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es von ganzem Herzen, an ihm gut machen zu können, was die Base und Andere an ihm gesündigt, ihn wiederum zu versöhnen mit den Menschen.

Nachdem es seinen Empfindungen den Laufgelassen, endlich den ersten Eindruck verwürget hatte, sagte es: "Aber Vater, eins: wir wollen es niemanden sagen." Da fuhr Hagelhans auf, dass selbst der Hund erschrak und winselnd eine Ecke suchte: "So schämst du dich meiner," "Nein, Vater, o nein," sagte Vreneli. "Aber hört mich an, bis ich fertig bin, wie ich es meine. Uli und ich haben erst eine grosse Krankheit überstanden, kommen langsam vorwärts; wir machten das plötzlich reich Werden nicht vertragen, könnten uns nicht darein finden. Lasst uns die Freude, nach und nach aufzukommen durch eigene Kräfte! Ein schöner Anfang ist gemacht, ich zweifle nicht am Fortgange; nehmt die Zinsen, ist es nötig, könnt Ihr uns nachhelfen. Ulis Leben ist die Arbeit; was würden die Leute dazu sagen, wenn er fürder arbeiten wollte wie ein Knecht, was würden sie überhaupt für einen Lärm und Geschrei anfangen! Wir möchten tun, wie wir wollten, wäre es nicht recht. Lebten wir sparsam, so würden sie schreien, liessen wir es rutschen, würden sie wieder schreien. Niemanden könnten wir es treffen, und vielleicht würden wir wirklich das Rechte auch nicht treffen. Sind wir in einigen Jahren in guten Stand gekommen, so lernen wir auch so nach und nach mit dem Gelde ohne Ängstlichkeit umgehen. Wenn dann später noch mehr dazu kommt, ist der Sprung nicht so gross, die Leute gönnen es uns besser und wir schicken uns besser dazu. Ich fürchte wirklich, Uli würde irre, wenn er so auf einmal vernehmen würde, ich sei Euere Tochter, das Geld käme ihm wieder in Kopf. Jetzt hat er nur so eben rechte Freude daran, überlässt Gott, was kommt, und was kommt, darf er brauchen."

"Dein Mann soll es also auch nicht wissen?" grollte Hagelhans und seine Augen brannten. "Eben meine ich: nein, und zwar von wegen mir meine ich es. Zürnen musst mir nicht, Vater. Wir kamen zusammen und hatten Beide nichts, Keins dem Andern was vorzuhalten; was wir hatten, verdienten wir, was sein war, war mein, das Meine sein, wir hatten Beide daran geschafft. Beim Armwerden, beim Reichwerden hatte Keins dem Andern etwas vorzuwerfen, und wenn schon Uli hier oder dort eine Schuld trug, so hatte ich meine Fehler auch. Jetzt geht es vorwärts mit uns, Beide haben wir gleiche Freude, gleichen teil daran. Werde ich auf einmal zu deiner reichen Tochter, zu der du mich machen willst, so hat das ein Ende, und wer weiss, und eben da traue ich mir nicht, ob ich nicht dächte, das Vermögen käme von mir, stolz würde und Uli es fühlen liesse, oder ob Uli nicht misstrauisch würde und meinte, weil ich jetzt reich sei, so sei ich reuig, dass ich ihn genommen, und verachte ihn. Wo dieser Wurm sich eingräbt, da sind Friede und Liebe hin. So lange Uli nichts davon weiss, muss ich mich halten als das alte arme Vreneli, und nach ein paar Jahren, wenn wir selbst warm sitzen, macht es dann schon weniger aus. Der Sprung ist nicht so gross, wir sind Beide vernünftiger geworden, und wenn er weiss, dass ich bereits die probe bestanden, so wird er mir nicht misstrauisch und hinterstellig. Darum, Vater, soll er einstweilen nichts wissen und die Sache beim Alten bleiben. Es ist uns so wohl jetzt, so wie Fischlein im wasser. Warum ändern?"

"Magst was recht haben," sagte Hagelhans. "Lieber wäre es mir, die Sache wäre offen und abgetan. Auf alle Fälle, es mag geben was es will, so ist gesorget; der Bodenbauer weiss davon, hat das Nötige bei sich. Ich habe Respekt vor dir, du bist aber auch die Erste, vor der ich ihn habe. Aber Blau Blitz, was wärest du für ein Hagelweib geworden, wenn du zbösem geraten! Seltsam, dass die Alte hier dich so gut und tüchtig erziehen musste, während ihr die eigenen Kinder so arg missrieten, dass sie dem Hagelhans sein Meitschi zu einer solchen Frau machen musste, dem Joggeli seine Kinder aber zu solchen Taugenichtsen. Nun, sei das wie es wolle, so habe ich Ursache, ihr zu danken, und will ihr verzeihen, was sie an mir getan. Und wer weiss, ob sie nicht an mich dachte, als sie dich erzog, und dachte, ich werde ihr einst verzeihen, wenn ich wüsste, was sie hintendrein für dich getan, und wer weissdoch zu hart nachsinnen hilft nichts, danken wir Gott, dass es jetzt so ist."

Das brauchte Hagelhans seinem Vreneli nicht zu sagen, sein Herz war Jubels voll. So lange hatte es niemanden gehabt auf der Welt, jetzt auf einmal einen Vater! Es hatte nicht gewusst, wie Schweres es sich aufgab, als es den Vater bat, einstweilen ihr Verhältnis zu verheimlichen. Es ist schwer, es zu bergen, wenn das Herz voll Jammer ist, aber unendlich schwerer noch ist das Bergen, wenn das Herz voll Freude ist.

Wäre Uli nicht selbst voll Freude heimgekehrt, Vreneli