Gesetzgebung sagen, welche dieser Sorte von Taschendieben ihr Handwerk erleichtert und wohlverstanden auch sichert, während sie den Kredit der ärmeren, aber ehrlichen Klasse zerstört?
Wie wenn es wirbelt in Fluss oder See, die Kreise sich immer enger und enger ziehen, bis endlich eine unwiderstehliche Kraft die wasser und was sie tragen niederwirbelt auf den Grund, um sie loszulassen, die wasser in Schaum aufgelöst, tot oder zerbrochen, was sie trugen, so zogen sich Joggelis Prozesse, an denen er nichts begriff, enger und enger zusammen.
So sollte er zum Beispiel einen Eid schwören, er hätte dem Tochtermann die Schuldverschreibung nicht unterschrieben, während er auf der andern Seite bevormundet werden sollte wegen Geistesschwäche, anderer Händel nicht zu gedenken. Den Eid wollte er schwören durchaus gegen den klaren Buchstaben. Aber der Sohn hatte es ihm ausgelegt mit einigen Flachen. Die Auslegung hatte Joggeli gefasst und hielt sie fest, und was Pfarrer und Andere sagten, es war alles an eine Mauer geredet. Vreneli machte ihm einmal Vorstellungen, ob er mit einem falschen Eide ins Grab wolle? Um sein Vermögen habe er sich gebracht, ob er nun zu guter Letzt auch seine Seligkeit verwerfen wolle? "Das verstehst du nicht," antwortete Joggeli, "Weiber sollten in solche Sachen gar nicht reden. Meine Frau selig tat es auch immer, darum kam die Sache endlich so. Johannes hat es mir ausgelegt, dass der Eid mich gar nicht berühre, er wird das besser wissen als du. Ungerechteres könnte es doch nichts geben, als wenn ich so mir nichts dir nichts ein solch Geld zahlen sollte. Das wird mir doch kein rechter Mensch zumuten? Aber du hievest es immer mit allen Andern gegen mich. Was ich dir zuleide getan, weiss ich nicht. Wenn wir dich nicht angenommen, als dich niemand wollte, so könntest du jetzt sehen, was aus dir geworden. Das wird wahrscheinlich der Dank dafür sein sollen. Ich sagte es der Frau selig immer, was du für eine seiest, aber sie wollte es nie glauben. Jetzt könnte sie es wieder erfahren."
Was sollte Vreneli darauf sagen? kommt einmal ein Mensch in diese Verstockteit, wird er so kindisch oder hat er sich so tief in einen Wahn festgerannt, so nützen Worte nichts mehr. Die Tränen schossen Vreneli in die Augen. "Ja, wenn die Base noch lebte, es wäre viel anders, und manches, das noch geschehen soll, würde unterbleiben", sagte es. "Ich kann nichts als beten, dass jemand anders weiser sei als Ihr und den Eid Euch nicht zulasse."
Diesen heillosen Eid, von welchem alle Welt wusste, dass er falsch war, während man dem alten armen Tropf alle Tage einredete, er solle ihn tun, weil er ihn tun könne, so dass er allein es glaubte, er schwöre recht, während er doch am besten wissen sollte, dass er falsch schwur, bejammerte Vreneli unendlich. Es meinte, es sei da was zu machen, nicht bloss mit Beten bei Gott, sondern auch mir Vorstellungen bei Menschen, denn was man selbst ausrichten könne, das überlasse Gott dem eigenen Vermögen. Es lief herum, es lief zum Pfarrer, zu diesem, zu jenem; alle waren seiner Meinung, das Ding sei ein heilloses Spiel. Der Pfarrer meinte, am besten wäre es, wenn der Eid verschoben werden könnte, bis der Streit über Joggelis Zurechnungsfähigkeit entschieden sei. Dieser Aufschub sei sehr wohl möglich, sagte er, wenn das Gericht oder der Richter den guten Willen hätten. Diesen hatte der Richter aber nicht, er war ein Jurist von der gröbern Sorte; er fragte einer Seele gar nichts nach, und ob ein alter Mann einen falschen Eid tue, kümmerte ihn viel weniger, als dass zu den Bratwürsten, welche er besonders liebte, kein Kalbfleisch genommen werde. Der Tag der Eidesleistung blieb angesagt.
Da, einige Tage vor demselben, fand eines Morgens Vreneli den Alten, dem es das Frühstück bringen wollte, sprachlos im Bette, ein Schlagfluss hatte ihm die Zunge und eine Seite gelähmt. Im ersten Augenblick erschrak Vreneli. Dann aber hob es sein Auge auf und sagte leise: "Das hat Gott getan!" Der Arzt wurde geholt, das Möglichste zu Joggelis Wiederherstellung versucht, doch umsonst. Der Schlag wiederholte sich, am dritten Tage war Joggeli eine Leiche. Jetzt waren die Prozesse zu Ende, ein höherer Richter hatte gesprochen. Das habe Gott gewiss der Base zulieb getan, sagte Vreneli zu Uli. Es vergebe dem Vetter von ganzem Herzen alles, was er ihm gesagt und getan, aber sagen müsse es, Gottes Güte habe er nicht verdient, denn keinen Menschen hätte es gekannt, der Gott weniger nachgefragt. "Aber wie es jetzt gehen wird, was meinst, Uli? Wer will die verwickelte Strange Garn lösen, dass eine Elle gross ganz bleibt?" "Weiss Gott, wie es geht," sagte Uli. "Ich wollte mich in alles gerne schicken, wenn nur der Wirrwarr vorüber wäre und die Ungewissheit einmal aufhörte. Aber ungeduldig wollen wir nicht werden; es ist schon vieles vorübergegangen, das wird auch zu überleben sein."
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Wie der Knäuel entwirrt wird
Ein harter Schlag war dieser Tod für Johannes. Wenn er früher auch Joggeli die Seligkeit, wie er sagte, gerne gegönnt hätte, weil es dem Vater wohl und ihm nicht übel gegangen wäre, jetzt war dieser