zukamen, unterschreiben lassen. Wenigstens hatte die Schrift Ähnlichkeit mit einem solchen Postschein, und Joggeli hatte schwache Augen, einen schwachen Sinn und war sein Lebtag kein Held im Geschriebenen gewesen. Wahrscheinlich stak der sogenannte Banquier mit dem Spitzbub unter einer Decke, sonst hätte er wohl bei Joggeli selbst über den Wert des Papiers sich näher erkundigt, ehe er Geld darauf gab. Aber bei solchen Händeln ist was zu profitieren und weit mehr als bei ehrlichen; wieviel in seine tasche floss, vernahm man nicht, auch würde es kaum in seinen Büchern zu finden gewesen sein.
Was das nun für einen fürchterlichen Spektakel auf der Glungge gab, kann man sich denken. Vreneli musste Elisi ins Haus nehmen, um es vor Johannes und der Trinette, welche nachgefahren kam, zu sichern. Nun aber heulte Elisi drinnen das Haus voll, und Trinette heulte draussen ums Haus herum wie ein Hund unter einem Baum, auf den eine Katze sich geflüchtet. Vreneli musste seine ganze Tapferkeit aufbieten, um vor dem Ärgsten zu sein. Es musste für Joggeli in Riss stehen und gegen die Kinder den Vater schützen, über den das ganze Wetter losbrach, den selbst Elisi verwünschte auf eine schauerliche Weise. Vreneli war vielleicht der einzige Mensch auf der Welt, vor dem Johannes noch einigen Respekt hatte, und von Jugend auf mit ihm bekannt, kannte es auch, was auf ihn Eindruck machte. Freilich musste es sich von ihm bittere Sachen sagen lassen, wie sie mit unter der Decke gesteckt und wie man endlich sehen werde, wie sie den Vater beschummelt und was man an ihnen verlieren müsste. Es musste sehen, wie bei Trinette zum Zorn noch die Eifersucht kam, als sie sah, dass Vrenelis Worte Macht über Johannes hatten. "So, von der nimmst du das an, von so einer lässest du dir das sagen. So, jetzt merke ich, warum du immer hierher gefahren und mich nicht hast mitnehmen wollen. Jetzt das noch zu allem andern", und fing an zu heulen, als ob sie hundert hungrige Hyänen im Halse hätte und gute Lust, ihre Tatzen an Vreneli zu versuchen.
Dann brachte man noch Elisis Kinder samt der Nachricht, daheim hätte man ihm alles versiegelt. Johannes wollte alles mit der Peitsche fortjagen, und Trinette wollte alles, was Joggeli hatte, aufpacken und fortnehmen, und Joggeli sass da und stierte herum, wollte an nichts schuld sein, sagte, sie könnten seinetalben machen, was sie wollten. Die Frau selig habe alles auf dem Gewissen, sie hätte ihm den Spitzbub hergeschleppt, sie könne seinetwegen jetzt auch zahlen, er habe nichts mehr und werde wohl noch dem heiligen Almosen nach müssen. Er habe ihr oft gesagt, es käme so, aber sie habe es ihm nie glauben wollen.
Vreneli wusste in dem greulichen Spektakel nicht anders zu helfen, als zu Uli zu sagen:"Um Gottes willen tue mir den Gefallen, nimm das beste Ross im Stalle, fahr, so schnell du kannst, zum Bodenbauer und bringe ihn her; der alleine kann sie setzen und weiss den besten Rat, sonst gibt es wahrhaftig noch ein Unglück. Ich kann nicht allentalben sein und alle hüten. Statt dass sie allmählich sich fassen und ergeben, werden sie nur noch zorniger, erbitterter auf einander; es ist ein greulich Dabeisein und traurig, wie ein Mensch sein Unglück sich selbst noch unerträglich machen muss. Es ist gerade, wie wenn ein Mensch, der einen Zentner Eisen tragen soll und schwer daran zu tragen hat, denselben noch glühend macht, um ja recht doppelt Qual zu leiden unter ihm."
Uli war dieses Gedankens froh, doch bangte er um Vreneli. "Aber du bist dann alleine," sagte er, "und selb ist nicht richtig unter solchen Menschen." "Habe nicht Kummer," antwortete Vreneli, "Johannes tut mir nichts und die Weibsbilder fürchte ich nicht. Aber fahre rasch, es ist mir angst um Joggeli. Wenn niemand wehrt, so plündern sie ihn vollends aus, und hintendrein, wenn die Gläubiger kommen und nichts mehr da ist, gibt es wüste Geschichten. Mit dem Johannes ist es auch nicht richtig, wie ich merken mochte, der wird auch gemacht haben, was er konnte. Die Liebe war es nicht, welche so oft ihn hergebracht."
Uli sputete sich, schonte das Pferd nicht. "Wenn die Base das hätte erleben müssen! dachte er. Aber, dachte er wieder, wenn sie gelebt, wäre das nicht begegnet. Wie wenn man in einem Gebäude einen einzigen Stein wegnehme und dadurch dasselbe aus allen Fugen, vielleicht zum Umsturz bringen könne, so gebe es auch einzelne Personen in Familien. Auf einer einzigen person ruhe das Ganze, sie halte es zusammen; bei ihren Lebzeiten merke man es vielleicht nicht einmal so recht, erst wenn sie gestorben sei, in Trümmer das Ganze auseinandergehe, merke man, dass sie der Eckstein gewesen. Wie man doch das Gleiche verschieden nehmen könne, dachte er, und wie man erst, wenn was zu tragen sei, merke, ob einer Kraft habe oder keine. Er wisse wohl, er sei ein armer Sünder, aber um alles in der Welt möchte er nicht an ihrer Stelle sein. Er sehe wohl ein, dass er nichts davon, bringe, denn dies Unglück werde auch ihm an die Beine gehen, und jedenfalls werde ihnen noch etwas übrig bleiben, ihm aber nichts als vielleicht