Gefahren, Gespenster- oder sonst Geschichten.
So kamen sie an das Ziel ihrer Reise, Uli wusste fast nicht wie. Bodenbauers waren eben beim Nachtessen, als die Beiden klopften und auf ein lautes "Herein", in die stube traten. Als der grosse Mann mit seinem grossen Hund in die stube kam, ging es fast wie ehedem in den Wirtshäusern; es erschraken alle, selbst den Bauer überfloss ein gewisses Erschrecken. Unwillkürlich wurde das naturgemässe Manöver ausgeführt: hinter dem Vater, dem Schild und Schwert der Familie, barg sich alles. Befangen streckte der Bodenbauer dem Hagelhans die Hand zum Willkomm und sagte: "Ihr seid es, aber ich hätte eher den Kaiser von Russland bei mir erwartet als Euch. Sah Euch an die zwanzig Jahre nicht, und es hiess, Ihr ginget nie vom haus." "Man sagt manches in der Welt," sagte Hans, "was nicht wahr ist," bot der Bäuerin die Hand, und die schlotterte wie ein Mädchen, wenn es die Hand zum erstenmal einem Jungen geben soll. In Hans wachte offenbar der alte Schalk auf und hatte seinen Spass an diesem Schreck und Schlottern. Uli machte den Vermittler, stellte Hagelhans als den neuen Glunggenbauer vor und sagte, sie kämen, um mit Johannes über die Sache zu reden.
Die Bodenbäuerin wurde ganz bleich, als sie das hörte. Nun, auf das Geld habe ich so stark nicht gerechnet, dachte sie, das ist verloren und ich will nichts dazu sagen; aber die armen Leutchen dauern mich, die sucht doch unser Herrgott einmal um das andere wohl stark heim. Erst das Hagelwetter, jetzt noch Hagelhans als neuer Bauer, der schindet sie lebendig. Auch Johannes konnte sich ähnlicher Gedanken nicht erwehren, vergass jedoch die Pflichten der Gastfreundschaft nicht, hiess sich setzen und essen. besonderen Platz zu machen am Tische für die Gäste brauchte er nicht, denn kaum war die Tür frei, so war der ganze Haufe verschwunden, an das Essen dachte Keiner mehr. Sie hatten manchmal vom Hagelhans im Blitzloch reden hören als wie von einem greulichen Kobold und manchmal gewünscht, wenn sie ihn doch einmal sehen könnten, aber nur von weitem. Jetzt hatten sie ihn gesehen, nur zu nahe. Hagelhans hatte die alte Sünde nie ablegen können, sich den Leuten als den zu geben, für welchen sie ihn nahmen, wendete oft grössere Mühe an, sein Gutmeinen zu verbergen, als Heuchler anwenden, gutmeinend zu scheinen. Merkwürdig war, wenn er gegen diese Sünde kämpfte, wie bald das Gutmeinen hervorbrach und dann wieder desto greller die Bosheit, wie wenn am gewitterhaften Himmel bald die Sonne scheint, bald die Blitze zucken durchs schwarze Gewölke.
Er habe die Glungge nicht gerne in fremden Händen gesehen, und da er niemand hätte auf der Welt, der nach ihm frage, so habe er auch niemanden zu fragen, wenn es ihn gelüste, einige Kreuzer mehr oder weniger wegzuwerfen, bemerkte er dem Bodenbauer. Er würde gerne noch einige Handvoll nachwerfen, wenn er wüsste, was jetzt die alte Glunggenbäuerin im Himmel dazu sage und was sie für ein Gesicht mache, dass Hagelhans Glunggenbauer geworden! Nun könne er nicht alsbald aus dem Blitzloch fort, sondern müsse einen Pächter haben auf der Glungge. Man sei halt geschlagen mit solchen, aber der, welchen er gefunden, scheine ihm von den weniger schlechten zu sein, und noch dazu sei er Götti von einem kind des Pächters und solle sogar dessen Vetter sein; da müsse man begreiflich ein Einsehen tun, auf die Gasse begehre er die Leute nicht zu bringen. "Uli ist dir schuldig und du warst sein Bürge. Nun wirst du nicht ferner Lust haben, die Finger in die Tinte zu stossen; ich habe aber auch nicht Lust, einen Pächter anzustellen, den mir einer, sobald es ihm beliebt, auspfänden und bloss machen kann; ich mache dies lieber selbst, wenn es sein muss. Du hast den vorigen Akkord machen helfen, und jetzt musst auch unsern machen helfen. Uli, der Vetter, hat das Zutrauen zu dir, weil der vorige so gut gewesen, und ich habe nichts dawider. Er soll nicht meinen, dass ich ihn übernehmen will. Aber vergessen muss man jedenfalls nicht, dass der Hof mich sechzigtausend Gulden kostet, nicht gerechnet, was ich verbauen muss; daneben mag ich es den Leuten gönnen, dass sie wieder aufkommen."
Du alter Schelm, dachte Johannes, bist immer der gleiche Unflat, aber diesmal fängst du uns nicht; ehe wir eintreten, muss ich mit Uli reden. Die Bodenbäuerin hatte sich erholt, erfüllte ihre Pflicht als Wirtin wieder, und als man mit Essen fertig war, unterhielt sie sich mit Uli. Da sagte der Bodenbauer zu Uli: "Komm doch geschwind mit mir in den Stall, während es noch Tag ist; möchte dir ein Füllen zeigen und fragen, was du meinest, ob ich es fällen oder zum Hengst geraten lassen soll."
"Weisst was," sagte Hagelhans, "schick die Frau mit Uli hinaus, er ist hübscher als ich und lieber geht sie mit ihm in den Stall, als dass sie bei mir in der stube bleibt. Hätte übrigens auch noch ein Wort mit dir zu reden." Die Bodenbäuerin kriegte einen Kopf so rot wie ein Kupferkessel, aber eine Antwort wollte ihr nicht kommen.
Draussen erst brach es ihr los im Halse, und hageldick flogen ihr die