hat erst angefangen, es wird seine Zeit haben wollen wie alles in der Welt. Du hast geredet wie ein Engel und deine Worte waren Samen vom rechten. Aber Base, der Same ist noch nicht Frucht, erst muss er verwesen, dann keimen, dann grünen, dann blühen, dann reifen. Ach Base, wie lange wird es gehen, bis er Früchte trägt bei mir, von wegen meine natur ist hitzig und wild, und wenn die Sonne höher steigt, wird das Beste verwelken.
Vreneli bangte nicht umsonst, seine natur war eine echt aristokratische, sie hatte grosse Anlagen zum Regieren. Solchen Naturen wird die christliche Ergebung und das Unterordnen unter einen Willen, der eng ist, kleinlicht, vielleicht auch verderblich, gar zu schwer, gar zu schwer, sich selbst Gott zu fügen in allen Dingen und zu sagen: Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Schmutzige Naturen haben heisse Reinigungsfeuer nötig, bis sie christliche Naturen geworden sind, aber edle, grossartige Naturen haben nicht weniger schwere Prüfungen zu bestehen, bis sie zu Kindern Gottes sich aufgeschwungen haben. Satan war nicht der niedrigste der Engel.
Doch wohl verstanden, wir reden von aristokratischen Naturen, welche auch im Zwilchkittel zu finden sind, nicht von aristokratischen Angewöhnungen und einem gemachten aristokratischen Äussern. Es gibt solche gemachte Figuren, welche zu den aristokratischen Gebärden noch die christlichen annehmen. Dann ist es aber ein wunderlich Zusehen, wie bald eine Sorte von Gebärden und Redensarten sichtbar wird, bald die andere, wie im Umgang mit der einen Klasse von Menschen die christlichen Gebärden vorstehen, bei einer andern die aristokratischen. Als Regel kann man annehmen, dass das Christliche vorherrscht, solange weder Befürchtung äusserer Beeinträchtigung der Ansprüche oder Widerspruch stattfinden. Über beide erhebt das Christliche sich nicht, sondern gegen sie werden die aristokratischen Manieren und Gebärden Meister. Überhaupt werden in solchen gemachten Figuren Aristokratisches und Christliches nie sich verschmelzen, sie treiben sich abgesondert im leib herum wie Kraut und Rüben in einer Bettlersuppe. Es gibt aber auch eine gewisse Sorte Christentum, welches sich für das aristokratische hält, welcher die Plätze zur Rechten und zur Linken im Himmelreich gehören. Die Christen, welche zu dieser Sorte gehören, mühen sich auch ab mit Gebärden, welche fast wie aristokratische aussehen, diese ihre Meinung von sich selbst auszudrücken. Sie sollten es nicht tun, es steht so übel.
Fünftes Kapitel
Kraut und Rüben durcheinander, wie es sich gibt in
einer Haushaltung
Uli wurde von so freundlichem Winde nicht angeweht, sondern blieb sich selbsten überlassen. Ihn dünkte, er hätte nicht bloss recht in der Sache, sondern er müsse einmal zeigen, dass er auch jemand sei und zwar eigentlich der Mann, der die Hosen anhabe. Wenn er das immer so gehen liesse, so könnte seine Frau zuletzt ein Recht daraus machen wollen und meinen, er solle zu keiner Sache was sagen. Zu solchen Ansprüchen berechtige sie doch endlich ihr Vermögen nicht; was sie eingebracht, habe an einem kleinen Orte Platz. Er nahm da, her das Gespräch über das Gesinde nicht wieder auf, nahm Vrenelis Freundlichkeit mit dem Misstrauen, als ob es auf diesem Wege probieren wolle, was es auf dem andern nicht zuwege gebracht. Da er sich auf dieser Seite schwach fühlte, so verpalisadierte er sich mit desto düstererer Miene.
Noch ungerner als mit Vreneli sprach Uli mit dem Gesinde selbst darüber, nur daran zu denken war ihm zuwider. Es waren eine gewisse Schüchternheit und eine gewisse Unbehülflichkeit bei einander, von wegen nicht bloss Meister zu sein, sondern sich auch als Meister darzustellen auf die rechte Weise und in allen Dingen, ist eine Kunst, zu welcher viele alte Bauern nie gelangen; wie sollte man sie von einem jungen Pächter fordern können, der erst noch selbst Knecht gewesen? Darüber wurden die Knechte ungeduldig. "Hat er mit dir gesprochen?" fragte einer den andern, "dich gefragt, ob du bleiben oder gehen wollest?" Der eine der Knechte sagte: "Ich halte ihm nicht an, mein Brauch war es nie, dass ich um den Dienst fragte; der Meister musste mich fragen, und frägt er mich bis Sonntags nicht, so sage ich dem Kabismüller zu. Es ist ein schwerer Dienst, aber der Lohn auch darnach, und verdienen muss man, während man jung ist." Ein anderer sagte: "Wollte nicht pressieren, er wird das Maul schon noch auftun; mir wäre es zuwider fort, wechsle nicht gerne." "Wartet, am Samstag soll ich mit dem Meister Spreu holen, da gibt vielleicht ein Wort das andere." "Meinetalb," sagte der andere, "aber dass es mir viel machen würde, weiterzudingen, kann ich nicht sagen. Er ist nicht mehr der Gleiche. Man kann nicht genug schaffen, und doch ist er nie recht zufrieden. Es dünket mich, er habe schon vergessen, was ein Knecht gerne oder ungerne hat, und meint, er müsse aus Äckern und Wiesen, Vieh und Menschen das Äusserste, das letzte Tröpflein Saft herauspressen, damit er ein reicher Mann werde. Bloss wegem Zins hätte er das nicht nötig. Wie ich habe merken mögen, ist der so, dass er deswegen keinen Kummer zu haben braucht. Warum nun alle bös haben sollen, um einen zu mästen, weiss ich eben auch nicht, es wäre ein Anderes, wenn Not am Mann wäre." "Oh," sagte der Erste,