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sagte: "Du hast recht! Wie schnell man doch so was vergisst! Umsonst sollst du mich nicht gemahnt haben."

Hagelhans kam zurück, Vreneli war mit dem Essen noch nicht fertig. "Jetzt ist das Geschäft mein, jetzt will ich mir es recht ansehen, da gibt es was zu schaffen." Die Sache hätte man in Ehren gehabt, so gut man gekonnt, sagte Uli, dem die Bemerkung ins Fleisch gegangen war. Aber Joggeli hätte nicht gerne Geld ausgegeben für Handwerksleute, er selbst hätte es sonst zu brauchen gehabt. Er hätte auch nicht immer alles aufputzen können; wenn man das Meiste mit fremden Leuten machen müsse, so graue es einem am Ende des Jahres über die vielen Taglöhne. Daneben sei das Haus so alt nicht, noch währschaft, mit Wenigem komme man weit. Der Alte sagte nicht viel darauf, guckte überall herum, und als sie zum Essen kamen, sagte er Vreneli: "Was sagst du dazu, wenn ich ein neues Haus da baue, eins, das einer hoffärtigen Frau besser ansteht als diese alte Hütte?" Vreneli meinte, das werde ihm nicht Ernst sein, wäre Sünde. "Denn das hiesse das Geld in Bach geworfen, das alte ist noch hundert Jahre gut."

Den Alten hatte der seltsame Baugeist ergriffen, der unwiderstehlich fassen soll, wer sich ihm einmal ergeben hat. Das alte Haus schien ihm Reparaturen nicht wert, zu klein, zu unkommod, zu viel Hüttchen aller Art darum herum, so übel anzusehen, so unbequem; man müsse, sagte er, was zusammengehöre, unter ein Dach ziehen. Er sprach, als ob morgen der Bau beginnen müsste, dass Vreneli endlich sagte: Wenn es an seiner Stelle wäre, so wollte es sich einstweilen damit nicht so plagen; sollten sie dableiben, so wollten sie ja zufrieden sein, sie begehrten es nicht besser. Dann dünke ihn es, man hätte ihm einstweilen stark genug zu Ader gelassen, er sollte froh sein, frisch Atem zu fassen. "Das, Base, wenn es erlaubt ist, dies zu sagen, verstehst du nicht", antwortete Hagelhans. "kommt einer mal in Zug, dem Geld den Lauf zu lassen, so ist ihm nicht wohl, bis der letzte Kreuzer durch die Finger ist. Der Anfang ist schwer im Sparen und Ausgeben; wenn Hagelhans was anfängt, so fährt er zu bis ans Ende, halbwegs bleibt er nicht. Doch wegem Weg, wenn wir zum Bodenbauer wollen, so mach dich fertig, es ist Zeit." Er sei fertig, sagte Uli, er wolle anspannen lassen, wenn er es befehle. "Was anspannen?" sagte Hagelhans. "Du wirst doch nicht einer von denen sein, welche meinen, dass wenn sie drei Schritte vor das Dach hinausgehen, es gefahren sein müsse? Das wäre mir nicht anständig." Es sei wegen ihm, dass er fahren wolle, die Rosse hätten eben nicht viel zu versäumen, sagte Uli. "Meinetwegen braucht es sich nicht," sagte Hagelhans. "Ob unsere Beine müde werden vom Fahren oder müde vom Laufen, kommt auf eins heraus, und wenn du nicht zu vornehm bist, so schämst dich nicht und nimmst mit mir den Weg unter die Füsse." Dagegen war nichts zu sagen.

Siebenundzwanzigstes Kapitel

Die dritte Reise zum Bodenbauer

Uli musste sich anstrengen, Schritt zu halten mit dem Alten, der einherschritt wie ein aus einem Hünengrabe erstandener Recke, dem die Leute aus dem Wege gingen und nachsahen mit Verwundern. Uli dachte im Stillen, besonders wenn die Rede des Alten heraufquoll wie ferner Donner: eigentlich sei es kein Wunder, wenn seiner Zeit die Mädchen eben nicht sonderlich durch ihn angezogen worden seien von wegen seiner Liebenswürdigkeit, dazu sei er doch wohl zu gross und unghürig. Sein Tun in früheren Jahren mochte seiner Gestalt entsprochen haben.

Wenn man zusammen wandert, so gibt ein Wort das andere, unvermerkt rutscht man der Materie zu, von welcher man gerne spricht, die Alten gerne von Jugendzeit und Jugendstreichen. Uli hörte mit offenem mund zu. Er glaubte auch was verrichtet, manchen tüchtigen Streich ausgeteilt zu haben, aber gegen Hagelhans war er ein bloss Kind gewesen. Der hatte Schlägereien gehabt, dass das Blut durch die Strasse floss, Schabernack geübt und zwar groben, wo er konnte. Er hatte eine eigene Freude daran gehabt, den lieben Gott zu machen und zu züchtigen und zu plagen mit grober Hand, wen er für schlecht hielt oder wer ihm sonst nicht gefiel; denn es ist Vielen schwer, zwischen Beiden zu unterscheiden auf die rechte Weise. Er hatte Geld verklopft, ein Pferd hätte es kaum gezogen, dafür aber auch einen Namen gehabt, mit dem man die Kinder zu Bette jagte; das Wort "Wart, Hagelhans nimmt dich!" war ein Zauberspruch. Wenn er in einem wirtshaus erschien, so war es, als sei der Kindlifresser gekommen: allgemach schoben die Leute sich zur tür hinaus, der Wirt räumte so unvermerkt als möglich alles Zerbrechliche weg, und die Stubenmagd tänzelte so graziös als möglich um ihn herum, wie ein Pudelhündchen um einen Löwen, doch wohlweislich immer sechs Schritte ihm vom leib. Hans rühmte sich alles dessen eben nicht, er sah zu wohl ein, wie er den Menschen vorkommen musste und wie schreckhaft er sich aufgeführt, aber er erzählte doch mit einem gewissen Behagen, ungefähr wie man überstandene Krankheiten erzählt, erlebte