sei es gegangen, aber lustig. Schnitter und Schnitterinnen seien aus dem Berglande gekommen scharenweise wie Rinderstaren im Herbst. Ganze Haufen hätte ein einziger Bauer angestellt und doch so drei bis fünf Wochen zu ernten gehabt. Da sei man nicht so müde geworden wie jetzt, wo man am Abend kein Glied mehr rühren möge. Er wisse, dass man oft nach dem Feierabend noch bis gegen Mitternacht getanzt hätte im Grase oder in der Tenne. Unter der Schar sei immer einer gewesen, der ein Tänzlein hätte pfeifen können auf dem Blatte oder sonst, und nicht selten hätten die Schnitter neben der Sense eine Geige mitgebracht oder eine Ziter. "Jetzt ist es mit Pfeifen und Tanzen aus und es kommt noch die Zeit, wo man in einem Tage alles macht. Ja ja, die Leute werden alle Tage gescheuter und abgerichteter auf ihren Nutzen. Wann habt ihr angefangen, und seid schon fertig?" fragte Joggeli mit einem andächtigen Seufzer. Auf erhaltene Antwort sagte er: "Das ist nie erhört worden, und wenn man das früher jemanden gesagt hätte, er hätte gesagt, es fehle einem im kopf. Aber Uli ist auch ein Ungeheuer zum arbeiten, es geht ihm von der Hand, ich habe noch niemand so gesehen. Wenn ihr es von ihm lernet, so kommt es euch in alle Wege kommod." Nun schlug er Ulis Ruhm auf dieser Saite in allen möglichen Variationen an, bis ihm die Base, welcher es katzangst dabei ward, rief, sie möchte ihn was fragen. Ob es nicht Zeit wäre heimzugehen, meinte sie, es sei über Mitternacht? Als Joggeli nicht Lust bezeigte (wahrscheinlich hatte er wieder was Neues, Interessantes im kopf), warf sie so hin: Man könne nie wissen, aber es gebe schlechte Leute in der Welt und zwar immer mehr; wenn die merkten, dass der Stock leer und alles hier sei, so könne sie die Lust ankommen, nachzusehen, ob sie drinnen nicht was fänden, welches ihnen anständig sei. Jä wohl, das wirkte und machte Joggeli Beine. Wenn sie es erzwungen haben wolle, so sei es ihm am Ende gleich. Ob, gleich nun Uli und Vreneli einredeten und von seiner Flasche mit Wein sprachen, welche noch nicht halb leer sei usw., so hatte er doch kein Bleiben mehr; die Alte hatte ihm den schwachen Punkt berührt, sie kannte den so gut wie ein Husar den Fleck an seinem Pferde, wo man es nicht anrühren darf, wenn es nicht hinten und vornen ausschlagen soll. Nachdem Beide abgegangen, ward es einförmiger am Mahle, wenn auch lärmender mehrere Stunden lang. Zuweilen legte einer den Kopf auf die arme und schlief; wachte er wieder auf, so trank er erst ein Glas Wein, dann begann er zu essen, als komme er neu zum Tisch. Andere gingen hinaus; was sie trieben, wissen wir nicht, aber kamen sie wieder, so assen und tranken sie ebenfalls so, als hätten sie noch sehr wenig gehabt. Wenige blieben sitzen, als wären sie da fürs ganze Leben angenagelt; es waren die Veteranen, welche an fünfzig Sichelten sich die kaltblütige Ruhe erworben hatten, welche imstande ist, vierundzwanzig Stunden lang, wenn es sein muss, zu essen und zu trinken, ohne je zu viel zu kriegen. Aber furchtbar langweilig wurden sie und schienen nur dar, auf zu horchen, ob sich die verschluckte Masse nicht setzte, so dass sie einen Bissen hinunterschieben und einen Schluck nachtrinken könnten. Dazu kam nun allgemach der Tag herauf, und nicht leicht was Grausigeres gibt es, als wenn der Tag durch die Fenster kommt, hinter welchen herabgebrannte Lichter glimmen, Tabaksqualm schwer über grauen, blassen Menschen mit gläsernen Augen liegt, über Menschen, welche essen, trinken, rauchen, reden, singen, aber alles in unsäglicher Schwerfälligkeit und Langsamkeit wie im Traume, zu nichts mehr tauglich sind, nicht einmal zum Aufstehen und zu Bette zu gehen. Ja das ist wüst, aber nicht bloss so einfach wüst, sondern gleichzeitig eine Geduldprobe; für den Wirt, und besonders wenn er bloss Pächter ist, kann kaum eine ärgere erdacht werden. Er muss also aushalten, vielleicht geht auch seine Frau ins Bett, da sie zur Zeit wieder auf dem Platz sein muss, um das Mittagsmahl zu bereiten, während der Mann schlafen kann, bis es auf dem Tische steht. Er ist müde von der Arbeit, schläfrig von kurzem Schlafe in vergangener Zeit, hat Wein getrunken, eine Nacht ganz durchwacht und sitzt da und sieht den Tag kommen, sehnt sich nach dem Bette, dortin zieht es ihn mit Himmelsgewalt, aber da herum sitzen noch die Angenagelten und nageln auch ihn fest.
So wie der Tag kam, kam es Einen nach dem Andern an wie die Eulen: er suchte die Finsternis, nachdem er noch in sich geschafft hatte, was die Haut ertragen mochte; aber die alten verpichten Häute bleiben und der Wirt muss auch bleiben. Es sieht der Gastgeber, dass sie sich offenbar Gewalt antun, dazubleiben, zu essen, zu trinken, dass sie es ihm offenbar zum Trotz tun, nicht bloss um ihm so wenig als möglich übrig zu lassen, so viel als möglich abzuessen, sondern um ihn zu peinigen mit dem Dableiben, ihn zu versuchen, dass er ungeduldig wird, endlich in die Worte ausbricht: "Es dünket mich, ihr solltet einmal genug haben und euch ins Bett packen, das