrat für Fehljahre gesammelt. Erdäpfel gabs, dass man sie kaum unterzubringen wusste, Rüben und Möhren wie sonst selten. Man hätte ganze Fuder zu Markte führen können, wenn man entbehrliche Leute und Rosse gehabt hätte. Indessen löste Uli doch schön Geld aus der sogenannten Stümpelten, weit mehr, als er sich vorgestellt hatte. Auf jedem Gute sind nämlich Hauptprodukte, auf welche man hauptsächlich und alle Jahre zählt: Heu, oder wo das Heu abgefüttert wird, Käs oder Milch oder Korn oder Vieh. Dann gibt es noch eine Menge Nebensachen, welche zugleich zufällig sind, Obst zum Beispiel und Erd- speisen, das heisst speisen, die in der Erde wachsen: Erdäpfel, Kohl, Rüben usw., Hanf, Flachs, in unsren Gegenden auch Ölpflanzen, welche anderwärts zu den Hauptprodukten gehören. Je besser nun ein Gut bewirtschaftet wird und je besser namentlich die Frau ist, desto mehr wird auf diese Weise gleichsam so nebenbei gewonnen. Es wird gar manche Frau hoch gerühmt über ihr Geschick, aus der Stümpelten ein bedeutend Geld zu machen, indem sie alles zu Ehren zu ziehen weiss und es zu Nutzen bringen kann, während andere Weiber nichts zu machen wissen, das Entbehrliche weder bemerken noch an Mann zu bringen wissen, es brauchen, wenn und wie der Gebrauch es mit sich bringt, oder es sich selbst überlassen, wenn sie es nicht selbst brauchen können. Das sind die Weiber, denen das Denken eine Pein ist oder die ihre Gedanken allentalben haben, nur nicht bei ihrem Hauswesen. Dies macht natürlich einem Mann einen bedeutenden Unterschied, ob seine Frau die Kleinigkeiten alle zu verwerten verstehe oder nicht. Auf grösseren Gütern kann es in die hundert Gulden gehen.
Vreneli nun verstund das Ding vortrefflich und machte es dem Uli doch nicht ganz recht; es ging nach dem Sprüchwort, dass über dem Essen der Appetit wachse. Uli freute sich des schönen Geldes, aber er hätte lieber noch einmal so viel gehabt. Vreneli war eine von den altväterischen Seelen, welche gerne Vorräte haben im haus auf mehr als einen Tag, welche gerne die Schränkefüllen mit Leinenzeug. Andenken guter Jahre. Vreneli meinte, sie sollten anfangen zu sorgen, dass sie eigenes Bettzeug hätten in alle Spiel, nicht an Joggelis gebunden seien, oder wenn sie einmal hier wegkämen, dann alles auf einmal anschaffen müssten. Fange man frühe an, so komme man weit, und anfangen müsse man in guten Jahren, wie sie jetzt eines hätten, da merke man es nicht,