es sei Zeit, dass einmal auch jemand an die denke. Er war einer von denen, dieser Schwäher, welche immer die schönsten Fürwörter haben, mit den Hauptwörtern dagegen desto schlechter bestellt sind. Er war einer von denen, welche gerne viel vorstellen. Er hatte ein grosses Haus und das Haus voll hoffärtiger Töchter, von denen jede die Schönere sein und am wenigsten tun wollte. Dies ist freilich auch eine strebsame Richtung, führt aber selten an ein glänzendes Ziel, sondern zumeist an ein lumpichtes. Des Vaters Betragen musste begreiflich Trinette entgelten, dadurch wurde sie nicht liebenswürdiger. Johannes sagte: Man solle sie nur ansehen, was er mit einem solchen Storch als Bäurin anfangen solle; für Wirtin, um unter der tür zu sitzen und die hände zu reiben, möge sie noch gehen, wenn man es nicht zu genau nehme. Aber wenn er auch nicht selbst bauern könne wegen dem Storch, so lasse er doch des Vaters Hof nicht, der käme einst seinen Kindern kommod; er müsste sich ja vor ihnen noch im grab schämen, wenn er denselben verkaufen liesse, den schönsten im ganzen Bernbiet! Das war auch ein schönes Fürwort, denn hätte er ihn wohlfeil erhaschen können, so würde er sich keinen Augenblick besonnen haben, ihn zu verkaufen, wenn der Profit ihm aus seinen Verlegenheiten geholfen hätte.
Wir wollen jedoch nicht in Abrede stellen, dass es Johannes hart hielt, den väterlichen Hof zu verkaufen, das adeliche Element war noch nicht ganz in ihm verflüchtigt. Kurios, dass Kinder so oft als Fürwörter gebraucht werden von Verschwendern und Geizigen, wobei jedoch zwischen beiden zumeist ein bedeutender Unterschied im Gemüte ist. Der Verschwender, der nicht ganz zum Vieh geworden, denkt wirklich an seine Kinder, aber leider zumeist hintendrein, wenn es zu spät ist, der Geizige aber wirklich selten. Ein Geiziger ward einmal um einen Beitrag zur Erziehung armer Kinder angesprochen. Das sei doch Verstand, ihm so was zuzumuten, antwortete er. Wie er es im grab verantworten wollte, wenn er den eigenen Kindern entzöge, um es fremden zuzuwenden. Der gleiche Geizige plagte jedoch ganz getrost durch unverständige Arbeit die eigenen Kinder bis in den Tod, so viel dachte er an sie.
Aber wenn einer weder Geld hat noch Kredit, so wird er da, wo es auf Geld ankömmt, wenig geästimiert, mag er noch so laut brüllen. Da Johannes keine annehmbaren Bedingungen weder stellen wollte noch konnte, musste der Hof an eine Steigerung kommen. Das tat auch Uli und seiner Frau sehr weh. Vreneli war da aufgewachsen, wusste kaum, wie es anderwärts war. Uli hatte schöne Träume gehabt.
An einem schönen Herbstsonntage sassen sie nachmittags vor dem haus. Tauben, Hühner, Kinder trippelten um sie her, in traulicher Freundschaft Keins das Andere fürchtend. Es war ein gar freundlich Sitzen da und ein lieblicher Anblick ringsum. Desto grösser ward in Beiden die Wehmut, und die gleichen Gedanken stiegen in Beiden auf "Wie manchmal wohl sitzen wir noch hier?" seufzte endlich Vreneli. "Es wird hart halten, ehe ich mich an einen andern Ort gewöhnt habe. Schöner mag es an manchem Orte sein, wo weitin das Auge sieht, an den schönen Seen oder wo die Berge glühen oder glitzern über das Land herein. Aber heimeliger wird es mir wohl nirgends werden als hier, wo es grün und so still ist, am Sonntage man wie in einer grossen Kirche ist, alles versunken in heiliger Andacht und am Himmel das grosse Licht so mild und freundlich über der Erde und im Herzen das ewige Licht, das da leuchtet in der Finsternis, und jetzt noch Kinder und Tiere durcheinander glücklich und friedlich, fast wie im Paradiese. Uli, was meinst, bekommen wir es wieder so? Das Herz will mir so schwer werden, je näher das Scheiden kommt; ich wähnte, ich sei gefasst und könne mich in alles schikken, aber man kann wohl denken, wie man alles nehmen wolle, wenn es kommt, da erst sieht man, wie schwach man ist."
"Weiss nicht recht, wie mir ist," sagte Uli; "bald dünkt mich, ich möge die Stunde nicht erwarten, in der ich gehen kann, bald dünkt es mich, ich sei so müde und matt, dass ich es nicht einmal ertragen möchte, auf den Kirchhof getragen zu werden, lieber gleich hier möchte ich begraben sein. Es war eine Zeit, wo ich viel daran dachte, wenn ich alleine arbeitete oder einsame Wege ging, ob es nicht möglich sei, dass ich hier Bauer werden könnte? Ich dachte: wenn die Kinder um ihre Sache kämen, Joggeli und die Base sehr alt würden, wir glückliche Jahre hätten, reich würden, bis wir zuletzt das Gut kaufen könnten; dann ward es mir so frei und leicht, wenn ich mich als Bauer dachte, und was mir da alles in Sinn kam, wie ich schalten und walten wollte, du glaubst es nicht. Gott wollte es anders, seine Gedanken sind nicht unsere Gedanken. Es ging umgekehrt; was wir langsam erworben, ging geschwind dahin, mehr dazu, und wie wir jetzt stehen, weiss Gott. Was unser Gevattersmann uns schuldig ist, das wird verloren sein, kein Mensch will das Papier ansehen. DSchrift wäre ganz gut, sagen sie, wenn man nur das Geld hätte. Mit der Schatzung wollten uns die Leute nicht so übel und auch mit