1849_Gotthelf_150_19.txt

allentalben ein, wo er an einen Menschen kam, und wie es schien, um so heisser, je älter er ward. So heizte er auch Uli ein, dass derselbe zu dampfen begann, doch sprang der Kessel, der Kopf, ihm nicht, denn nun begann ein Anderer das Heizen und zwar bei Joggeli. Der liebe Gott rollte mit seiner Hand den mächtigen Donnerwagen durch des himmels unendliche Räume gewaltig und hehr. Es war, um sich menschlich auszudrücken, als ob der Herr über seinen Fluren dahinfahre, zu schauen, was seine Kinder machen, ob heilige Sabbatsruhe sei auf Erden oder ein wüst heidnisch Getümmel, oder ob irgendwo ein töricht Menschenkind sich beigehen lasse, sein Korn, welches des Herren Hand ihm wachsen liess, vor des Herrn Wettern zu bergen, als ob man irgendwo hinfliehen könne vor des Herrn Macht. Nun begann Joggelis Herz zu beben, und seine Stirne rauchte, denn er fürchtete das Donnern sehr; er fürchtete es mehr als den Herrn selbst, denn erst wenn es donnerte gedachte er an seine Ohnmacht und seine Sünden, an des Herrn Wort und Macht. Er war ein Kind geblieben sein Leben lang, aber der Art eines, welche hinter dem rücken der Eltern alles sich erlauben, nie ihrer gedenken, sobald dieselben ausserhalb dem Bereich ihrer Sinne sind, aber in die Knie fallen zitternd und bebend, wenn unerwartet sie derselben stimme hören, und bitten und betteln um Schonung und Milde oder in Ecken sich zu bergen und zu sichern suchen, Adam und Eva gleich, als sie des Herrn stimme hörten. Als ernst und feierlich des Herrn stimme aus den Wolken brach, da strebte Joggeli mit schwachen Beinen vorwärts und sagte: Er helfe pressieren. Aber die Wolken riefen dem Sturme, und schneller reiten auf des Sturmes Flügeln die Wolken, als so ein Joggeli mit schwachen Beinen höpperlet. Das komme streng daher, sagte er, wenn sie nur irgendwo schirmen könnten; Bäume wären wohl, aber bei solchem Wetter hülfen sie wenig und seien sehr gefährlich. Wilder, gewaltiger schmetterte der Donner, blendend fuhren die Blitze, rot glühte die Strasse, und doch war es noch heller Tag, gross und schwer fielen Tropfen nieder und tief beugten die Bäume sich. Es war, als ob sie die Nähe des Herrn fühlten. Er würde was geben, wenn er zu haus wäre, sagte Joggeli, es blende ihn gar in den Augen, das möge er nicht ertragen. Der Mensch sei doch dumm, zu laufen, wenn er zu haus auch sein könnte. Wegen drei Kreuzern bringe ihn niemand mehr fort. Kreuzer hin, Kreuzer her, am Ende sei ihm das Leben lieber, und was man an den Kleidern verderbe, wenn man so nass werde, an einen Regenschirm hätte er gar nicht gedacht. "Ein schöner Regen schadet allweg nichts," sagte Uli, "wenn es nur nicht hagelt, mein Korn habe ich Gottlob unter Dach." Gewaltig prasselte der Regen nieder, jeder Regenstrahl einen Finger dick. "Nass, nass wird man, und du mein Gott, wie das donnert, so habe ich es lange nicht gehört! Ja, du hättest deines unter Dach, aber denke an Andere! Gewiss war noch Mancher dumm genug und machte heute nicht Garben, weil es Sonntag ist. Es gibt Leute, welche nie weise werden; was wird das doch unserm Herrgott machen, ob einer Garben macht oder nicht am Sonntag? Die Leute sind doch noch so" – und ein glühender Blitz zuckte vorüber, geblendet schlossen sich ihre Augen, und ein Donner krachte nach, als ob der Himmel geborsten wäre wie eine gläserne Decke und in Millionen Scherben zur Erde rieselte. "Das walte Gott," sagte Joggeli, "wir kommen nicht lebendig heim; wenn ich nur den Brief bei mir hätte, welchen einst die Mutter Gottes zur Erde fallen liess. Ich kaufte ihn einem Luzerner ab für zwei Gulden. Wer den bei sich trägt, dem tun die Elemente nichts und der Blitz nichts und das wasser nichts, aber ich dachte heute nicht dar, an, dass es gut sein könnte."

Fortan ward Joggeli stille, wahrscheinlich sagte er den Brief her, den er vom vielen Lesen auswendig wusste, und glaubte, er werde im mund so gut sichern und schirmen als in der tasche. Er tat es wirklich auch, sie kamen lebendig heim, aber so nass, wie sie ihr Lebtag wohl nie gewesen. Uli meinte, wenigstens einen halben Fuss tief durch die Haut in den Leib hinein habe es ihm geregnet. Er wird wohl übertrieben haben, denn wenn dies auch bei Joggeli der Fall gewesen wäre, so hätte es in der Mitte zusammengeregnet und sicher eine Wassernot abgesetzt, und wir haben nichts davon vernommen. Hingegen schlotterte Joggeli bedenklich, brachte vor Zittern die nassen Kleider kaum vom leib, kroch so schnell als möglich zu Bett, zog den Umhang fest zu, damit er das Leuchten der Blitze nicht sehe, und hütete vier Tage das Bett, dieweil er Fieber zu haben glaubte. Noch viel länger aber als vier Tage brummte er, wie das ein sauber Eingericht sei in der Welt, dass wer sparen und hausen wolle, von unserm Herrgott beregnet werde, dass er fast ums Leben komme. Sein Lebtag versetze er wegen Schuhnägeln und drei Kreuzern keinen Schritt mehr. Dass ihm noch ganz was anderes im Kopf gestochen als Schuhnägel und drei Kreuzer, als er den Uli nach