deine Sünden ablesen, es wird dann bald aus, gerechnet sein."
Wir wollen dem Verlauf dieser Rechnung nicht folgen, das Ding wäre zu lang und langweilig. Wir wollen bloss sagen, dass der Müller sich offenbar auf Ulis Tod eingerichtet zu haben schien, wenigstens dem Hausbuch nach, welches er in Händen hatte; denn vielleicht hatte er mehr als eins, eins für die Lebendigen und eins für die Toten. Bei jedem Ansatz von Uli gab es Anstoss, bald wegen dem Preise und bald wegen der Zahl der Säcke, und als erst der Müller seine Gegenrechnung ablas, gab es der Anstände bei jedem Wort und nicht bloss über Mass und Preis, sondern ob die Sache wirklich geliefert worden oder nicht. Es war da Geld angesetzt für Mehl, Spreuer, Kleien, Abschlagszahlungen dazu und weiss Gott was alles, von dem Uli entweder gar nichts wusste oder aber überzeugt war, dass er dasselbe frei in den Kauf gedungen oder dass es von Mehl kam, welches er hatte mahlen lassen, der Müller Kleien und Spreuer von Rechts wegen ihm schuldig war. Aber man gehe und mache eine dreijährige Rechnung auseinander und dazu aus Büchern, welche ein Uli und ein Müller führten! Uli sah mit Schrecken, dass der Müller, dessen Rechnung nach, ihm viel weniger schuldig war, als er gedacht, auch wenn Ulis Rechnung für Verkauftes als gültig angenommen wurde. Des Müllers Gegenrechnung war gar greulich. Es dünkte Uli doch stark, zu jedem A, welches der Müller vorsagte, B nachzusagen, aber was sollte er machen? Mit seinem Buch konnte er vor dem Richter nicht viel ausrichten; ob das des Müllers besser sei, wusste er nicht, prozedieren wollte er nicht, seinem Kopf traute er nicht, und bei dem vielen Wechsel seines Gesindes während dem ganzen Verlaufe der Rechnung wusste er nicht, ob nicht das Eine oder das Andere etwas auf des Meisters Namen genommen oder nicht. Man sollte immer, wenn man das Gesinde wechselt und offene Rechnungen sind irgendwo, wo Knechte und Mägde zu- und abgehen, bringen oder holen, diese beim Wechsel abschliessen oder untersuchen, es gibt da manchmal fatale Entdeckungen. Uli kam das Aufschieben in Sinn, was gewöhnlich der beste Ausweg scheint, wenn man in Verlegenheit ist. Er solle es ihm auf ein Papier machen, was er zu fordern habe, sagte Uli; er wolle es der Frau zeigen und mit seinen Leuten reden, ob sie um dieses und jenes wüssten. Zudem könne man den Karrer bescheiden, welcher früher bei dem Müller gewesen und jetzt beim Sternenmüller sei, der habe das meiste Korn gefasst und werde wohl noch im kopf haben wieviel, es sei der vernünftigste Mensch, der ihm je vorgekommen; zudem werde er dies Jahr viel aus der Mühle bedürfen und dem Müller noch schuldig werden, so dass es ihm im grund nicht so pressiere mit der Rechnung. Das alles leuchtete dem Müller schlecht ein. Er kannte Vreneli, wusste also im voraus, was es sagen würde; mit seinem Karrer war er in grossem Unfrieden auseinander, gekommen, auch diente derselbe bei seinem ärgsten Feind, er wusste also im voraus, was er von diesem zu erwarten hatte; zudem machte er mit Uli nicht ungern fertig, er gab ihm nicht gerne mehr was aus seiner Mühle, er war überzeugt, Uli sei zugrunde gerichtet, wer an ihn zu fordern habe, verliere. Vor allem aus aber wollte er eine richterliche Untersuchung seiner Rechnung bei Ulis Lebzeit nicht und am allerwenigsten eine Abtretung dieser Rechnung an Joggeli, wo deren Bereinigung wahrscheinlich dem Baumwollenhändler übertragen worden wäre; den kannte der Müller und hasste ihn.
Der Müller sagte daher, sie seien jetzt bei einander, das Gestürm wegen Rechnen sei ihm zuwider, und wenn sie nicht übereinkommen könnten, wer es denn solle? übrigens habe er geglaubt, er habe es mit einem braven mann zu tun, und nicht daran gedacht, dass hintendrein müsse gezankt sein, sonst hätte er die Sache längst ins Reine gebracht; daneben könne Uli machen, was er wolle, aber das wolle er ihm sagen, er, Müller, sei dann nicht das Mannli, mit welchem Uli den saubern Kuhhandel gehabt. Wenn er dort gewonnen habe, so solle er ja nicht denken, es gehe immer so. Das war fast zu viel für Uli, er dankte Vreneli im Herzen, dass es ihn so lange hingehalten, die Unverschämteit des Müllers war doch gar zu gross. Uli war es noch nicht klar, wie viele Menschen, und zwar kleine und grosse, den Mangel an Recht durch Frechheit ersetzen. Er musste gewaltig sich zusammennehmen, um nicht abzubrechen, sondern einzutreten in ein Markten, welches doch endlich nach manchem harten Worte und mit bedeutendem Schaden für Uli zum Ziele führte. Da Müller warf das Geld, welches er noch schuldig blieb, hin fast wie einem Hund ein Stück Brot und sagte, da solle er das ungerechte Geld nehmen, wenn er das Herz habe. Wenn er aber künftig Mehl oder was sonst nötig habe, so sei es ihm lieber, er nehme es an einem andern Orte. Mehr als der Verlust schmerzte Uli der Vorwurf, er sei der Betrüger, der ungerechte Forderer und dass der Müller dabei auf seinen Kuhhandel sich stützte, und zwar nicht ganz mit Unrecht. Er fühlte jetzt, was ein gut Gewissen wert sei und dass der geringste Makel daran sei, was eine Spalte in einem Bogen. Wenn nun der Makel im Gewissen