Uli. Von Markten kehrt freilich gar Mancher frohgemut heim, jauchzt das Land voll, tut, als sei er nun Hans oben im dorf. Aber das ganze Glück kommt aus dem Weingrunde, ist der verdunstet, wird das Gemüt zu einer jämmerlichen Pfütze, über welcher wie ein stinkender Nebel eine elende Stimmung schwebt, welche das Publikum mit dem Ausdruck Katzenjammer bezeichnet. Nun, der geht in einem oder zwei Tagen vorüber, aber Mancher trägt einen Katzenjammer im Gewissen davon und der geht nicht vorüber, regt sich immer neu, und wenn er auch vergangen, besonders bei schönem Wetter, kehrt er doch zurück, wenn es donnert. Und Mancher und Manche trägt das Gift heim, welches ihr Lebensglück für ihre ganze Lebenszeit zerstört und vielleicht noch hinüber ins Jenseits wirkt.
Uli freute sich nicht bloss der zehn Taler wegen, sondern als er im Heimwege das Vergangene überschlug, fiel es ihm ein, der Mann habe ihm deswegen zehn Taler mehr zugeschlagen, weil er ehrlich sein und punktum bei der Wahrheit habe bleiben wollen; den Mann aber habe ihm recht eigentlich Gott gesandt, um ihm Freude über seine Umkehr zu bezeugen und zum Zeichen, dass Ehrlichkeit immerhin die grösste Klugheit sei. Uli war weit entfernt zu glauben, nun müsse und werde Gott ihm allemal, wenn Ehrlichkeit die Versuchung überwinde, ein besonderes Zeichen tun und den Lohn ihm immer gleich bar auszahlen. Aber es freute ihn diesmal, das so aufzufassen, er glaubte, er habe das Recht, was ihm begegne, aufzufassen, wie es ihm am wohlsten tue, sein Gemüt am meisten stärke, also je frömmer, desto besser. Er wusste wohl, dass gar Viele höhnisch ihn auslachen würden, wenn er ihnen die Sache erzählte, als hätte Gott sich ihm da eigens geoffenbart und ihn gestärket, aber er glaubte, wie sie das Recht zum lachen hätten, hätte er das Recht, Gottes Segen zu erkennen in allen Dingen und daran sich zu erbauen. Und wie sie das Recht hätten, um seines frommen Sinns ihn auszulachen, habe er das Recht, von ganzem Herzen sie zu bedauern, dass alles ihnen blosser Zufall sei, dass sie des trostlosen Glaubens seien, sie seien nichts als Rohre im Sumpfe, aufs Ungefähr von jeglichem Winde hin- und hergetrieben.
Als er heimkam so früh, wäre Vreneli fast ob ihm erschrocken, denn wenn es mit rechten Dingen zugegangen, konnte er noch nicht schon da sein, meinte es. Als es nun den Verlauf hörte, hatte es grosse Freude, denn es nahm die Sache gerade wie Uli, zu grosser Erbauung und zur Stärkung im Vertrauen, dass am Ende alles zum Besten sich wenden werde. Diese Stärkung hatten sie aber auch sehr nötig.
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Joggeli erlebt auch was und was Altes: dass was
einer säet, er auch ernten muss
Joggeli liess eines Abends Vreneli hinüberrufen. Es müsse ihm da etwas lesen, sagte er; er möge Brille nehmen, welche er wolle, so könne er nichts daraus machen, er verstehe sich gar nicht auf die neue Gschrift, welche aufkäme, man sehe es allem an, wie der Glaube abnehme und bald keiner mehr sei. Vreneli verstand sich, wie es schien, besser darauf, denn es ward blass, las einmal, las zweimal, sagte endlich: "Das ist kaum, das kann nicht sein." "Was nicht," sagte Joggeli ungeduldig, "was nicht? Sage es doch und stürme nicht." "Vetter, da steht, Ihr hättet Elisis Mann eine Gschrift gegeben, gut für fünfzehntausend Taler, die habe er eingesetzt oder versilbert und jetzt wolle man das Geld." Joggeli begehrte mit Vreneli grässlich auf, es könne nicht Geschriebenes lesen und wolle ihn zum Besten halten. Man liess Uli kommen. Mit grosser Not und vielem Buchstabieren brachte derselbe ungefähr das Gleiche heraus. Das sei ein abgeredet Spiel, sagte Joggeli, um solche Sachen ihm abzulesen, hätten sie nicht gebraucht zu kommen. Wie sie das hätten abreden wollen? fragte Vreneli; sie seien ja Einer nach dem Andern gekommen, Uli hätte nicht gehört, was es gelesen. Wenn sie einen Narren haben wollten, so sollten sie sich einen eisernen machen lassen; das begreife ja jedes Kind, dass sie gewusst, was im Briefe sei, sie hätten ihn sonst nicht so punktum gleich ablesen können, wenn sie ihn nicht auswendig gewusst hätten, belferte Joggeli. "Komm, Uli," sagte Vreneli, "der Vetter ist aber so wunderlich, da ist nichts mit ihm zu machen. Morgen hat er vielleicht sich anders besonnen, dass wieder mit ihm zu reden ist." Sie gingen und kümmerten sich, was da für ein neuer Schelmenstreich abgekartet worden, rieten, was sie machen sollten, und wurden endlich einig, nichts zu sagen, bis Joggeli wieder anfange oder die Sache sich von selbst mache. Joggeli sagte nichts mehr, sie also auch nichts.
Einige Tage darauf kam Elisi daher und zwar zu Fuss in einem schrecklichen Aufzuge, heulend und schreiend. Es suchte den Mann, der war verloren gegangen. Er hatte eine kleine Reise vorgegeben, nun war er seit vierzehn Tagen fort, niemand wusste wohin. Das Gerede schwoll an, er hätte sich mit dem Schelmen davongemacht. Dort, wohin er vorgeblich gereist, sei er nie gewesen, an einem andern Orte hätte er viel Geld auf Joggeli hin genommen und sei damit voraus, wahrscheinlich den Weg aller Spitzbuben,