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hiess es, wenn der Tochtermann am Schwiegervater den Schelm gemacht, so sei es sich nicht zu verwundern, denn der Sohn sei noch der viel ärgere Schelm an ihm gewesen. Elisi, das nirgends anders zu sein wusste als in der Glungge, heulte und lärmte, bis endlich der Gemeindebehörde seiner Heimat, welche eben nicht zu den erleuchteten gehörte, die Augen aufgingen, so dass sie auf Bevormundung von Joggeli drang. Nun erst gab es Spektakel. Dieser Antrag kam Joggeli vor wie ein Majestätsverbrechen, und hätte er die Macht gehabt, er hätte die Antragsteller erst köpfen lassen. Begreiflich gab das einen neuen Prozess auf die andern alle. Diese Prozesse sind die allerangreiflichsten für die person, welche bevogtet werden soll und es nicht annehmen will. Die Antragsteller sind also genötigt, ihr Begehren gehörig zu begründen. Um das zu können, müssen sie nun alle möglichen Merkmale aufführen, dass der Besagte nicht mehr imstande sei, sein Vermögen selbst zu verwalten. Freilich werden Kinder, welche so was begehren, im Eingang sagen, wie das Begehren ihr Herz zerreisse, wie sie es aber den eigenen Kindern schuldig seien; sie werden nie anders reden als von ihrem geliebten, verehrten, unglücklichen Vater, werden dann aber dazu alle Schwachheiten, Dummheiten, welche er von den ersten Hosen an gemacht, aufzählen. Ja sie sind imstande, des Vaters Heirat mit ihrer Mutter als seine grösste Dummheit, als ein Zeichen seiner momentanen Verrückteit anzuführen. Zuweilen wird des Vaters kindischer Zustand nicht von der Heirat, sondern von der Mutter Tod weg datiert. Dann wird aber doch gesagt, dass er eigentlich sein Lebtag nie ein Mann gewesen, die Mutter die Hosen angehabt hätte, seit sie aber gestorben, sei er vollends dumm geworden. Nichts wird geschont, sein Bild nicht bloss aschgrau, sondern brandschwarz gemalt. Das alles nun muss der Betreffende lesen, sollte es verdauen und kann nicht, geschweige sich daran erbauen. Dann muss er ein ander Bild von sich entwerfen lassen, wo er wie ein Herrgott strahlt, und hat er Malice auf seine verstorbene Frau, so wird der munter ausgewischt, wobei er sie jedoch immer seine liebe Selige nennt, welche er dem lieben Gott von ganzem Herzen gönne. Hintendrein kommen Ärzte, manchmal noch der Pfarrer und manchmal noch Andere und untersuchen einen nach Stand und Vermögen gründlich und nicht gründlich: ob der zu Bevogtende dumm sei oder gescheut, entweder ganz oder halb, zurechnungsfähig oder nicht, zurechnungsfähig entweder ganz oder halb. Das ist für den Betreffenden eine äusserst interessante und lehrreiche Untersuchung, man kann es sich denken!

Vierundzwanzigstes Kapitel

Wie Gott und gute Leute aus der Klemme helfen

Unterdessen verfiel der Zins, Joggeli wollte keinen Kreuzer daran schenken. Wenn man das Geld nötig hätte wie er, so schenke man nichts, das wäre ja das Dümmste, was er machen könnte. Dann wohl, dann hätte man das Recht, ihn zu bevogten! Wenn er schon wollte, er dürfte nicht, Johannes täte viel zu wüst; er glaube, er risse ihm den Kopf ab, sagte er. Es dünkte Uli streng, er hatte Lust, wenn auch nicht zum Prozedieren, so doch Vermittler anzusprechen, oder wie man hier sagt, eine Freundlichkeit anzustellen. Überdem, meinte er, könnte man ja eine Gegenrechnung machen. Vreneli müsse so viele Zeit mit Joggeli versäumen; sie lieferten mehr, als sie schuldig seien, und Elisi samt seinen Kindern müssten sie ja fast alleine erhalten, die Kinder seien immer bei ihnen und über ihrem Tischkasten, als ob es ihr eigener wäre. Vreneli wehrte: "Wo kein Verstand mehr ist, kann man keinen machen. Bei der Vermittlung käme nichts heraus, wenn die Männer schon einreden würden. Johannes, der Unflat, täte es nicht, der ist zu geldhungrig. Mit dem Rechnen ist es ebenso. Sie würden sagen, wenn wir mehr gegeben, als wir schuldig seien, so sei das unsere Sache. Warum wir es getan, warum wir Elisi und seine Kinder nicht fortgejagt? Wenn wir die Guttätigen machen wollten, so sollten wir nicht hinten, drein abrechnen wollen, das hätte keine Form. So würde man uns antworten, dann könnten wir prozedieren; vielleicht täten wir es gewinnen, vielleicht verlieren, und wollen wir das?"

So sprach Vreneli. Uli sagte, er wisse, was Prozedieren sei, die Lust dazu habe er verloren. Er habe bloss gemeint, man könnte probieren, so gleichsam an die tür pochen. "Weisst nicht, Uli," sagte Vreneli, "dass der Teufel ein Schelm ist? Gibt man ihm einen Finger, nimmt er gleich die ganze Hand. Und dann ist das: die Sache scheint sich in die Länge zu ziehen, wir können sicherlich dableiben noch ein Jahr und die Aussichten sind prächtig. Wir haben ja Lewat, der alleine macht uns wenigstens den halben Zins, wenn es gut geht. Zudem bedenke, ich habe lange das Gnadenbrot gegessen hier. Es war freilich oft stark gesalzen, doch nicht durch die Base, und wenn ich später auch etwas dafür geleistet, so wussten sie doch dies nicht, als sie anfingen, es mir zu geben, denn ich war ein böser Drache von Mädchen. Wenn wir es jetzt auch nicht überflüssig haben, so haben wir es doch, und wer weiss, ob wir je wieder ein Zeichen tun könnten, dass wir erkennen, was ich empfangen." "Es wäre recht so,"