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als diesem geneigt war. Vreneli hatte eine grosse Gewalt über den Alten; es herrschte zwischen ihnen die Traulichkeit, wo Vrenelis ganzes Wesen in Ernst und Scherz seine Macht üben konnte. Es suchte ihm das Bauen auszureden, und als das nicht möglich war, doch Zeit zu gewinnen. Die Gründe, wie lieb ihm das alte Haus sei, wie es in einem neuen sich nicht zu gebärden wüsste, wie es sich für einen Pächter nicht schicke, in einem solchen haus zu wohnen, und ihm viel Kosten nach sich ziehe, liess er nicht gelten. Hingegen leuchtete ihm das ein, dass wenn man zu rasch baue, man schlecht baue, und dass allemal das Land das Bauen entgelten müsse, denn während man baue, richte man sein Augenmerk auf den Bau, brauche den Zug für das Bauen, und gröblich werde das Land vernachlässigt. Es wäre daher zehnmal besser, man setze erst das Gut recht in Stand, führe nach und nach in müssigen zeiten das nötige Material herbei; so komme man vor und nach mit allem zurecht, keines schade dem andern und der Pächter laufe nicht Gefahr, sich und seinen Zug zugrunde zu richten. Es müsse sagen, es würde ihm Kummer machen für Uli, wenn er wieder so in ein Gewirre hineingestossen würde. Derselbe habe gar ein ängstlich Gemüt; wenn man ihm schon jetzt nichts anmerke, so könnte so leicht es ihm wieder kommen, wenn man ihn in Versuchung führe, ehe er so recht erstarket sei.

Der Alte war seit Jahren nicht gewohnt, dass jemand ihm widersprach; was er wollte, das wurde ausgeführt, und um so unerbittlicher, wenn er sah, dass jemand ein schief Gesicht dazu machte, das hatte sein Gesinde oft erfahren. Der fremde Wille von Vreneli würgte ihn im Halse wie ungewohnte, seltsame Kost, und doch würgte er ihn herunter mit manch seltsamem Gesicht und ergab sich darein, aber nicht wie Joggeli es getan hatte, unter Knurren und Murren und beständigem Widerstreben, sondern als er ihn endlich hinunter hatte, sagte er: "Nun, dir zu Gefallen, dass du es nur weisst. Aber darauf zähle ich dann auch, dass wenn ich finde, der Hofhabe seinen teil und die Sache sei beisammen, du kein Wort mehr sagst. Hasse nichts mehr als das beständige Wiederkauen."

Vreneli zögerte noch, seine Hand in die dargebotene zu schlagen und das Versprechen abzulegen, denn das alte Haus war ihm ans Herz gewachsen; aber da tat Hagelhans seine grossen Augen auf, und Vreneli schlug ein.

Über einen andern Punkt kamen sie dagegen nie zum Ein, schlagen, da war beständiger Streit, doch nie ein feindseliger. Hagelhans hasste den Johannes, aber mehr noch Elisi; wenn er es sah, ward es ihm wie Andern, wenn sie Mäuse oder Kröten sehen. Johannes liess sich auf der Glungge nicht mehr sehen, seiner Väter Gut hatte er den rücken gewendet auf immer. Elisi hingegen hatte es wie die Katzen, welche nicht an den Personen, sondern an den Häusern hängen sollen, es konnte nicht von der Glungge lassen. Obgleich einige Stunden davon entfernt, erschien es doch alle Augenblicke auf der, selben als wie vom Himmel herab, gebärdete sich daselbst als des Hauses Tochter und behandelte Vreneli auf die alte Weise, als ob dasselbe um Gottes willen da sei, sagte ihm das Unverschämteste und forderte von ihm, was ihm beliebte.

Man wusste nicht recht, war es Dummheit, war es Bosheit, war es eingefleischter Hochmut oder war es die Art von anhänglichkeit, die sich bloss durch Kratzen, Beissen, Klemmen zu äussern vermag. Vreneli ertrug dieses mit klarem Gemüte wie die Eiche die Fledermaus, welche in ihr nistet, der Berg den Morast, der an seinen Fuss sich schmiegt. Hingegen Hagelhans vermochte das nicht, gerne hätte er es, gleich einer Made im Käs, mit dem fuss zertreten. Er befahl Vreneli, mit Elisi abzubrechen, es einmal vom hof wegzujagen wie einen Hund, dass es das wiederkommen bleiben lasse, das Mensch wolle er nicht mehr antreffen. Es könnte ihn ankommen, er stecke ihm eine, dass es mehr als genug daran hätte für immer. Aber Vreneli wollte das nicht. Der Base Kind jage es nicht vom hof weg. Lieb sei ihm Elisi nicht und werde es nicht, aber es erbarme ihn es, an allem sei es nicht schuld und sollte jetzt nirgends mehr sein in der Welt. Die Base drehte sich noch im grab um, wenn sie wüsste, wie es ihren Kindern erginge. "So drehe sie sich meinetalb," sagte Hagelhans, "aber das Mensch lässest du mir nicht mehr ins Haus und jagst es mit dem Besen vom hof, das tust." "Und das tue ich nicht," antwortete Vreneli. "Und das tust du," sagte Hagelhans, und seine Augen glühten lichter und wurden rund wie Pflugräder. "Und das tue ich nicht," sagte Vreneli, und seine Augen wurden rund und flammten, "und das tue ich nicht, und risset Ihr mir den Kopf vom Halse. Recht ist recht und schlecht ist schlecht, und da hat mir niemand was zu befehlen als mein Gewissen und Gott." So hatte zu Hans noch niemand gesprochen. Erstaunt sah er die glühende Frau an, sagte endlich: "Sollte ich wohl vor dir mich fürchten müssen?", ging, sagte von Stunde an nichts mehr von Elisi,