gleichsam der Text, über welchen die Bodenbäuerin predigte. Die Predigt war viel länger und bündiger.
Endlich konnte der Bodenbauer sagen: "Frau, du gibst dir viel zu viel Mühe, die Sache ist anders, ganz ds Gegenteil!" Potz Himmeltürk, bisher war der Bodenbauer im einfachen Plotonsfeuer gewesen, jetzt kam er unter Vierundzwanzigpfünder. Wer mal dabeigewesen ist, wenn die krachten, der weiss, was dreinreden hilft. Endlich sagte der Bodenbauer, als ihm schien, die Munition sei am Ausgehen: "Du tust wie ein trunkenes Fraueli, weiss gar nicht, was dich ankömmt. Habe dich nie so gesehen als sechs Wochen nach der Hoch, zeit, da du einmal eifersüchtig wurdest auf deine eigene Grossmutter. Wann du ausgeredet hast, so sags. Ein Wörtlein möchte ich endlich doch auch dazu sagen." Aber es surrete lange noch bei der Bodenbäurin, ehe sie sagte: "Nun, so rede! Es würde mich doch wunder nehmen, was du dazu zu sagen hast?"
Der Bodenbauer setzte der Frau die günstigen Bedingungen der Pacht auseinander und fragte, ob da böser Wille sein könne. "Du Tropf," sagte die Frau, "dass du das nicht einsiehst, das ist gerade so wie beim Teufel; er verspricht alles, um nichts als nur arme Seelen in seine Klauen zu kriegen." "Du hast unrecht, Frau," sagte der Bodenbauer. "Der Mann hat sich in meine Hand gegeben und mir Sachen gesagt und aufgetragen, dass ich weiss, woran ich mit ihm bin, und dass vielleicht nicht Viele herumlaufen, welche bräver sind als der verrufene Hagelhans, und dass Uli ein glücklicherer Mann werden kann als bald einer." "Was hat er dir denn gesagt?" fragte die Bodenbäurin. "Ich musste ihm versprechen, es niemanden zu sagen, bis er es mir erlaube", sagte der Bodenbauer. "Ho, mir doch wirst du es sagen können", sagte die Bodenbäuerin. "Darf nicht," sagte der Bodenbauer, "er hat noch extra gesagt, dir solle ich es nicht sagen, und ich habe es ihm in die Hand versprechen müssen."
Potz Himmel, wie ging da das Feuer frisch auf, und wer mal selbst solch Ehespektakel erlebt hat, kann sich den gang des Stückes denken und wie manchen Aufzug es gab. Doch vielleicht ist selbst dem Erfahrensten das Ende überraschend. Der Bodenbauer hielt sein Wort; was er versprochen hatte, nicht zu sagen, das sagte er nicht. Das ist selten! Es mag der Welt unglaublich, ja unnatürlich scheinen, und doch ist es ganz einfach und naturgemäss. Der Bodenbauer hatte seiner Frau keine eigenen Geheimnisse zu verschweigen, darum konnte er fremde bewahren. Wer aber eigene Geheimnisse hat, sucht gerne mit dem Ausplaudern fremder Geheimnisse die seinen zu verdecken, die Weiber abzulenken.
Wir wollen offen sein und gestehen, der Schluss befriedigte die Bodenbäurin durchaus nicht. Die Bodenbäurin verarbeitete eine schlaflose Nacht, nicht eigentlich wegen der neu, gierde, sondern, wie sie sagte, dass der Mann sie so wenig liebe, ihr so wenig traue, dass er nach fünfundzwanzig Jahren ihr nicht sagen möge, was ihm gesagt worden sei. Als es endlich gegen Morgen ging, kam es ihr, denn sie war vernünftig wie selten eine, Versprechen sei eigentlich Versprechen und Ausnahmen seien Ausnahmen und Löcher ins Versprechen, und wo mal ein Loch sei, sei die Sache nicht mehr ganz. Ihr Mann hatte dem Hagelhans was versprochen, er habe aber auch ihr versprochen Treue und sonst noch viel. Sie begehre, dass er ihr halte, und sie glaube, er habe es getan; warum solle sie ihn verführen, dass er jemand anders nicht halte? Genau genommen sei das schlecht von ihr, und wenn er ihr abfalle, so geschehe es ihr ganz recht; dem Einen recht, dem Andern billig. Es tat der Bäurin sehr leid, dass es so lange gegangen war, ehe sie dies begriff, und als am Morgen der Mann erwachte, da bat sie ihn dringlich, dass er ihr doch nicht zürne. Da hätte er es bei einem Haar gesagt, denn er war noch schlaftrunken und die unerwartete Liebe war fast wie ein englischer Zapfenzieher, welcher alles öffnet. Zu rechter Zeit noch erwischte er das entspringende Wort beim Bein und sagte bloss: "Zähle darauf, die Sache kommt gut. Mache Uli guten Mut, und einst werden die Leute das Maul offen vergessen und nicht Babi sagen können vor lauter Verwundern."
Am Morgen wusste die Bodenbäurin nicht recht, wie sie mit Hagelhans umgehen solle. Hagelhans schlug ihr seine grossen Augen ins Gesicht, so gleichsam als ein Blasenpflaster, welches wieder herausziehen konnte, was nicht drin sein sollte. Die Bäurin merkte gleich, was das sein solle, und sagte: "Habt nicht Kummer, ich habe einen wüsten Mann; eigentlich sind alle wüst, aber meiner vor allen, sagt mir nichts, als was er gerne will. Nun, ich bin auch nicht halb so neugierig, es wäre mir ein Leid, wenn ich alles wissen müsste, was mich nichts angeht. Es gibt dagegen Sachen, welche man gerne wüsste und wo dies wohl zu verzeihen ist. Wenn man zum Beispiel jemanden für gutmeinend halten soll, den man für einen Unflat gehalten, so wäre einem ein Warum doch vielleicht erlaubt."
"Auf ein Warum von der Frau passt nichts besser