möge er nichts zu tun haben, er wollte, er hätte es sein Lebtag so gehabt. Er solle es dem Johannes zeigen, wenn es dem recht sei, so sei es ihm auch recht. Dem Johannes war es aber begreiflich nicht recht. Er fluchte gar mörderlich Uli an: Ob er auch einer von denen – schelmen sei, welche den Vater um den letzten Kreuzer betrügen wollten! Er wisse ja, der Alte wisse nicht mehr, was er rieche oder schmecke, geschweige denn was er lese, und doch käme er ihm mit einem Papier daher, welches keinen faulen heller wert sei, er möchte es nicht für eine Pfeife damit anzuzünden.
Uli ward böse. Er habe nichts darwider, dass Joggeli durch Schelme um sein Vermögen gebracht worden seie, aber mit denen lasse er sich noch lange nicht zusammenzählen, eiferte er. Er habe hier nichts gewonnen, das Widerspiel, was er gehabt, lasse er dahinten, und warum, Weil man ihn behandle, wie es vor Gott und Menschen nicht recht sei, zum Dank, dass er den Hof in Aufgang gebracht. Das sei doch wohl nie erhört worden, dass man erst einen Pächter verleite, nicht in die Assekuranz zu tun, um den Beitrag zu ersparen, – und hintendrein den Hagelschaden alleine tragen lasse, keinen Kreuzer am Zins schenke. Dass er da Papier hätte statt Geld, sei auch nicht alleine seine Schuld. Er werde sich aber hüten, von einem Wirte Papier anzunehmen, deren Zeug sei mit Schein heutzutage nicht einen faulen heller wert. "Wie meinst das?" schnaubte Johannes. "Nimms wie du willst, es ist mir gleich" sagte Uli. "Potz!" brüllte da Johannes, "ich will dir zeigen, wer du bist; nackt musst du mir auf die Gasse und vielleicht noch anderswohin!" "Meinst, ich solle dir nach?" sagte Uli, "habe keine Lust dazu, und zwingen wird mich niemand, von wegen ich habe ein reines Gewissen und saubere Finger." "Wart nur," sagte der Wirt, schwarzrot im Gesicht, "dir will ich den Marsch machen!" "Mach, was du willst," sagte Uli, "aber ich denke, es gehe nicht mehr lange, so werden ich und du hier auf der Glungge akkurat gleich viel zu befehlen haben, und wenn ich dann noch was schuldig bin, so bin ich es sicher nicht dir schuldig."
Sie griffen nicht zusammen, aber grossen Zorn hatten Bei, de zu verwürgen. Johannes konnte dieses nicht trocken tun, er musste Wein dazu giessen und zwar brav. Er ging daher zum Wirt, dessen Papier er soeben so hart ausgescholten. Derselbe war sein bester Freund geworden, seit Johannes öfters auf der Glungge war. Je ähnlicher ihre Verhältnisse wurden, desto mehr näherten sich ihre Herzen, Keiner konnte dem Andern mit Geld helfen, aber mit Rat, und wenn Einem kein Kniff einfiel, so stolperte der Andere über einen. Ihr Hauptwitz drehte sich um folgende drei Punkte: so viel möglich auf Borg zu kaufen, der Bezahlung auszuweichen oder die Last von einer Achsel auf die andere zu legen, wie man zu sagen pflegt.
Hier erzählte nun Johannes, wie er es dem Uli gemacht und noch ferner es machen wolle. "Du hast recht, nur ausgefahren mit dem," sagte der Wirt. "Das ist der dümmste Mensch auf Gottes Erdboden, jedes Kind kann ihn zum Narren halten. Man kann ihm angeben, was man will, er glaubt alles, und rühmt man ihn erst, so steht er dir zweg wie ein Hund, den man streichelt. Er ist mir alle Augenblicke vor der tür und will Geld, aber er kann noch lange kommen und wird doch keines sehen. Da wäre man ja dumm, sein Geld zu verwerfen, um Leute zu bezahlen, welche man nicht zu fürchten hat. Zu denen muss man sehen, welche wissen, wo angreifen, die hat man zu fürchten; aber die, welche man zurückschrecken kann, die kann man unbesorgt springen lassen. Einmal gibt man ihnen gute Worte, ein andermal böse, und laufen sie endlich zu einem Agenten, so steckt man dem was und die sache bleibt jahrelang am gleichen Orte; der Lümmel kann nichts daran machen und kommt nie darüber, wo es hält. So muss man es solchen Menschen machen. Gott Lob und Dank, es gibt noch viel Solche, sonst wäre unsereiner böse bestellt."
Was der Wirt da so bündig auseinandersetzte, ist wirklich auch so. Es gibt Leute, welche mit Taschenspielergewandteit dem Bezahlen auszuweichen wissen, immer noch Kredit finden, eine unbegreifliche Schuldenmasse aufhäufen, ihre Last jahrelang nicht einmal zu fühlen scheinen, bis endlich das künstliche Gebäude schauerlich zusammenbricht. Hinwiederum gibt es Leute, welche verdammt zu sein scheinen, nie zu ihrem Gelde kommen zu können, beständig verlieren. Es sind dieses zumeist noch Leute, welche das Geld sehr nötig hätten, welche der Verlust tief schmerzt, wie zum Beispiel Uli. Es sind zumeist gutmütige, leichtgläubige Leute, welche man traulich zu machen weiss, eben wie Hunde mit Streicheln, Leute, welche entweder keinen Begriff vom Rechtsweg oder nicht Mut haben, ihn zu verfolgen, Leute, welche von den Agenten noch gerupft werden, statt bei ihnen hülfe zu finden. Für die ärmere Klasse ist in diesem Punkte ein schweres Leiden. Was soll man aber zu einer