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ungesinnet zu übernehmen begehrt." "Aber," sagte Uli, "ich kann es doch fast nicht glauben, wir wären ja viel zu glücklich, wenn das sich jetzt so machen sollte, und wie es scheint viel besser, als es früher war, gerade als wir meinten, wir seien auf dem Äussersten." "So geht es mir freilich auch" antwortete Vreneli. "Aber das erstemal wäre es nicht, dass so was geschieht, daneben kann man immer vorsichtig sein. Du hast gehört, wie er schon lange was im Kopf gehabt, er sagte aber nicht was, aber nicht gelegenheit gehabt bis zur Steigerung."

"Da hätte es bald Streit gegeben", sagte Uli. "Johannes hoffte, es werde ihn niemand abbieten, und hatte, wie man sagt, einen Käufer an der Hand und die Aussicht, eine schöne Summe zwischenauszunehmen. Als nun Bott um Bott aus der Ecke kam von einem alten Mann, dessen sich niemand geachtet, fing Johannes Händel an. Jeder Lump und Stöffel könnte ihm den Hof herauftreiben um Wein oder aus Bosheit. Der alte Hund solle schweigen oder er werfe ihn zur tür hinaus. Der Alte rührte sich nicht, bot kaltblütig weiter. Johannes wollte ihm auf den Leib, da stunde der Alte auf, der Hund auch, und der Alte sagte: Büebli, lass dich nicht gelüsten, du bist am Unrechten. Ich bin der Hagelhans im Blitzloch, vielleicht habt ihr auch schon von dem gehört. Da kann der Schreiber sehen, dass ich nicht bloss bieten, sondern auch zahlen kann, und zwar bar, so viel man will und so schnell man will. Er legte vor den Schreiber eine Brieftasche, und nachdem derselbe hineingesehen, ward er höflich und sagte, ja, so sei es. Und jetzt, fragte Hagelhans und streckte seine Glieder, dass er anzusehen war fast wie ein alter Turm aus der Römerzeit, und jetzt, will mich noch jemand hinaustun oder mir das Bieten wehren?" Aber niemand hatte Lust dazu, weit um ihn stunde niemand mehr. Die Einen hatten von ihm gehört und hielten ihn so gleichsam für des Teufels Halbbruder, die Andern erschreckte der grosse Mann mit dem knurrenden Hunde. Johannes fluchte alle Zeichen, dass der Teufel den hergebracht und dass er ihn nicht gekannt. Es sei eigentlich ein Vetter von der Mutter selig her, habe keine Kinder, und wenn er es gewusst, so solle ihn der Teufel nehmen, den hätte er ins Garn jagen wollen, dass es einen prächtigen fisch für ihn abgegeben hätte. Solche Kühe seien das lustigste Metzgen, sie fielen gut ins Gewicht, hätten zumeist mehr Fett, als man glaube. Es müsse den Teufel tun, wenn er den Alten nicht um den Finger wickle, ehe die letzte Halbe getrunken sei. Doch Johannes kannte Hagelhans nicht, musste das Feld räumen, wenn er sein Fell ganz erhalten wollte, und natürlich halfen alle, welchen mit barem Gelde gedient war, dass dem Alten das Gut baldmöglichst zugeschlagen werde. "Jetzt wird er gegangen sein, um Kaufbrief und Zahlung zu besorgen."

"Weisst, was es kostet?" fragte Vreneli. "Grässlich Geld," sagte Uli, "sechzigtausend Gulden. Kein Christ bringt da den Zins vom Gelde heraus, und wer weiss, ob er nicht meint, mit Gutmeinen könne er uns locken, dass wir es um diesen Zins übernehmen." "Zweifle," sagte Vreneli, "er würde, wenn er das wollte, nicht zum Bodenbauer begehren. Und was hülf es ihm, wenn er uns schon hineinsprengte; er weiss ja, dass wir nichts haben, begehrt keinen Bürgen, und wo nichts ist, hat ja selbst der Kaiser sein Recht verloren. Mich dauert nur der Johannes und seine Kinder, dass die um das Gut kommen und für immer. Jetzt ist kein Pardon mehr für sie, sie müssen herunter bis zum Bettlerbrot. Er hat uns schlimm behandelt, aber ich kann mir nicht helfen: seine Mutter tat mir Gutes, und nichts kann mich mehr erbarmen, als wenn Familien auf diese Weise zugrunde gehen. Hundert und vielleicht mehr Jahre geht es, bis vielleicht wieder ein Glied derselben festen Fuss fasst, wurzelt, aus dem abgehauenen Stamme ein Sprössling hervorwächst, der wieder sein Haupt erhebt über das niedere Gesträuch."

"Und deine Kinder, erbarmen dich die nicht auch?" fragte Uli, den jetzt eben kein grosses Mitgefühl plagte. "Nicht halb so viel," sagte Vreneli, "die werden gewöhnt, wie sie es ihr Lebtag haben können, lernen arbeiten, kommen hoffentlich einst mit Ehren durch, und wer weiss, was aus ihnen wird, was recht Gutes, so Gott will. Was jene an Gut haben, verprassen ihnen die Eltern, zu was Besserm helfen sie ihnen nicht. Was meinst, wer ist mehr zu bedauern, wenn sie nichts erben, ihre Kinder oder unsere Kinder?" Er meine es nicht so, sagte Uli, sondern er meine, jene Kinder gingen sie nichts an, die ihren wohl. Böses wünschen wolle er ihnen nicht, aber sagen müsse man doch: wenn es ungeheissen komme, unverdient sei es nicht. "Uli, Uli, nicht so," sagte Vreneli; "sind nicht vielleicht auch noch Leute, die sagen könnten, Gott strafe unsere Kinder um der Eltern willen?" Uli stutzte, gab Vreneli die Hand und