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gsatzlich die Base erzählte, so musste es doch endlich aufstehen, und wenn es schon nicht die Augen aufschlug, so sah die Base doch alsbald, dass es geweint hatte.

"Was hast? Meitschi, hätte ich bald gesagt, du und weinen! Was zum Tütschel hast du Unebenes? Oder etwa Kummer, du kommest mit dem Leben nicht davon? Du Tröpflein, alte Soldaten gibt es ja mehr als genug und erst alte Weiber ganze Dörfer voll, du dummes Tröpflein! Aber das wird wohl was andres sein. Was hast? Wenn du Glauben an mich hast und ich dir helfen kann, so sags. Meinst, du könnest es alleine verwerchen, so schweige, sag es aber auch sonst niemanden!" "Base," sagte Vreneli halblaut, "es kam ein Jemand zwischen uns." Da fuhr die Base einen Schritt zurück und rief: "Was du nicht sagst! Mädi?" "Nein, Base, was denkt Ihr! So schlecht ist Uli nicht, deretwegen habe ich nichts zu fürchten und kann ruhig sein." "Wer dann," fragte die Base, "wenn es nicht selb ist?" "Sollte es nicht sagen" entgegnete Vreneli, "aber kann weiss Gott nicht anders, waret Ihr doch immer Mutter an mir. Euer alter Gnäppeler ist es, der hat Uli über Ort gebracht."

Da lachte die Base, dass es sie schüttelte über und über, und sagte: "Oh, wenn ich ein so jung, hübsch Fraueli wäre, wegen einem ganz grauen und halblahmen Mannli wollte ich nicht aus der Haut fahren; wäre es ein hübsch Dirnchen, selb wäre eine andere geschichte, du Babeli, was du bist! Uli kennt ja den Alten so gut als du; du wirst ihn unrecht verstanden haben, da hat er den Kopf gemacht und du hast ihn gemacht, aber das kommt schon alles wieder gut. Glaube mir, es ist nicht das erstemal, dass das so gegangen ist in der Welt."

"kommt, Base," sagte Vreneli, "Ihr seid meine Mutter gewesen von je, Euch darf ich es wohl klagen, sonst vernimmt es niemand in der Welt."

Nun erzählte ihr Vreneli, wie der Vetter sich an Uli gemacht, ihm den Kopf gross gemacht wegen vielem Brauchen und kostbaren Dienstboten und ihn eingenommen, dass Uli auf einmal das beste Zutrauen zu ihm habe, glaube, es meine es niemand auf der ganzen Welt so gut mit ihm als der Vetter Joggeli, und alles vergessen habe, was er vorher an ihm erfahren. So dumm und leichtgläubig hätte es sein Lebtag Uli nicht geglaubt, wenn das so sei, so könne jedes alte Weib ihm den Kopf kehren, und so komme es wahrhaftig nicht gut. Es habe ihm sagen wollen, wie die Sache sei, da habe er ihm abgeputzt und den Vetter erhoben, als ob er ein Seraphim oder gar ein Cherubim wäre, das alte Giftbecherli! "Und dass er glaubt, so einer meine es besser mit ihm als ich, selb will mir fast das Herz abdrücken."

Erst ward die Base bös und sagte: " Tüfels Alt, kann der das nicht lassen! Ich glaube, er wäre imstande, die Engel im Himmel hintereinander zu bringen." Doch, erfahren im Besänftigen, sagte sie: "dSach würde mich auch böse machen, daneben danke Gott, dass es nur das ist, es könnte leicht was anders sein, welches hundertmal schlimmer wäre." "Aber Base, wenn Uli mit wohlfeilen Dienstboten fahren will, kommen wir in ein Wesen hinein, dass ein Wespennest ein Himmelreich dagegen ist, und wenn Uli andern Leuten mehr glauben will als mir, so begehre ich gar nicht mehr dabeizusein," eiferte Vreneli.

Da lachte die Base und sagte: "Zürne nicht, dass ich lache, das Weinen wäre ja freilich anständiger, aber ich kann nicht anders. Was meinst, wenn alle Weiber sich hängen oder ersäufen wollten, deren Männer andern Leuten zuweilen mehr glauben als ihren Weibern, was meinst, Vreneli, wie manches lief lebendig herum? Meinst nicht, es hingen mehr Weiber an den Bäumen als Kannenbirnen, schwämmen mehr in den Flüssen als Hechte und Forellen, Die Sache ist auch nicht halb so schlimm, als man meinen möchte, wenn man sie nur so von ferne ansieht; hab es selbst erfahren, kann davon reden. Meinte es auch so wie du, hatte auch Ursache dazu; war eine Bauerntochter, von Jugend auf bei der Sache, und kam nicht mit leeren Händen, dass Joggeli hätte meinen können, es ginge bloss um seine Sache. Aber ich musste mich anders gewöhnen, es hielt hart und war doch gut. Es ist nicht gut, wenn man sich gewöhnt, alles nach seinem kopf erzwingen zu wollen. Das gibt am Ende einen Zwang, unter dem die Andern leiden, alles versteht man doch nicht, und wenn es nicht gut kommt, so muss man dann auch alleine an allem schuld sein. Wenn die Andern auch ihr Recht haben, ihrem Kopf nach fahren oder anderer Leute Räten und es kommt nicht gut und sie sagen, dass es gut gewesen, wenn sie nur geglaubt, so ist das kommod für ein andermal, es stärkt das Vertrauen. Denn sieh, liebes Kind, man muss nie glauben, das Vaterland hänge an einem Haar und alles Heil daran, dass es