1849_Gotthelf_150_177.txt

geschehen, könnten wir mit unserm Gelde machen, was wir wollten. Aber wir dachten, es könnte uns, ehe dieses möglich sei, so viel dazwischenkommen, dann blieben unsere Gewissen immer beladen, oder wir könnten Sinn ändern, was so gerne geschieht, wenn man Gutes aufschiebt, denn es scheint dann von Tag zu Tag schwerer, bis es unmöglich scheint und man es zu vergessen sucht, wie ich schon oft erfahren; dann bleibe unsere Schuld vor Gott, und vielleicht bete der unglückliche Mann Tag um Tag gegen uns vor Gott, und wenn das einmal weg sei, hätten wir um so frohern Mut, grösseren Segen, könnten um so leichter auch Euch bezahlen, was Ihr so guttätig uns vorgestreckt. Darum wollten wir vorher niemanden was sagen. Uli hielt es hart, zu gehen, einen schweren Tag hat er heute zu bestehen. Er erwartete, der Mann werde ihm wüst sagen, statt zu danken, und das ist ungut zu ertragen, wenn man es gut meint. Aber darauf kommt es nicht an, wie er tut, dSach ist die gleiche, und etwas ist ihm auch zu verzeihen, denn viel zu leiden darunter hatte er allweg. Anders, als dass er selbst gehe, wussten wir es nicht zu machen. Zudem glaubte Uli, es gehöre auch dazu, dass er sage: ich habe gefehlt, verzeih mir."

"So, meinst, das gehöre zur Sache?" sagte Hagelhans in seltsamem Tone. "Seid doch ja nicht böse," sagte Vreneli, "es wäre mir so leid, und schlimm wäre zu sein dabei, wenn man auf der einen Seite bös macht, was man auf der andern gut machen möchte. Glaubt nur, wir wollen schaffen früh und spät, zu kurz sollt Ihr nicht kommen, und was ich Euch an den Augen absehen kann, will ich tun und Euch auf den Händen tragen, so gut es mir möglich ist; aber zürnet nicht und seid nicht böse."

"So, willst das?" sagte Hagelhans, "und meinst, man solle sagen: ich habe gefehlt, verzeih mir? Kannst vielleicht noch recht haben; wenn es von dem Herzen ist, so ist es um eine Bürde leichter. So höre, ich will dir auch was sagen. Ich habe auch gefehlt, und du bists, die mir verzeihen muss. Ich habe gegen deine Mutter gröblich gefehlt und sie ins Unglück gestürzt. Sie trieben es zwar auch arg mit mir, die Alte von hier hielt mich zum Besten. Als ich meinte, ich hätte die Sache mit ihr richtig, liess sie sich mit Joggeli verbinden. Einige Jahre später trieb es deine Mutter noch ärger, meinte, ich sei eigentlich nichts als ein Tanzbär, der tanzen müsse, wie sie geige. Ich hatte es mit ihr mehr als richtig, aber das Schätzeln mit Andern konnte sie nicht lassen, hatte um so grössere Freude, je wüster ich tat. Ich musste glauben, ich solle nur der Deckmantel sein, sie nehme mich den Eltern und meinem Gelde zulieb; der Mann könne ich sein, aber dass sie dann meinetwegen meine, sie müsse alle Andern hassen, das nicht. So dumm, als man ihn hielt, war aber Hagelhans nicht, war, wenn man ihn böse machte, ein Utüfel, und was er vornahm, ging ans Leben, war das Ärgste, welches zu ersinnen war. Als ich des Spiels endlich satt war, trieb ich deiner Mutter ihre Leichtfertigkeit fürchterlich ein, stellte ihr Fallen, sprengte sie hinein, gab sie der öffentlichen Schande preis. Als dein Vater galt ein hübscher, aber liederlicher Bursche, der um Geld tat, was man wollte, und solange die Rache in mir frisch war, und das war sie manches Jahr, redete ich es mir selbst ein und glaubte daran; dann trieb ich alles aus meinem Kopf, bis der Rat der Alten, mich zum Götti zu nehmen, alles auffrischte. Sie wusste wahrscheinlich am allerbesten den Zusammenhang der Dinge, glaubte, was deiner Mutter niemand geglaubt, wenn sie es auch gesagt hätte, was sie aber nicht tat, denn sie war ein wildes, trotziges Mädchen, und das war, warum sie mir so wohl gefiel, warum ich so lange sie nie vergessen konnte im bittersten Hasse, in welchen die Liebe sich verwandelt hatte. Was die Alte dir sagen wollte, war sicher mein Name, an mich wollte sie dich weisen, wollte dir sagen, ich sei dein Vater. Gut war es, dass du sie damals nicht verstundest; jetzt glaube ich es selbst auch und gerne, Vreneli, du seiest meine Tochter, und will es dir auch bekennen. Magst es nun sein oder nicht sein, ich habe den Glauben; hier macht die Liebe die Sache aus, und die habe ich, mein Hund hat sie auch, und der irrt sich nicht. Für meine Tochter will ich dich halten mein Leben lang, und Vater sollst mir sagen. Bin ich auch ein struber, will ich doch ein guter sein, darauf zähle."

Den Eindruck, welchen diese Worte auf Vreneli machten, kann man sich denken. Daran hatte es wirklich nicht gedacht, obschon es grosse Liebe zum Alten hatte und grosses Erbarmen mit ihm. Es empfand sein gutes Herz und begriff, dass ihm früher, weil man nur sein ungeschlacht Wesen beachtet, arg mitgespielt worden sein mochte. Es freute ihn