als ein Darum vom Mann. Das ist der wahre Mannsbrauch", sagte Hagelhans. "Wie weit kam Mancher mit solchen Bräuchen?" antwortete die Bodenbäuerin mit sanfter stimme, aber dem bekannten Weiberblick, welchen sie an die Worte heften, welche zünden sollen, gleich wie das berühmte griechische Feuer ehedem auch mit Pfeilen geschossen wurde. Da tat der Hagelhans seine Augen wieder weit auf und sagte: "Habe er es dir nun gesagt oder nicht gesagt, so bedenke, dass wenn ein Wort von dem geschwatzt wird, was ich ihm gesagt, aus allem nichts wird, du aber dein Lebtag reuig wirst, so wahr ich Hagelhans heisse. Jetzt mache, was du willst." Die Weiber haben zuweilen ein eigen Geschick, zu treffen aufs Geratewohl, dass man meinen sollte, sie kennten das Ziel und hätten scharf gezielt, und ist doch all nichts. Die Bodenbäuerin beteuerte umsonst, sie wüsste wahrhaftig nichts, Hans traute nur halb. "Mach, was du willst," sagte er, "aber zähl darauf, was ich gesagt, das halte ich." Der Bodenbauer, der jetzt mit Uli das Füllen besehen hatte und mit ihm in die stube kam, machte dem Gespräch ein Ende.
Hagelhans pressierte mit dem Aufbruch; die sache sei gemacht, Gschwätz trag nichts ab, die Zeit, welche vorbei sei, sei vorbei und nicht mehr zu gebrauchen, sagte er. Er nahm Uli mit fort, trennte sich aber bald darauf von ihm und marschierte dem Blitzloch zu. Wann er wiederkomme, wisse er nicht, sagte er, sie sollten alle Tage seiner gewärtig sein.
Uli ging heim, als wäre er trunken. Also war er wieder Pächter auf der Glungge und unter Bedingungen, wo es ihm fast nicht fehlen konnte, und doch wüsste er nicht, sollte er sich freuen oder nicht; es war ihm etwas Dunkles im Hintergrunde, von dem er nicht wusste, war es gut oder bös. Bald kam ihm sogar der Johannes verdächtig vor, der erst so bedächtig getan und dann so stark eingeredet, und am Morgen sogar die Frau; es war gleichsam, als hätten sie kalt und warm aus einem mund geblasen.
Mit grosser Spannung harrte seiner Vreneli, lief ihm weit entgegen, als es ihn von ferne sah. "Und du bangst noch?" sagte es, als es alles vernommen, "bist du so misstrauisch geworden? Hast den Glauben so gutmütig auf jeden faulen Stock abgestellt, und jetzt ist dir kein Stein gut genug dafür. Sieh, Bodenbauers sollten wir aus ihren Werken erkennen, wegen einigen Talern verkaufen die uns nicht, und Vetter Hagelhans ist zu alt, um Bosheit mit uns zu treiben, sonst was wäre an uns nichts zu gewinnen. Glaube mir, das ist ein Anderer als Joggeli! Hagelhans kann einen Menschen totschlagen, aber den Wurm zertritt er nicht. Warum er es gut meint, weiss ich nicht, aber gut meinen tut er es, dafür wollte ich meine Hand ins Feuer halten. Den wildesten Menschen kommt es manchmal an wie Heimweh, wenn sie alt werden. Sie hätten niemanden, klagen sie, und suchen jemanden, der Anteil an ihnen nimmt und dem sie zeigen können, dass sie doch noch Menschen sind. Vielleicht dass es Hagelhans auch so kam; dazu sind wir nicht ganz fremd, sondern verwandt, freilich nur entfernt, aber böse haben wir ihn nie gemacht und er ist Vrenelis Götti. So habe ich alles Vertrauen, und wenn er kommt, will ich zu ihm sehen, als ob er mein Vater wäre. Mag kommen, was da will, so ist die Pacht gut, und zehn Jahre, denke, da lässt sich was machen, und dass die Sache recht gemacht wird, darauf kannst du zählen, der Bodenbauer ist lauter wie Gold. Was meinst, soll ich Eierkuchen backen heute abend und Nidle stossen recht dick? Lange haben wir nichts Gutes gehabt, und das ist ein kleines Mählchen wert. Ei, wie werden die Kinder sich freuen, wenn sie wissen, dass wir dableiben, den Anken riechen auf dem Feuer und die Nidle stossen sehen. Möchte ja selbst springen und jauchzen wie ein Kind, weiss gar nicht, wie leicht es mir ums Herz ist!" So jubelte Vreneli kindlich, und grosse Freude war auf der Glungge selben Abend.
Achtundzwanzigstes Kapitel
Wie die Welt im Argen bleibt und gebesserten
Menschen es gut geht mitten in der argen Welt
Als die Leute vernahmen, dass Uli frisch gepachtet und gut und welche Freude darüber gewesen sei auf der Glungge, da wunderten sie sich sehr. Anfangs hatten sie Mitleid gehabt mit Uli und gedacht, der wüste Mann werde ihn handlich plagen, er könne sie übel erbarmen; verdient hätte er es nicht, wenn er schon einige Zeit von dem Kraut, welches nichts koste, man nenne es Hochmut, wohl viel gehabt.
Als sie nun aber vernahmen, dass es umgekehrt gegangen, Uli besser zweg sei als vorher, ja dass Hagelhans gar noch Vetter sei und Götti von einem kind, da hielten sie alles für ein abgeredet Spiel, um Joggelis Kinder und Kindeskinder zu verstossen. Ob es so sei oder nicht, untersuchte man begreiflich nicht, sondern man hielt es einfach für grimmig schlecht. So viel Gutes sie dort genossen und die Alte ihnen mehr getan als den eigenen Kindern, und jetzt es ihnen so machen, wo sie in der Not seien, das sei über