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auch zum Makel am Namen werden sollte, wenn es an jedem Markttage und bei jedem Handel heissen sollte, er sei ein ungerechter Mann und begehre die Leute zu betrügen, so war er ja für sein ganzes Leben unglücklich, gleichsam gebrandmarkt; das fühlte er so recht lebendig, und es ward ihm himmelangst dabei, denn welch armer Tropf war er, wenn er den ehrlichen Namen verloren hatte, der war sein Vermögen, seine beste Bürgschaft, da er von Anderer Vertrauen leben musste. Hatte er den nicht mehr, so war ihm der Weg zum ehrlichen Fortkommen versperrt, er musste künftig vom Betrug oder vom Betteln leben. Da erkannte er, wie eine einzige Handlung, unbedacht und leichtsinnig vollbracht, als unbedeutend geachtet, entscheidend für ein ganzes Leben werden kann.

Tief gedemütigt und niedergeschlagen kam Uli heim. Nun wäre das für manche Frau ein wahres Herrenfressen gewesen. "Siehst, ich habe es dir gesagt, es gehe so, habe gewarnt, habe gemeint, ehrlich währe am längsten, aber du hast mir nicht geglaubt, hast gemeint, ich sei nur so ein Weib und du viel gescheiter; siehst, jetzt erfährst, wer recht hat. Jetzt denkst: hätte ich nur geglaubt, aber jetzt ist es zu spät, kannst lange jammern! Ein andermal denke daran! Ich hätte jetzt gute Lust, nie mehr was zu sagen und meinen Rat für mich zu behalten." Doch Vreneli war nicht von dieser Rasse; es tröstete, er solle es nicht so schwer nehmen, das Lehrgeld sei nicht so gross; der Müller werde sich hüten, viel von der Sache zu reden, es sei nicht das erstemal, dass er es so mache, und er wisse wohl, dass man ihn kenne. Gut sei es, dass die Sache abgemacht sei, so wisse man doch jetzt, woran man mit ihm sei, wenn es nur mit dem Wirte auch in Ordnung wäre. Uli hätte gute Lust gehabt, Vreneli zum Wirte zu senden, aber Vreneli wollte nicht gehen. Wenn es nicht sein müsse, so bleibe es lieber einige hundert Schritte von dem weg, sagte es; der werde es aber nicht so machen wie der Müller, der werde mit guten Worten zahlen wollen, denn man sage, das Geld sei rar bei ihm, wenn ihm ein Taler eingehe, so seien Zehne da und möchten ihn.

Wie Vreneli sagte, so war es auch. "Will schon mit dir rechnen, warum nicht? Die Sache ist punktum aufgeschrieben und in der Ordnung, zähle darauf, aber Geld kann dir mein Seel keins geben, habe selbsten keins, und wo nichts ist, ist nichts, wie du weisst," so sprach der Wirt. "Ich glaube, wenn es mir drei Tage lauter Taler durch den Rauchfang runterregnete, sie wären immer alle weg. So hungrig nach Geld habe ich mein Lebtag die Leute noch nie gesehen. Wenn ich von weitem jemand mit langen Schritten kommen sehe, so weiss ich schon, der wird auch Geld wollen, ich muss allemal lachen; nimm, wenn du findst, denke ich. Sie wissen wohl, dass nichts zu verlieren ist, bewahr, ich habe mehr als Sachen genug, aber es gibt zeiten, wirst es auch schon erfahren haben, wo man beim besten Willen nicht zahlen kann. Da wird es den Leuten angst und sie kommen daher wie Tauben, wenn man Hanf gesäet hat, und wollen Geld für Sachen, welche ich beim Hagel nicht einmal mehr im haus habe; aber denen will ich daran denken, die müssen warten bis zuletzt. Du aber sei nur ruhig; sobald ich Geld bekomme, musst du es haben, und lieber, als dass du einen Kreuzer an mir verlieren solltest, wollte ich es zusammenbetteln, und sollte ich laufen müssen bis nach Konstantinopel. Einer, der seine Sache auch nur verdienen muss, soll an mir nie was verlieren, lieber wollte ich, so lange ich lebe, Hunger leiden und keinen Schoppen mehr trinken. Sieh, ich habe selbst viel Geld einzuziehen, aber es läuft nicht. Du glaubtest es nicht, wenn ich dir meine Schuldner nennen würde, aber sie können mir in diesem Augenblick nicht an die Hand gehen. Dann habe ich auch noch was verloren, es ist ein Nichts, das heisst es ist viel genug, aber es würde nichts machen, wenn es nicht alle Leute wüssten und nun alle daherkämen und Geld wollten. So könnte man dem Rotschild die Hosen umkehren, wenn er in einem Tage alles bezahlen sollte, was er schuldig ist. Hast du das Geld so sehr nötig, diesen Augenblick?" Ho, sagte Uli, wenn er es haben könnte, würde er es gerne nehmen. Indessen setzte er, durch die guten Worte des Wirts bestochen, hinzu: "So einige Wochen könnte ich im Falle der Not warten; der Lumpenhund, der Müller, hat mir einiges Geld geben müssen, ungern genug, aber wenn man Brot kaufen muss, so ist bald viel gebraucht." "Es ist schlecht vom Müller, es dir so zu machen"" sagte der Wirt, "er ist nicht der Sauberste; es gelüstete mich manchmal, dir zu sagen, du solltest dich in acht nehmen, aber wenn ich dann sah, wie gut ihr zusammenhieltet, und weil er der Gevattersmann ist, so wollte ich nicht was Böses zwischen euch hineinmachen, dass es hinterher hiesse, ich