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abgestohlen; daneben, wie er Vetter Joggelis Vermögen kenne, schade das weiter niemanden etwas. Vielleicht dass, was Joggeli dem Tochtermann geschwitzt, als Weibergut könne geltend gemacht werden, und was später noch auf diese Seite fallen werde, solle er alsbald durch ein Testament bestimmen und regeln, dass der flüchtige Vater nichts mehr dazu zu sagen habe.

Ein Wort gab das andere, und endlich sah der Bodenbauer mit Schrecken zwei Dinge: dass Joggelis Vermögen nicht mehr das war, was es gewesen, und Joggeli statt ein Mann ein Kind sei, das nicht wusste, was es machte, nicht zurechnungsfähig war. "Wisst Ihr was, Vetter," sagte er endlich, "wisst Ihr was: geht vor Eure Gemeinde und begehrt einen Beistand, der in diesen verwickelten Dingen mit Verstand Euch beistehe. Ihr seiet alt, Euer Sohn weit, und was es koste, zahltet Ihr gern." Potz Himmel, wie fuhr da Johannes, der Sohn, auf! Ehe dass er dulde, dass der Vater gevogtet werde, schlage er Himmel und Erde entzwei, brüllte er. "Da würdest du zu tun haben," sagte der Bodenbauer ruhig. "Mache was du willst, aber wäre ich an deiner Stelle, ich besönne mich nicht zweimal; daneben mach, was du willst, die Sache ist nicht meine, sondern ganz hauptsächlich deine. So wie ich merken mag, hast du deinen teil auch erhalten, und den guten Vater habt ihr beerbt bei Lebzeiten. Es scheint da allweg viel weggegangen zu sein. kommt nun deiner Schwester Vormundschaftsbehörde dahinter, so trittet sie klagend auf, beschuldigt den Vater unverständiger Handlungen usw. Dann sieh, wie es geht. Begehrt ihr es aber selbst, so behaltet ihr die Sache in Händen, könnt euch mit eurer Gemeinde verständigen, und die Sache läuft so böse nicht. Wenigstens friedlich, soviel an euch."

Da wolle er lieber den Teufel fressen samt dem Stiel und die Grossmutter als Dessert, als dass er seinen Vater wolle bevogten lassen. Wer es gut meine, könne so nicht raten aber wer was Unsauberes in der Wäsche habe, kriegte es vielleicht auf diese Weise am leichtesten ohne Wascherlohn wieder, brüllte der brüllhafte Wirt. "Ja so," sagte der Bodenbauer, "ist das so gemeint. Sieh, dir sagt man nur Rubigenstrub, aber doch hielt ich dich für witziger. Ich meinte es gut, dein Vater dauert mich, du aber nicht. Dir bessert es nicht, bis du von der tauben Kuh gefressen hast, und dann vielleicht noch nicht. Ich habe da allerdings etwas in der Wäsche, aber ich vermag den Wäscherlohn zu bezahlen, und wäre er noch einmal so gross; ich bin kein Wirt, der am Verlumpen ist. Und weisst, ich zahle den Wascherlohn noch dazu gerne, ich weiss, ich erhalte ihn wieder; ich würde für Uli lieber zehntausend Gulden zahlen als für dich tausend, weisst! Und jetzt behüt euch Gott und lebet wohl; wem nicht zu raten ist, ist auch nicht zu helfen!" So sprach der Bodenbauer hochaufgerichtet und im Zorn. Denn in solchen Punkten verstand er nicht Spass. Sie hätten ihm nicht gesagt, dass er helfen solle; wenn sie dann seine hülfe begehrten, so wollten sie es ihm sagen lassen, sagte Johannes, der Rubigenstrub, halblaut. Die Frau selig habe viel auf dem gehabt, jetzt sehe man, was er sei, sagte Joggeli, der von der ganzen Sache wenig oder nichts mehr begriff.

"Fraueli," sagte der Bodenbauer zu Vreneli, "wenn du mir nicht so lieb wärest, so wäre ich mein Lebtag böse über dich, dass du mich da hineingezogen. Aber so habt ihr Weiber es, ihr meint, es müsse allentalben geholfen sein, und wo eure arme zu kurz sind, Stosst ihr die Männer hinein. Da ist nicht mehr zu helfen, das ist, was ich euch sagen wollte. Macht euch gefasst auf alles, wo ich wohne, wisst ihr, wenn ihr was nötig habt; und solltet ihr rasch fort müssen, so hat mein Tochtermann ein klein Heimwesen, welches für den Aufentalt euch vielleicht anständig wäre. So viel im Vorbeigang, damit ihr euch nicht etwa ängstigt und nach dem ersten Besten fasst. Sie haben den Alten ausgesogen auf eine heillose Weise, wie Spinnen eine Fliege. Vielleicht dass noch Ordnung zu machen, etwas zu retten wäre, aber Ordnung zu rechter Zeit will der dicke Büffel nicht, er weiss warum. Nun wird alles drüber und drunter gehen, vielleicht gibt es Prozesse, vielleicht Gott weiss was, kurz zählt darauf, innerhalb Jahresfrist ist das Gut verkauft und der Alte, wenn Gott sich seiner nicht erbarmt, im Spital, oder der reiche Glunggenbauer kann von tür zu tür sein Essen suchen." "Nein, Gevattersmann, nein, das geschieht nicht; eher tue ich es für ihn, aber solange ich sonst noch ein Stück Brot habe, hat er auch," sagte Vreneli. "Er war nie gut gegen mich, aber auch nicht böser als gegen andere Leute. Ich ass sein Brot, als mir niemand welches gab, so soll er es nun auch bei mir haben." "Das ist brav," sagte der Bodenbauer. "Es ist schade, dass du nicht eine grosse Bäuerin bist, du hättest den Sinn dafür und könntest Vielen Gutes tun, daneben ist noch alles möglich