1849_Gotthelf_150_23.txt

dem eigenen Kopf fahren will, begegnet ist. Am Sonntag nach eurer Sichelten, wo unser Alter so nass geworden ist, dass er drei Tage im Bette lag und immer klagte, er könne nicht erwarmen und nicht ertrocknen, am selben Sonntage hatte bei ihnen oben ein Bauer viel Korn draussen liegen gehabt. Als er nachmittags an den Bergen die Wolken gesehen und die nasse Brunnröhre, die ordentlich tropfte, da habe er das Gesinde zusammengerufen und gesagt: Rasch hinaus, gehäufelt und gebunden! Es wettert auf den Abend, bringen wir tausend Garben trocken ein, so gibts darnach Wein genug. Das habe seine Grossmutter gehört, die sei achtzig Jahre alt und gehe an zwei Krücken; die sei mühsam dahergekommen und habe gesagt: Johannes, Johannes, was denkst doch auch? So lange ich mich zurückerinnern mag, ward hier am Sonntag nie eine Handvoll eingeführt, und meine Grossmutter hat mir gesagt, sie wisse auch nichts darum, und doch sei immer Segen bei der Sache gewesen und von Mangel habe man hier nichts gewusst. Und wenn es noch Not am Mann wäre, Johannes, ein nass Jahr! Aber trocken war es bis dahin und trocken wird es wieder werden, und nass werden schadet dem Korne nichts, und würde es ihm schaden, so hast du zu denken, der Herr, der das Korn gegeben, gibt auch den Regen, und wie er es gibt, hast du es anzunehmen. Johannes, tue es nicht, ich halte dir dringlich an. Das Gesinde sei umhergestanden, die Alten hätten ernstafte Gesichter gemacht, die Jungen gelacht und unter sich gesagt, das Altväterische sei abgetan, jetzt sei es eine neue Welt. Grossmutter, habt nicht Kummer, hat der Bauer gesagt. Alles muss einmal zum erstenmal geschehen, und deretwegen ist es nicht bös. Unserem Herrgott wird das nicht viel machen, ob wir heute schaffen oder schlafen, und ebenso lieb wird ihm das Korn am Scherm als am Regen sein. Was drin ist, ist drin, man braucht deswegen nicht Kummer zu haben, denn wie es morgen sein wird, weiss niemand. Johannes, Johannes, drin und draussen ist die Sache des Herrn, und wie es diesen Abend sein wird, weisst du nicht; aber das weisst, dass ich deine Grossmutter bin und dir den tusig Gottswille anhalte, lass heute dein Korn draussen! Ich will, wenn du es sonst nicht machen kannst, ein ganzes Jahr kein Brot mehr essen. Mutter, hat darauf der Johannes gesagt, deretwegen sollt Ihr nicht desto weniger Brot haben, aber eine Zeit ist nicht alle Zeit, es gibt alle Jahre neue Bräuche und dSach sucht man alle Tage besser zu machen. Aber Johannes, hat die Mutter gesagt, die Gebote bleiben die alten und kein Düpflein wird daran vergehen, und hast du dein Korn unter dem dach, was hilft es dir, wenn du Schaden leidest an deiner Seele, Für die kümmert nicht, Mutter, hat der Johannes gesagt, und jetzt, Buben, auf und gebunden, was das Zeug hält! Die Zeit wartet nicht. Johannes, Johannes! hat die Mutter gerufen, aber Johannes hörte nicht, und während die Mutter betete und weinte, führte Johannes Garben ein, Fuder um Fuder, mit Flügeln schienen Menschen und Tiere behaftet. Tausend Garben waren unter Dach, als die ersten Regentropfen fielen; schwer, als wären es Pfundsteine, fielen sie auf die dürren Schindeln. Jetzt, Mutter, sagte Johannes in die stube tretend mit seinen Leuten, jetzt ist es unter Dach, Mutter, und alles ist gut gegangen; mag es jetzt stürmen, wie es will, und morgen schön oder bös Wetter sein, ich habs unter meinem Dach. Johannes, aber über deinem Dach ist des Herrn Dach, sagte die Mutter feierlich, und wie sie das sagte, ward es hell in der stube, dass man die Fliegen sah an der Wand, und ein Donner schmetterte überm haus, als ob das, selbe mit einem Streich in millionenmal Millionen Splitter zerschlagen würde. Herrgott, es hat eingeschlagen, rief der Erste, der reden konnte, alles stürzte zur tür aus. In vollen Flammen stand das Haus, aus dem dach heraus brannten bereits die eingeführten Garben. Wie stürzte alles durch einander! Wie vom Blitz geschlagen war jede Besonnenheit. Die alte Mutter alleine behielt klare Besinnung, sie griff nach ihren beiden Stecken, sonst nach nichts, suchte die tür und einen sichern Platz und betete: Was hülfs dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und er litte Schaden an seiner Seele? Dein und nicht mein Wille geschehe, o Vater! Das Haus brannte ab bis auf den Boden, gerettet wurde nichts. Auf der Brandstätte stand der Bauer und sprach: Ich habs unter meinem Dach! Aber über deinem dach ist des Herrn Dach, hat die Mutter gesagt. Und seit dieser Stunde spricht er nichts mehr als: Ich habs unter meinem Dach! Aber über deinem dach ist des Herrn Dach, hat die Mutter gesagt. Gar grausig soll das anzusehen sein. Viele Leute gehen hin und nehmen ein Exempel daran, dass alles in des Herrn Hand ist, sei es auf dem Acker oder unter einem dach, dass was man vor dem Regen geflüchtet, vom Blitz ereilt werden könne, wohin man es auch geflüchtet."

So sprach die Base. Unterdessen hatte Vreneli den Salat ausgezogen; wie langsam es auch machte und wie andächtig und