; der liebe Gott, der bis hierher geholfen hat, wird ferner helfen."
Ulis Vertrauen und Ergebung hatte noch eine probe zu bestehen. Als er unter die Menschen kam, war es fast, als sei er ein Gespenst, welches aus dem grab komme, frech am hellen Tage. Mit weiten Augen glotzten ihn die Leute von ferne an, als sei er eine Giraffe aus Afrika, und kam er näher, so drehten sie sich weg und machten sich auf die Seite. Da waren Wenige, welche ihm standhielten, und noch Wenigere, welche ihm die Hand boten freundlich, ihm Glück wünschten über seine Genesung, ihn bedauerten wegen seinem Unglück. Sie wussten zwar wohl, dass er kein begrabener Mann war, aber es wäre ihnen recht gewesen, er wäre es, dann aber auch im grab geblieben. Sie betrachteten ihn als einen verlornen Mann, und von solchen hat man es lieber, wenn sie einem aus den Augen kommen, solche setzen die meisten Leute in die grösste Verlegenheit. Bloss die, welche allen feinern Gefühlen abgestumpft sind, die gröbste Selbst, sucht für die grösste Tugend halten, haken ihnen kaltblütig stand und fertigen sie sackgrob ab. Andere kommen aber eben in grosse Verlegenheit. Den Einen sagt das Gewissen, sie könnten helfen und sollten helfen, aber sie mögen nicht; Andere fürchten, sie möchten um hülfe angesprochen wer, den, sie wollen sie abschlagen, natürlich, aber ihnen fällt nicht gleich eine Ausrede ein; noch Andere glauben, herabgekommene Leute müsse man verachten, man schade der eigenen Ehre und seinem Kredit, wenn man mit ihnen freundlich sei, gut bekannt scheine, aber es drückt sie eine gewisse Unbeholfenheit, mit Manier das alte Verhältnis abzubrechen und ein neues festzustellen. Das Kürzeste und Kommodeste wäre immer in alle Wege, einen solchen Menschen totzuschlagen und sechs Fuss hoch mit Erde zu bedecken, da kriegte man ihn nicht mehr zu gesicht. Wir sind halt in alle Wege von natur schwache, schlechte Geschöpfe und zwar ehemals und jetzt, siehe Petrus in Kaiphas hof, siehe auf jeder Börse und an jeder Kirchtüre, absonderlich auf den Rataustreppen. Das sind aber harte Erfahrungen für einen Menschen, der ohne seine Schuld, wie man zu sagen pflegt, obgleich es nur teilweise richtig ist, ins Unglück gekommen, wenn er sieht, wie man ihm ausweicht, ihn aufgibt. Da gibt Mancher sich selbst auch auf. Es braucht Mut dazu, das Vertrauen festzuhalten, wenn man sieht, dass alle keines mehr zu uns haben. An die Stelle des Vertrauens kommt der Zorn, der Hass und die Rache, und aus einem, der zu retten gewesen, wird ein unversöhnlicher Feind der Menschen.
So geschah es jedoch mit Uli nicht. Er bemerkte das Benehmen der Menschen wohl, und Vreneli fühlte es noch besser, da sogar Bettelweiber sich seiner verschämten und ihm auswichen. Anfangs tat es Uli im Herzen weh, als er aber in die Kirche kam, die Orgel rauschte, die Gemeinde sang, der Pfarrer betete und predigte, die Gemeinde zum heiligen Tische wallte, da vergingen ihm die bittern Gefühle; er vergass das Tun der Einzelnen, er fühlte nur die Wonne, der Gemeinde Christi anzugehören und Pfänder und Siegel zu empfangen, dass auch ihm seine Sünden vergeben und Gerechtigkeit und ewiges Leben um Jesu willen aus Gnaden geschenket sei. Wenn schon die Einzelnen von ihm wichen, er blieb doch in der Mitte der Gemeinde, blieb teilhaftig der Schätze und Gaben, welche unser grosse Meister und Herr seiner Gemeinde erworben hat. Was hat das Abwenden Einzelner zu bedeuten, wenn man dabei ein lebendig Glied des grossen Ganzen wird, dessen Herr und Meister der ist, von dem sich auch alle gewandt, über den ein toll und töricht Volk das "Kreuzige!" gerufen hat. Aber wenn einer die Gemeinde Gottes verlassen und Fleisch für seinen Arm gehalten hat, und nun wird er auch von den Menschen verlassen, der ist dann allerdings ein armer Verlassener, ein unglücklicher Tropf.
Ein Herz voll reichen Segens trug Uli aus der Kirche, sein Sinn war so mild wie die Sonne, welche den Nebel durchbrochen hatte und gar lieblich schien, er konnte von Herzen sagen: Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun. Er konnte wie ein Kind sich freuen und sagen: Weichet nur von mir, ich gehöre euch doch an und es kommt die Zeit, wo ihr mich werdet als Bruder erkennen, euch meiner freuen werdet und mir danken, dass ich nicht Gleiches mit Gleichem vergalt, in Gott die Gemeinschaft festielt, als die Welt feindselig sich zwischen uns stellen wollte. Als sie alleine auf dem Wege wieder waren und Vreneli fragte: "Und was sagst zu den Leuten?", antwortete Uli: "Nicht viel, es ist immer wie immer und wird also bleiben, man kann es zum voraus wissen, und doch tut es anfangs weh, wenn man es selbst er, fährt." Nun erzählte er Vreneli, was ihn getröstet, das freute Vreneli sehr, und einiger als nie kamen sie heim. Es war, als hätten sie neu ihren Bund geschlossen, und mit neuer Kraft und Besonnenheit gingen sie an ihr schweres Tagewerk.
Eine grosse Freude hatten sie. An einem schönen Morgen kam ein Wägelchen daher, fast anzusehen wie ein Müller, wägelchen, denn Kornsäcke lagen darauf Den muntern Jungen auf demselben kannten sie nicht, und erst als er den Gruss von