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" sagte Uli, "wenn man eine gute Suppe hat, so kann man es schon machen, es wäre Mancher zufrieden, wenn er alle Tage eine hätte!" Die Wirtin hatte schon mehr mit Bauern zu tun gehabt, sie trat nicht weiter ein, sondern fragte: "Was für Wein soll ich bringen?" "Sechsbatzigen", sagte Uli, "der ist gut für den Durst und es macht heiss!" "Potz," dachte der Knecht, "das geht mager zu." stopfte sein Pfeifchen, um nachzubessern, und machte ein tiefsinniges Gesicht. Wein und Suppe kamen; mit eingestützten Armen wartete die Wirtin, bis die letztere halb gegessen war, dann fragte sie: "Fleisch werde ich doch auch bringen sollen? Hätte Voressen, bsunderbar schöns Rindfleisch und Speck zum Kraut, wie es üblich und bräuchlich ist, wenn man weit herkommt, weit heim muss. Wenn man läuft, so ist so ein Süpplein gleich runter, und so z'leerem z'laufen oder z'fahren ist nicht gut, man ist gar übel dabei." "Magst, so sags," sagte Uli zum Knecht. "Es ist nicht an mir zu befehlen," sagte der Knecht, "wer zahlt, der befiehlt." Auf dieses Wort hin machte die Wirtin rechtsum und sagte: "Ich hole, Ihr seid gewiss nicht reuig. Daneben könnt ihr immer noch nehmen oder nicht, wie es Euch beliebt." Nun machte Uli ein tiefsinnig Gesicht, und als die Wirtin brachte reichlich, gab es ein seltsam Hin- und Herschieben der Herrlichkeiten. Keiner wollte zuerst nehmen. "Kannst nehmen, wenn du magst," sagte Uli. "Es ist nicht, dass es sein muss, kann es sonst auch machen. Allweg nehme ich nicht zuerst," sagte der Knecht, und das Ende vom Lied war, dass Beide böse wurden: Uli, weil er mehr gebraucht, als er gedacht, der Knecht, weil er sah, wie ungern es ging.

Es ist sehr leicht, bei solchen Gelegenheiten an einem Knechte drei Batzen zu ersparen, aber sehr schwer zu berechnen ist es, wie gross der Schade werden kann, welcher aus drei ersparten Batzen erwächst.

Der Knecht muckelte stark im Gemüte und war anfangs willens, dem Meister das Wort nicht zu gönnen, denn wenn es so seinen Fortgang haben solle, so sei am wohlsten, wer am weitesten davon weg sei. Indessen der Abend war so mild und lieblich, dass sein Schimmer unwillkürlich die düstersten Gemüter verklärte, wie ja auch die untergehende Sonne die schwärzesten Berge vergoldet. Uli hatte die Zeche verwunden und sprach mit dem Knechte erst über die Rosse, dann über die Arbeit der nächsten Woche, die vorzunehmende Ansaat usw. Dem Knecht war es auch nicht mehr so säuerlich ums Herz; der Wüstest sei er doch noch nicht, dachte er. "Und, Uli," sagte er, die Pfeife ausklopfend, "was bist Vorhabens wegen den Dienstboten? Solls beim Alten bleiben, oder willst ändern," Da fuhr eine Wolke über die Sonne, und Uli sprach: "He nun, weil du davon anfängst, so will ich dir sagen, was ich gedacht. Ein Bauer und ein Pächter sind zweierlei, selb weisst. Anständig wäret ihr mir, gegen Keinen habe ich was, aber mit den Löhnen mag ich nicht gfahren, besonders wenn das Korn nichts giltet und ein Schwab am andern hängt vom Bodensee bis nach Zürich, wie mir der Müller gesagt hat. Wenn ich es, weil die Zeitläufe bös sind, mit weniger Lohn machen könnte, so begehrte ich nicht zu ändern." "An selb denke nicht," sagte der Knecht, "mehr arbeiten und weniger Lohn reimt sich nicht, und zu uns selbst müssen wir auch sehen, es tuts niemand anders. Eher solltest du noch mit dem Lohn nach; wenn man jung ist, so muss man sehen, dass man zu etwas kommt, und für den alten Mann sorgen, selb hast du uns oft gesagt und wie dich dein früherer Meister darüber berichtet." Er habe nichts dagegen, sagte Uli, aber das Gleiche gelte für ihn auch. Er müsse sehen, wie er den Zins aufbringe, daneben Steuer und Brauch ausrichte, da helfe ihm auch niemand, und was das heisse, stelle sich niemand vor, als wer es erfahren. Wenn das Korn nicht mehr gelten solle als drei Taler das Malter, so wüsste er nicht, wie das gehen solle. "Aber meinst du dann, mit wohlfeilen Knechten gewinnest du was?" antwortete der Knecht. "Zwischen einem Schuhmacher, der des Tages einen Schuh macht, und dem, der ein Paar macht, ist ein Unterschied, und so auch zwischen einem Weber, welcher zehn Ellen, und dem, welcher sechs Ellen wibt, selb weiss man. Aber bei einem Knechte will man das nicht wissen, man sieht nur den Unterschied im Lohn und meint, der Unverschämtest fordere auch am meisten, und doch ist es ebenso wie bei den Handwerkern. Auch in der Arbeit ist ein Unterschied, denn Weben und Weben sind zwei, und zum Beispiel Mähen und Mähen auch. Daneben mach, was du willst, es ist deine Sache; du wirst bald genug erfahren, wie es gehen kann, wenn du es schon vergessen hast." "Mit Schein rechnest du den Meister nichts