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, so hätte er noch seine Freude, er könnte ihnen die Haare zusammenknüpfen und sie hintereinander bringen. Wo aber niemand ist zum Aufweisen, wo er alleine ist, da ist seine Hölle und er der einzige Teufel darin, der Unflat was er ist, der Allerweltsvergifter!"

Vreneli war zornig, und wenn Vetter Joggeli in der Nähe gewesen wäre, so hätte er sorge tragen können zum Rest seiner Haare. Uli besänftigte, aber es gibt wenige Leute, welche, statt zu besänftigen, nicht Öl ins Feuer giessen. Besänftigen ist eine rare Kunst; um sie zu üben, muss man das Herz, welches man besänftigen will, vollständig kennen und aller seiner Schwingungen Meister sein. Uli rühmte den Joggeli, wie er es gut meine, ein erfahrener Mann sei, von allem einen guten Begriff habe, und wie man ihn in Hulden behalten müsse, denn er sei ihre eigentliche Stütze. Man müsse nicht so sein und einen Menschen, wenn er es so gut meine, mit Händen und Füssen von sich stossen, man könnte sich einst reuig werden.

"Das meine ich auch" sagte Vreneli, "man könnte reuig werden, wenn man einfältig genug ist, wegen ein paar guter Worte und einiger Gläser Wein zu vergessen, was man an einem Menschen seit Jahren oder wie ich von Kindesbeinen auf erfahren hat, und einem zu glauben, der keinem Menschen traut und nur daran Freude hat, alles hintereinander zu hetzen. Wie hat er es gehabt mit seinen Leuten, Hätte er einen guten Begriff gehabt vom Bauern und wie man es machen müsse, um vorwärtszukommen, es wäre ihm besser gegangen. Weisst du schon nicht mehr, wie du es angetroffen hast und wie er es dir gemacht"

"Nun, du weisst, jeder Meister kann mit seinem Gesinde bös zwegkommen, und ist einmal ein böser Geist eingerissen, so hat man es damit wie mit dem Schwamm in den Häusern, man bringt ihn nicht weg, wenn man schon ein- oder zwei- mal ändert. Daneben musst du denken, die Menschen können sich ändern. Joggeli weiss, wer wir sind, darum hat er uns den Hof gegeben. Ein Mann, der so viel betrogen worden ist wie er, der darf wohl misstrauisch sein, aber sieht er einmal, dass man es gut mit ihm meint, so kann er ganz anders auch sein. Gegen mich, ich muss es sagen, hat er sich ganz geändert, er ist fast wie ein Vater gegen mich, ich muss es sagen, ich hätte nie gedacht, dass er so sein könnte!" Solche lange Rede tat Uli dar.

"Nun so dann, so halte ihn als Vater, dann kommt es gut. Kratzen wirst du einst in den Haaren, aber es wird zu spät sein. Lebt wohl, Friede und Einigkeit! Wo der Teufel dazu kann, da ist es vorbei damit, und dass du so verblendet werden könntest, hätte ich nie geglaubt! Ach, ach, ich wollte lieber, es wäre uns die Ernte verhagelt worden, es wäre ein kleines Unglück gewesen!" Und bitterlich weinte und schluchzte Vreneli.

Uli ward sehr missstimmt, fast böse. Hatte er doch so vernünftig und sachgemäss geredet, hatte zum Frieden ermahnt, wie es einem Christen ziemt, und Vreneli wollte keinen Verstand brauchen, sich nicht begütigen lassen. Dass es so aus dem Häuschen fahren könnte, hatte er gar nicht geglaubt, und eine Frau alles erzwingen lassen dürfe man doch nicht, am wenigsten mit Wüsttun, dachte er. "Ja." sagte Uli, "wenn du so tun willst und nicht Verstand brauchen, so kann man nicht mit dir reden. Gut Nacht!" Vreneli schluchzte laut auf, konnte nicht einmal "Gute Nacht auch," erwidern.

Das war das erste Ehegewitter, welches bei ihnen stattfand. Kleine Stäupeten oder Schauer hatte es wohl schon gegeben, aber war die Wolke vorübergezogen, schien die Sonne wieder. Das erste Gewitter dagegen zieht gerne trüb und namentlich kalt Wetter nach sich, denn es verzehrt allzu viel Wärme, und die wäre der frisch erwachten Erde so nötig, sie vermisst sie so schmerzlich! Trübe war es auch am folgenden Morgen an ihrem Ehehimmel, dass das Gesinde sich fragte: was es wohl gegeben zwischen der Meisterfrau und dem Meister? Sie hätten sich heute noch nicht angesehen, geschweige ein Wort zu einander gesagt.

Vreneli war am Morgen im Garten und zog Salat aus. Es hatte seit jenem Gewitter nicht geregnet, es war sehr trocken; wahrscheinlich glaubte Vreneli, ein weicher, warmer Regen, komme er nun aus dem Himmel oder aus eines armen Weibes Augen, täte dem Kraut wohl. "Bist fleissig," erscholl hinter ihm der Base währschafte stimme. "Muss den Salat nehmen, er stengelt sonst auf, und wenn es so heiss ist, essen die Leute nichts lieber als Milch und Salat, süss und sauer durcheinander, wie es auch geht in der Welt," entgegnete Vreneli, sah aber nicht auf. "Ja, warum ich komme," sagte die Base, "habe was Merkwürdiges vernommen, muss es dir erzählen, aber mach nur. Wenn du genug Salat hast, so will ich dir ihn rüsten. denke, diesen Morgen war ein Besenmann da aus dem Emmental, wo die guten Birken wachsen, und sagte, was da oben einem Bauer, der Gott und Menschen nichts nachfrägt und bloss nach