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aber wo er Vreneli einen Wunsch anmerkte, ward er erfüllt.

Es klopfte einmal an einem recht wüsten, windigen Regentage, wo Vreneli die Küchentüre zugemacht hatte, damit der Wind ihm nicht ins Feuer komme, an der tür. Vreneli öffnete, draussen stand seine Freundin, welcher es zu Gevatter gestanden, pudelnass, mit einem ebenso pudelnassen kind auf den Armen. "Mein Gott, bist du es," sagte Vreneli, "bei solchem Wetter; was denkst doch, dass du bei solcher Zeit zur tür aus gehst und noch dazu mit einem kind?" Nun begann die Frau sich weitläufig zu entschuldigen, dass sie nicht früher gekommen, aber bei gutem Wetter habe sie Arbeit gehabt und diese nicht versäumen wollen. Vreneli dachte dazwischen, ihn es zu mahnen an das Gutjahr hätte es nicht gebraucht; es sei ihm leid, dass die Freundin so unverschämt geworden, aber die Armut werde dies machen. Aber, fuhr die Frau fort, sie hätte nicht länger warten wollen, ihm zu danken, es hätte sonst glauben können, es sei ihr nichts daran gelegen, und doch könne sie nicht sagen, wie schrecklich es sie gefreut, dass es so an sie gedacht, sie hätte einen ganzen Tag das wasser in den Augen gehabt.

"Weiss nichts," sagte Vreneli, "was meinst?" "Vexiere nicht," sagte die Frau, "du oder der Bauer, wird ja auf eins heraus, kommen, haben uns ja Bescheid machen lassen, es sei hier eine Behausung leer. Wenn wir keine hätten oder noch nicht zugesagt, so sollten wir kommen; sie sei gut, wohlfeil und das ganze Jahr Arbeit. Ich kann dir nicht sagen, wie das mich freute, dass du an mich dachtest und dass ich in Zukunft doch auch jemanden haben soll, dem ich klagen darf, was mich drückt, und Rat holen, wenn ich nicht mehr weiss wo ein und aus." "Daran bin ich wahrhaftig unschuldig," sagte Vreneli, "weiss kein Wort davon." "Verschäm dich dessen nicht," sagte die Frau, "sonst dauert es mich. Für einen Narren gehalten wird mich doch niemand haben," setzte sie erschrocken hinzu, "das wäre doch schlecht, mein Gott!"

"Habe nicht Kummer," sagte Vreneli, "und wäre es so, so lässt sich aus Spass Ernst machen. Aber mir fällt ein, was es sein könnte. Ich erzählte einmal unserm Bauer von dir, wie du mich erbarmet, wie ich gedacht, wenn es zu machen wäre, so möchte ich dich in die Nähe; dein Mann sei gut zur Arbeit, und eine vertraute person käme mir in hundert Fällen so kommod. Jetzt ist ein Häuschen, welches der Bauer zu vermieten hat, leer; was gilts, er hat dran gedacht, was ich ihm gesagt, und er ist es, der dir Bescheid gemacht hat." "ist es noch ein Junger?" fragte die Frau. "Fragst wegen mir oder fragst wegen dir?" fragte Vreneli mit einer Miene, von welcher man nicht recht wusste, ob Zorn oder Spott in ihr stach. Die Frau erschrak und wusste nicht, was sie sagen sollte. "Sieh," sagte Vreneli, "das macht mich am bösten, dass wenn ein Mensch tut, was recht ist, Andern zulieb zu leben sucht, so sucht man gleich was Schlechtes dahinter, und fast ohne dass man es weiss. Es ist ein alter Mann, ein Bölimann, ein Kindlifresser von aussen, hat aber ein gutes Herz, und wenn er mal weiss, dass man treu ist und es gut mit ihm meint, so tut er einem zu Gefallen, was er kann und mag. Er ist darin ganz das Gegenteil vom frühern Bauer. Doch das kannst am besten selbst erfahren. Er ist da, dort drüben im Stock, gehe hin und machs mit ihm ab." Vreneli zeigte der Frau den Weg zum Bauer, "unterdessen mache ich dein Kind trocken und lege es ins Bett."

Die Frau wollte nicht gerne gehen, meinte dies, meinte das, aber Mutter Vreneli konnte auch befehlen, besonders wenn wunde Flecken berührt worden waren. Es ging nicht lange, so kam die Frau wieder daher mit gröblich langen Schritten, platzte fast zur tür herein und schrie: "Wenn ich geschwollen werde am ganzen leib, so bist du schuld; mein Lebtag hab ich noch kein Ungeheuer gesehen als heute, es zittern mir alle Glieder." Hagelhans war wahrscheinlich im Négligé gewesen, hatte langen Bart gehabt und die stimme tief unten herauf genommen, als er den kurzen Bescheid gegeben, sie solle die Sache mit Vreneli machen, wie es sie mache, sei es ihm recht, daneben machen dass sie fortkomme, sie sei eine Stürme. Das habe ihr doch noch niemand gesagt, und das habe er in einem Ton gesagt, dass es gerade gemacht, als ob es donnere. Es sei ihr gewesen, als zittere der Boden unter ihren Füssen, sie hätte gemacht dass sie fortkomme, und ihr sei immer gewesen, als sei hinter ihr eine Hand, fasse sie am Hals und wolle ihn umdrehen.

"Und was dünkte dich," fragte Vreneli boshaft, "ist es ein Junger oder ein Alter?" "Verzeih mir Gott meine Sünde," sagte die Frau. "Ich bin eine arme Sünderin,