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Schimpfwörter aus dem mund, dass die Kinder sagten: "Mutter, Mutter, um Gottes willen, was hast du? So tatest du nie, mache die Haken auf am Göller, du erstickst ja! Herr Jeses, Herr Jeses, was hast?" "Das Ungeheuer, der Unflat, der Utüfel, was er ist! Dass doch einen Solchen Gottes Erdboden trägt! Ich habe von dem schon gehört, als ich ein junges Mädchen war, aber gesehen habe ich ihn nicht. Da war nichts Schlechtes, was man ihm nicht nachredete, der Schlechteste war er, der je in einer Menschenhaut über die Erde lief. Den schönsten Mädchen lief er immer nach, und wenn sie nichts von ihm wollten, verfolgte er sie schrecklich, sie waren ihres Lebens nicht sicher vor ihm. So machte er es der Glunggenbäuerin, noch viel schlechter soll er es deiner Frauen Mutter gemacht haben. Man erzählte Sachen, ich darf sie nicht denken, geschweige aussprechen. Er quälte sein Lebtag alle Menschen; Teufel und Hagelhans sind wie Brüder, wer besser sei, weiss man nicht. Und jetzt muss der Unflat mir noch ins Haus kommen, mich beschimpfen, und wir sollen helfen euch ihm ins Netz jagen und unglücklich machen. Nein beim Hagel, der Utüfel muss doch auch er, fahren, was man auf ihm hält und dass man ihn kennt und dass nicht alle Leute sich vor ihm fürchten und dass er nicht machen kann bis zu allerletzt, was er will, der Unflat, der Utüfel! Dass ihr mir aber auch nicht ds Herrgotts seid, mit dem alten Unflat euch einzulassen, sonst halte ich mein Lebtag nichts mehr auf euch. Wir haben, wenn es sein muss, für euch zu arbeiten und zu essen. Was er an der Mutter nicht alles ausüben konnte, das wird er mit der Tochter treiben wollen, das Untier!"

So begehrte die Bodenbäuerin draussen vor dem haus auf, dass man mit keinem Hämmerlein hätte dazwischenkommen können und es Uli ganz angst wurde, dass er nicht hineinging, bis es dämmerte und Johannes mit seinem gast herauskam. "Wie habt ihr das Füllen gefunden?" fragte Hagelhans, und der Spott zuckte ihm in jeder Runzel. "Geht und seht selbst, Ihr versteht Euch besser darauf als ich," schnellte die Bäuerin und fuhr ins Haus, als ob sie auf einem Hexenbesen sässe, der Rest ihr nach bis an Uli, der nicht wusste, sollte er auch gehen oder sollte er bleiben.

"Kannst es ihm jetzt sagen," sagte Hagelhans zum Bodenbauer. "Uli," sagte der Bodenbauer, "wir haben einen Akkord abgeredet, ich soll ihn ausfertigen lassen, wenn du damit zufrieden bist; ich denke aber Ja, ich hätte ihn mir nicht besser erdenken können, wenn ich schon gewollt hätte. Du bekömmst den Hof auf zehn Jahre, die gleichen Zugaben, brauchst hundert Taler weniger Zins zu zahlen und kannst einen Zins immer verzinsen, wenn du das Geld zum Betrieb brauchst. Auszurichten hast du nichts als den Bauer zu speisen, wenn er da ist, und will er das Stöcklein beziehen, welches er sich vorbehalten, so macht sich dies dann besonders. Das ist die Hauptsache, damit, denke ich, kannst du wohl zufrieden sein."

Uli wusste nicht, was er sagen sollte, war das, was er hörte, ein Glück oder eine Mäusefalle. Endlich fragte er: "Und mit den Schulden, wie ist dies?" "Der neue Bauer übernimmt sie," sagte der Bodenbauer. "Ich wollte zuerst sie nicht abtreten, aber als er es nicht anders haben wollte, machte ich es mit ihm, dass er sie die ersten fünf Jahre nicht absagen darf, bis dahin wirst du dich hoffentlich erholen können." Da Uli mit der Sache immer noch tat wie mit einem vortrefflichen Bissen, mit dem man aber den Mund zu verbrennen fürchtet und ihn daher erst von allen Seiten anbläst, so sagte der Alte, der den Handel wohl merkte und dem der Spott im ganzen gesicht herumfuhr wie ein Schwärmer durchs Gras: "Wenn du nicht weisst was du willst, so besinne dich. Gehe das Land auf, das Land ab bei jedem Babi zRat, dann sage ab oder zu, wenn ich noch lebe! Gut Nacht!" Uli musste mit, da sie in einer stube schliefen, konnte es aber lange nicht zum Schlafen bringen.

So hatte es aber auch der Bodenbauer. Der Bodenbauer war den berüchtigten Gardinenpredigten ganz entwöhnt. Mann und Frau lebten so einig, verstunden sich so gut, dass ein blick, ein Wort genügte, sich zu verständigen. Aber wohl, diesen Abend brach eine los, dass der Mann lange seinen Ohren nicht traute, nicht wusste, kam sie wirklich von seinem weib oder von einem bösen geist.

"Mit einem solchen Utüfel und Untier machst du gemeine Sache," brach es bei der Frau los, "um zu deinen paar Batzen zu kommen und die armen Leutchen um alles zu bringen, nicht bloss um das Geld! Das wird die Leute wundern, wenn sie vernehmen, was der Bodenbauer, vor dem sie so lange Respekt gehabt, für einer sei, und lange Zeit werden sie nicht wissen, ist er zu einem Esel geraten oder zu einem Schelm und untreuen mann. Mich selbst nimmt es wunder für welchen von beiden man in Zukunft ihn halten solle." Das ist so