, dann endlich schreiten sie zur Ausführung dieser Einsicht, aber langsam, begreiflich. Was während dieser Zeit in den Magen und Köpfen der hungrig Harrenden vorgeht und zwar nicht langsam, daran zu denken haben sie nicht Zeit, begreiflich. eigentlich wäre es interessant zu untersuchen, ob solche Weiber wirklich denken? Wir glauben, sie bringen es höchstens nur zu einem Quasidenken und auch dieses nur einoder zweimal des Jahres, etwa wenn sie den Schneider ins Haus kriegen oder Schweine zu ringen sind.
In der Glunggen ging es aber nicht so, in Kopf und Beinen hatte Vreneli ein ander Eingericht. Kaum hatten die Leute die Arbeit beendigt, Staub und Schweiss sich abgewaschen, erscholl der willkommene Ruf zum Essen. Dieser Ruf kommt nicht vom Himmel her noch ruft er in den Himmel, aber am Wohllaut desselben mag der arme Sterbliche abnehmen, wie herrlich und süss einmal der Ruf dortin klingen wird. Diesmal zögerten die Leute nicht so unerträglich, wie es sonst der Fall ist, es war etwas, welches sie schneller in Bewegung setzte. Sie hatten alle ein gutes Vorurteil für Vreneli, es war allen lieb, ein solcher Verstand bei einer so Jungen sei selten, hiess es. Uli schien ihnen dagegen wohl streng und allzusehr den Meister zu machen. Sie meinten, einer, der selbst Knecht gewesen sei, sollte Verstand haben und begreifen, dass man sich nicht gerne zu tod arbeite, das heisst nichts darnach frage, in einem Tage zu schaffen, woran man füglich zwei Tage trödeln könne. Es nahm sie nun aber doch sehr wunder, und darüber war die ganze Ernte durch gesprochen worden, wie Vreneli aufwarten und aufstellen werde: ob gehörig, dass man dabeisein könne, oder Speise und Trank apotekermässig ihnen zugeteilt werden würden?
Als so rasch gerufen wurde, dachten sie: Von zweien ist eins; entweder geht es verdammt mager zu, oder verdammt brav hat Vreneli sich gestellt, denn fast die ganze Last lag ihm alleine ob. Die Neugierde, welches von den zweien der Fall sei, machte ihnen so rasche Beine. Sie kamen fast in die stube wie Kinder ins Zimmer, wo zu Weihnachten ihnen beschert wird, bemerkten aber nichts Besonderes, es schien alles akkurat wie ehedem, so dass es ihnen ganz traulich und heimelig ward ums Herz und Einer zum Andern sagte: Er hätte geglaubt, das ändere hier, von wegen was einem recht und gut sei, das ändere, das Schlechte könne man behalten. Es sei aber nichts als billig, dass es einmal umgekehrt gehe. Das Beste und Schönste, was zu sehen war, war Vreneli, welches mit Freundlichkeit und Sicherheit alles ordnete, für jeden ein gutes Wort hatte, jeden mit dem Hauche der Heiterkeit berührte, welches ein wunderbar Ding ist, aber die allerbeste Würze, ohne welche das reichste Mahl nichts ist als eine schädliche, gefährliche Abfütterüng. Uli war es eigen zumute, es war das erstemal, dass er so gleichsam präsidierte und als Gastgeber eine Gesellschaft bewirtete und mit selbsteigenen speisen; wer es gewohnt ist, tut es mit einem eigenen Behagen und einem gewissen Selbstgefühl, welches wir nicht Stolz nennen möchten. Uli tat noch linkisch, das Behagen kam erst später, aber er zeigte Geschick dazu, die Leute waren mit ihm zufrieden. Sie freuten sich auch der alten Frau, welche mit einer grossen Schüssel Fleisch erschien und dann zu ihnen sich setzte. Besonders erquickte ihr Anblick die alten Tagelöhner, welche seit Jahren auf dem hof gearbeitet und in gesunden und kranken Tagen ihre milde Hand erfahren hatten. Da war keiner, der ihr sein Glas nicht brachte, wollte, dass sie ihm Bescheid tue. Wenn sie jedem seinen Willen hätte tun wollen, so wäre sie nicht bloss zwei Zentner schwer geblieben, sondern so schwer geworden, dass wenigstens zweimal vierundzwanzig Stunden lang ihre Beine sie nicht mehr hätten tragen können.
Da kam in die Herrlichkeit hinein die Botschaft, die Base solle heimkommen, Joggeli lasse es sagen. Diese Botschaft machte ungefähr den Eindruck, wie wenn in eine prächtig dampfende Fleischsuppe, nach welcher alle Löffel sich ausstrecken, plötzlich eine Kröte plumpsen würde. Nach Joggeli war schon mehreremal gesandt worden, aber Joggeli liebte es, Pfeffer in die Milch zu rühren; hintendrein hätte er ihn wohl wieder herausgefischt, aber dies ist nicht allemal mehr möglich. Als die Base aufstehen wollte, kam Vreneli und sagte: "Nit, nit, Base, was denket Ihr doch. Ich will hinüber zum Vetter und ihm die Mucken ausklopfen. Was gilts, in wenig Minuten bin ich mit ihm da."
"Bist immer die gleiche Hexe," sagte die Base und lachte herzlich, und ein alter Tagelöhner sagte: "Frau, nicht für ungut, aber dem Alten wäre zu gönnen gewesen, Ihr wäret vor ein paar Jahren gestorben und er hätte Vreneli geheiratet. Wohl, die hätte ihn tanzen lassen, bis er gelernt hätte nach Gott schreien und es ihm verleidet wäre, andere Leute zu plagen und ihnen die Freude zu verderben." Es war wirklich sonderbar, wie Joggeli Vreneli so wenig leiden mochte und doch durch niemand so regiert werden konnte wie durch Vreneli.
Es ging wirklich lange nicht zehn Minuten, so hatte das Fraueli den Alten knurrend und brummend auf den Beinen. "Warte," sagte er, als er zur tür des Stöckleins aus war, und ging in den Keller, welcher unter demselben war, kam mit einer grossen Strohflasche herauf, welche mehrere Mass fasste