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, gab sie Vreneli und sagte: "Nimm die und schenke mir davon ein, habt heute Schmarotzer genug, möchte nicht auch noch euch in den Kosten sein." "O Vetter," sagte Vreneli, unwillkürlich oft von Mutwillen gestachelt, "das lasst euch nicht kümmern; der Hof mag das alles ertragen, und Vetter Joggeli kann einen Pächter erhalten, welcher alles auszurichten vermag, was einem stolzen Bauernorte wohl ansteht. Wenn der Pachtzins verfallen ist und das Geld ist nicht da, so vermag Vetter Joggeli zu warten oder gar zu schenken. Indessen, den Wein nehme ich doch gerne und mit gar grossem Danke, allweg ist er viel besser als der unsere und es hat mir Kummer gemacht, wir könnten dem Vetter nicht recht aufwarten. Uli hat zwar angewendet und meint, er habe recht guten Wein, aber aufwarten könnten wir Euch doch nicht so recht damit. Johannes hat Euch allzusehr verwöhnt." "Du hast immer das gleiche Schlangenmaul," sagte Joggeli. "Aber warte du nur, dir wird es schwer werden, wenn du abweinen musst, was du gelacht hast, und vergehen werden dir deine Flausen vor der letzten Weihnacht." "Nehmts nicht für ungut, Vetter," sagte Vreneli, "weiss wohl, dass die Flausen vergehen werden, aber vertreiben soll man sie nicht, so wenig als die Muttermäler, sonst gehen Haut und Knochen damit weg. Aber kommt, alle verlangen nach Euch, alle fragen, wo der Bauer sei, ob krank oder sonst nicht recht im Strumpf, dass man ihn nicht sehe?" Was Joggeli hinter Vreneli her brummte, verstand es nicht, machte die tür auf und sagte: "Seht, da hab ich ihn!" Nun entstand Lärm und lachen, sehr fröhlich wurde Joggeli empfangen und von allen Seiten begrüsst und mit Gläsern bestürmt, dass er fast nicht wusste, wo wehren. Anfangs wusste er nicht recht, wie er das lachen deuten solle, als aber alle so freundlich blieben und ihn als eine Respektsperson bewillkommneten, da ward ihm auch wohl; er fühlte sich als der Glunggenbauer, liess sich obenansetzen und hart nötigen, bis er nach Speise griff, und wenig war, was er ass; er liess es bei jedem Bissen durchblicken, dass er sie doch nicht in zu grosse Kosten bringen möchte.

Die Leute hatten tapfer gearbeitet, assen nun auch tapfer und nicht mit der angebornen Gemächlichkeit, nicht viel anders als das Klappern der Löffel und Teller ward gehört. Doch nicht lange, so kam ihnen die Besonnenheit; sie gedachten, dass sie die ganze Nacht zum Essen hatten, und je langsamer sie es täten, desto mehr möchten sie und desto länger könnten sie. Da begann das Reden, und zwischendurch scholl Gelächter. Die Jüngern wechselten Witze, trieben Neckereien, die Alten erzählten die Heldentaten ihrer Jugend: wie Viele sie geprügelt und wie manchen Bauer, der gemeint, er sehe das Gras wachsen und höre die Flöhe husten, sie angeschmiert, und was der Dinge mehr waren. Dann schwatzten auch die Honoratioren unter einander, doch so laut wie drüben ging es nicht her. Lange machte hier Joggeli den Hauptredner und erzählte eine Menge Geschichten, wie es Pächtern ergingen, ungesühnt Seuchen ihnen die Ställe geleert, Hagel die Ernte zerschlagen, dass ihnen nichts übrig geblieben sei, als in den Wald zu gehen und sich zu hängen an den ersten besten Baum. Er erzählte von andern, welche den Pachterren bestohlen, die Milch von der Kuh, welche sie ihm futtern sollten, nicht halb gegeben, alles auf das Aller, schlechteste ausgerichtet, hinterrücks Holz aus dem wald verkauft, bis ihnen endlich der Bauer über die Schelmerei gekommen und sie mit Schimpf und Schande weggejagt, und wie sie Bettelleute geworden und ihr Brot vor den Türen hätten suchen müssen, da ihnen niemand mehr eine Pacht habe anvertrauen wollen. So erzählte Joggeli, legte ein Gedächtnis an den Tag wie eine Heuscheuer, bis ihm endlich seine Frau sagte: "Jetzt schweig mir bald mit deinen Lausgeschichten, du könntest einen zu furchten machen, dass sie einem im Traum vorkämen." Vreneli aber, welches dem Vetter, seit er in der stube war, auch nicht eine witzige Antwort gegeben hatte, sondern die artige Wirtin machte, als ob es in einer sechshunderttalerigen Pension gewesen, sagte: "Lasst den Vetter reden, Base, ich habe ihn lange nicht so kurzweilig gesehen, ich könnte ihm zuhören bis am Morgen, es schläferte mich nicht." , so hatte es Joggeli nicht gemeint, an Vrenelis Kurzweil war ihm wenig gelegen; er brach daher mit seinen Höllengeschichten ab und machte sich zu den ältern Tagelöhnern. Hier hörte er eine Zeitlang zu, gab selbst Einiges zum Besten, freilich keine Heldentaten, denn von einem Helden hatte Joggeli kein Haar an sich, aber pfiffige Streiche: wie er sich aus der Patsche gezogen und Andere hineingestossen. Er erregte viel Gelächter, dass selbst die Jüngern ihre Ohren ihm zuwandten, denn Fuchsenstreiche sind leider eine beliebte Speise für alte und junge Ohren von je gewesen und werden es bleiben, leider.

"Ach ja," sagte er endlich, "selbe Zeit war eine lustige Zeit, da hatte man noch Zeit hie und da zu einem lustigen Lumpenstücklein und meinte nicht, es müsse alles in einem Tage erhastet und erjagt sein." Er erinnere sich noch an die Zeit, in welcher man mit der Sichel das Korn geschnitten; langsam