1849_Gotthelf_150_141.txt

dass Übervorteilen nichts helfe, weil Gott es einem hundertmal eintreiben könne. Gehe er mit der Ehrlichkeit zugrunde, was er übrigens nicht hoffe, da er die Sache verstehe und sich selten verfahre und das Sprüchwort "Ehrlich währt am längsten" nicht umsonst sein werde, so habe er doch den Trost, er sei nicht selbst schuld, und die Leute täten am Ende doch sagen: "Es ist schade um den, er kann uns fast erbarmen, daneben war er ein braver Bursche." Gehe er aber als Schelm zugrunde, so müsse er denken, er habe es verdient, und die Leute würden sagen: "Dem geschieht recht, da kann man wieder sehen, was Betrügen hilft." "Aber was sagt dann deine Frau dazu, wenn du so fahren willst?" fragte der Mann. "Oh, der ist es ganz recht," antwortete Uli und erzählte, wie sie eine sei, so eine adeliche, dass man meine, sie sei eine Bauerntochter gewesen aus dem vornehmsten haus, und doch so tätig, rühre alles an, und wie er längst ein armer Mann wäre, wenn er die nicht hätte; wie sie sich in alles schicke und ihn tröste, wenn sie sich doch eigentlich am meisten zu beklagen hätte. "Aber das hat sie von der Base selig, die hat sie erzogen und bis auf die letzte Stunde lieber gehabt als die eigenen Kinder und geraten und geholfen, es hätte ein Engel es nicht besser können. Es war mir manchmal zuwider und ich ärgerte mich, dass die Weiber immer ihre Köpfe zusammensteckten, bildete mir ein, sie reiseten einander auf. Man erkennt gar oft erst, was ein Mensch war, wenn er im grab ist."

"Also die Bäuerin in der Glungge ist gestorben," sagte der Mann, "ich hörte nichts davon. He nun, einmal muss es sein, und gewöhnlich geht es niemandem übel und denen wohl, die sterben können." Nun erzählte Uli, wann sie gestorben, wie Vielen es übel gegangen und namentlich ihrem Mann, für den sie immer gesorgt wie eine Mutter, wie wüst er auch gegen sie gewesen sei. Sie sei schon lange nicht recht gesund gewesen, aber dass das Sterben so nahe sei, daran habe sie kaum gedacht. In der Nacht habe man seine Frau geholt, da hätte sie schon nicht mehr reden können. Sie hätte noch gerne was gesagt, es sei allen himmelangst geworden dabei; man habe nicht gewusst, wolle sie Hand oder Haus oder Hals sagen, und auch aus dem Denken habe man nicht kommen können, so dass sie gestorben sei, ohne dass man begriffen, was sie gewollt. Das habe seiner Frau grausam weh getan. Er wolle nicht einmal davon reden, wie übel es ihnen gegangen, da die Base selig dafür gesorgt, dass alles in Ordnung bleibe; jetzt wisse man von heute auf morgen nicht, was geschehen könnte, sie liefen alle Augenblicke Gefahr, aus dem Hof vertrieben zu werden.

Sein Begleiter fragte dies und jenes, und treulich gab Uli Bericht, und zwei Stunden oder mehr waren dahin, ehe er sichs versah. Endlich fragte er, wie hoch er die Kühe im Preise habe? "Hundertunddreissig Taler wären sie unter Brüdern wert," sagte Uli. "Ob ich es lösen werde, weiss ich nicht. Aber da es nicht anders geht, kann ich auf einige Taler nicht sehen, heimführen täte ich sie sehr ungerne." "Weisst was?" sagte der Mann. "Ich habe einen Nachbar, der Kühe kaufen will und nicht nötig hat, auf ein paar Taler zu sehen; wenn er nur recht versorget ist, das ist alles, was er will. Ist nun alles, wie du gesagt, und ich will es dir glauben, so sind das gerade Kühe für ihn. Ich gehe bald da ab und will es ihm sagen. Fordere dann aber herzhaft hundertvierzig Taler, er zahlt sie, und zwar noch gerne."

"Ja," sagte Uli, "wäre wohl gut so, aber wie machen, dass wir zusammenkommen? Es gibt heute dort so viele Leute, und ich bin gar nicht bekannt." "Weisst was," sagte der Mann, "stelle dort beim Wildenmann ein, er ist gleich, wenn du zum Tore hineinkommst, links. Sage weiter niemanden was, iss ruhig deine Suppe in der Gaststube, bis dir jemand nachfrägt, dem Mann mit den zwei Kühen. Längstens bis um acht Uhr soll er dort sein. kommt er bis um diese Zeit nicht, so fahre auf den Markt, es ist noch frühe genug, Kühe wie diese verkaufen sich immer." Uli dankte und fragte, ob er nicht auch auf den Markt käme? Würde der Handel richtig, so gebe er ihm gerne ein schönes Schmausgeld oder zahle ihm das Mittagessen und eine gute Halbe. "Bin kein Jude," sagte der Andere, "indessen habe Dank für den guten Willen. Möglich ist es, dass wir einander sonst noch antreffen." "Wo?" fragte Uli. "Wollen ja sehen," antwortete der Mann, schwenkte rechts um, und verschwunden war er im dichten Tannenbusch.

Der Mann gab Uli viel zu denken. Es dünkte ihn, es sei an ihm etwas Bekanntes, aber er wusste nicht was. Die Züge konnte er nicht sehen, denn diese zu erkennen, war