dem Abzug nicht. Sie haben noch Erbarmen mit uns. Dachte das nicht, als sie so schnöde mir auswichen, als ich zum erstenmal nach meiner Krankheit zur Kirche ging. Glaubten wahrscheinlich, es werfe mich alsbald auf den rücken, ich begehre sie um Geld zu plagen oder Gott weiss was. Jetzt, wo die Plage ihnen anderswoher kommt, sind sie billig gegen mich, ich kann nicht klagen. In den Steigerungsgedingen wird alles, was ich in der Schatzung habe, der Zahl nach als Zugabe angeboten; gilt es gehörig und findet sich einer, welcher es so kauft um den gehörigen Preis, so kann ich noch manches verkaufen, womit ich das Inventar vermehrt habe. Ich kann bleiben bis im Frühjahr, oder wenn ich abziehen muss, soll mich der Käufer entschädigen nach Ehrenmänner Befinden. Sie hätten mich härter halten können. Da graut es mir nun bald, von vornen anzufangen, wie einem, der von einem Baume, welchen er erklettern wollte, heruntergerutscht, sich dreimal besinnt, ehe er wieder ans Klettern gehen mag; bald ist es mir, wenn ich nur Berg und Tal zwischen mir und hier hätte, damit ich vergessen konnte, wie es mir hier gegangen, und wieder Mut fassen für die Zukunft, irgendwo anhängen könnte, wo mir die Hoffnung aufginge, dass wir mit Arbeit in Ehren fortdauern. Es ist mir fast wie einem, der zwischen Leben und Tod schwebt und nicht weiss, was er lieber will, leben oder sterben. Nur hier bleiben in der Schwebe, so als ein Hampelmannli zwischen Leben und Tod, zittern müssen vor jeder schwarzen Wolke, zappeln und angsten das ganze Jahr durch und doch am Ende des Jahres Gefahr laufen, mit einigen hundert Talern im Rückstande zu bleiben und mit Schmach und Schande davongejagt zu werden, das möchte ich nicht; ich glaube, ich hielte es nicht aus, am leib nicht und an der Seele nicht. Ich fühle hier, so wie wir jetzt stehen, eine Ohnmacht bis zum Sterben, fühle, dass unsere Kräfte nicht reichen, darum sehne ich mich fort, während es mir das Herz zerreisst, vom hof zu lassen, der mir fast wie eine Mutter so lieb geworden ist."
"Ja, du hast recht," sagte Vreneli, und Beide begannen ein Lobpreisen des Gutes, was zu machen wäre noch und wie trefflich es bereits sei, als wäre es ihr neugekauftes Eigentum; sie vergassen gänzlich, dass sie es vielleicht in den nächsten Wochen mit dem rücken ansehen mussten.
Auf Erden dauern schöne Träume selten lange, die rauhe Wirklichkeit lässt ihre Rechte sich nicht nehmen, und wenn die Träume am himmlischsten sich gestalten, macht sie einen Strich durch dieselben und streut Sand darauf. Johannes kam dahergerasselt und brachte einen mit, um ihm das Gut zu zeigen. natürlich tat er, als ob er daheim sei, ging ungefragt überall herum, und wo er was Verschlossenes fand, befahl er zu öffnen, und wenn er ein hart, bös Wort fliegen lassen konnte, versäumte er die gelegenheit nicht. Es ist nicht bald was Bittereres als dieses freche Durchstöbern eines Hauses, dieses rücksichtslose Dahinwerfen giftiger oder roher Bemerkungen. Das Gefühl, das man dabei hat, ist ähnlich dem, welches uns ergreift, wenn jemand uns die Kleider vom leib reissen will. Da fühlen wir es denn so recht, dass wir keine bleibende Stätte haben, sondern Pilgrime und Fremdlinge seien, welche eine zukünftige suchen müssen; gar gerne schlägt dazu das Heimweh, scheiden möchte man von hier, heim möchte man, wo einem in jedem Falle viel besser wäre.
Bald nach Johannes rasselte es wieder daher. Es waren Gläubiger vom flüchtigen Schwager, welche es wunder nahm, was etwa für sie noch zu hoffen sei. Diese machten mit der gleichen Freiheit ihre Runde, kümmerten sich um die Bewohner bloss, wenn sie was fragen, was tadeln wollten und dozieren, wie es hätte gehen sollen und wie es in Zukunft gehen müsse. Wollten Uli oder Vreneli sich davonziehen, machten sich nebenaus, so wurden sie entweder gerufen oder stiessen auf die andere Partei, gerieten von einem Arger in den andern. Es war nicht bloss, als ob sie in keinen Schuh gut wären, sondern als glaube man, sie seien mit Büffelhaut überzogen, fühlten Büchsenkugeln nicht, geschweige denn Worte.
Nun kam auch noch der Mann, welcher Uli die beiden Kühe abgekauft hatte, und hätte wieder gerne zwei teuer gekauft. Es war, als ob es heute wieder hagle in der Glungge, aber nicht Steine diesmal, sondern Menschen. Es war Uli sehr unangenehm, dass der Mann sehen musste, wie er auf dem Punkte war, leer abzuziehen. Der Mann hätte Uli gerne noch zu einem Handel verleitet, welcher nicht redlich, indes zu machen gewesen wäre und Uli ein schön Stück Geld abgeworfen hätte. Aber Uli wollte nicht. Er glaube, sagte er, man könnte vor dem Richter nichts mit ihm machen, die Sache sei eigentlich noch nicht verkauft und er hätte so noch etwas für seinen Schaden. Aber es hätten nun schon Viele alles besehen, und wenn man schlechtere Ware hinstelle, um die Zahl der Stükke richtig zu machen, falls jemand in Bausch und Bogen kaufen wolle, sei dieser betrogen. Er habe mit Ehren nichts vor sich gebracht, mit Kniffen wolle er jetzt auch nichts. Der Mann sah sich das Gut auch an. Es gefiele ihm, sagte er, ein abträglicheres