Kleines, wie sie schaffen wollten in aller Freudigkeit ihr Tagewerk, absonderlich aber trachten nach dem Einen, das not tut. Heitere Bilder folgen einander in längerer Reihe, glänzen immer heller, je mehr die Krankheit weicht, das Leben aus der Krankheit wieder emporblüht, werden trüber und trüber, wenn die Krankheit steigt; wenn der Tod kommt, erblassen sie, werden begraben im Gemüte, der wahren Familiengruft, in welcher die geliebten Toten geistig weilen bis zum Wiedersehen.
Manche solche stille, lange Nacht wachte Vreneli an Ulis Bette, war versunken in tiefe Gedanken oder horchte mit blutendem Herzen auf die Irreden des Mannes. Mehr als eine Woche kam es nicht aus den Kleidern, wollte trotz des Doktors Befehl niemanden anders wachen lassen, aus Liebe, aus Bangen, was die Leute denken und sagen würden, wenn sie Ulis Reden hörten. Von Irreden haben die Menschen keinen Begriff, kennen zumeist nur einen Grund derselben, das böse Gewissen, das Aufwachen der Angst über geheime Verbrechen. Was hätten sie gedacht und gesagt von Uli, der immer mit dem Teufel zu tun hatte, am Ort der Qual sich glaubte!
Eines Abends war es, als ob der Arzt nicht fort könnte vom Bette, er nahm eine Prise nach der andern, endlich kehrte er sich um, stäubte den Schnupftabak von den Kleidern und sagte: "Fraueli, wenn es was geben sollte in der Nacht, so lass mich rufen." "Mein Gott, Doktor, was meint Ihr? Stirbt er mir, stirbt er?" wimmerte Vreneli. "Kann es dir nicht sagen," antwortete der Arzt, "aber endlich muss es einen Weg gehen, den oder diesen, so kann es nicht bleiben, die Zeit ist um, wo es sich entscheiden soll; vielleicht, dass es diese Nacht geschieht, und schaden tut es nichts, wenn der Arzt nicht weit ist, manchmal kann man helfen, manchmal nicht, manchmal kann man Diener der natur sein, manchmal muss man es nehmen, wie Gott es will."
"Guten Tag, Fraueli, guten Tag, geschlafen ein wenig? Es ist kein Wunder! Wie gehts? Mit Schein nicht bös," Diese leisen, freundlichen Worte weckten Vreneli, welches vom Schlafe überwältigt worden war. Hochauf fuhr es vom stuhl, es war helle im Stübchen; der Arzt, den die Teilnahme unberufen hergetrieben, stunde am Bette und prüfte den Kranken. "Mein Gott, mein Gott!" rief Vreneli. Da legte der Arzt den Finger auf den Mund, winkte Vreneli vom Bette weg durch die tür in die andere stube und sagte leise: "Fraueli, er kommt dir auf, die Sache ist gut, jetzt schläft er ruhig, schwitzt recht, jetzt nur nicht geredet." Vreneli wollte laut auffahren, bachweise strömten ihm die Tränen über die Backen nieder. "Bsch, bsch," machte der Arzt, "geh und mache mir ein Kaffee. Nehme sonst nichts bei den Patienten, sie meinten gleich, man wolle den Lohn doppelt. Aber ich möchte ihn erwachen sehen und hatte noch nichts diesen Morgen. Z'pressieren hast nicht, es wird noch eine Weile gehen; will unterdessen in den Stall, sehen, wie du haushast, und deine Knechte rühmen oder schelten, je nachdem sie es verdienen. Ein fremd Wort wirkt manchmal, zuweilen nehmen sie es einem übel, aber was frage ich den Hudelbuben nach!" Vreneli musste wieder ins Stübchen, bevor es des Arztes Befehl nachkam. Was es dort machte, weiss Gott.
Der Arzt trappete mit den Händen in den Taschen ums Haus herum und las dem Dienstbotenpersonal in seiner barschen, aber heitern Weise tüchtig den Text. "Was zum Teufel, den Mist, welchen du gestern aus den Ställen gemacht, noch nicht verlegt! Wohl, das sollten mir meine Buben machen, ich führte sie beim Hagel am Hals auf den Mistaufen! Das Jaucheloch läuft ja über! Was ist das gemacht! Was gibt es doch einem von euch zu tun, ein Fass oder zwei auszuführen? Aber wenn man nicht immer hinten und vornen ist, so ist nichts gemacht; wohl, das wird sauber aussehen in den Ställen. Auf meine Seele, wenn ich es einmal so fände, ich jagte das ganze Pack mit dem Stecken vom Hof, ihr solltet euch schämen wie Laushunde! Auf die Ehre hättet ihr es nehmen sollen, die Sache recht zu machen. Das Fraueli hat sich fast getötet, aber an allen Orten kann es nicht sein. Ich habe einen alten, siebenzigjährigen Trappi und einen jungen, nur so einen Löhl, aber es ist mir ein jeder von ihnen, der Alte und der Junge, am kleinen Finger lieber als ihr alle miteinander. Nein, hört, Buben, so geht das nicht, das muss anders aussehen und zwar heute noch! Ja, lacht nur, aber gebt acht, was ihr macht, es ist Ernst. Euer Meister kommt auf, wenn er Sorg hat und man Sorg zu ihm hat. Er ist durch die Gefahr, Gottlob! Aber kommt er da heraus und sieht die Schweinerei und das Gesudel, so bekömmt er das Gallenfieber; dann streckt es ihn, dann heissts, der Doktor habe ihn getötet, und Frau und Kinder können ihm nachweinen. Das will ich nicht; habe ich ihn mit Gottes hülfe gerettet, so soll solch Volk mir ihn nicht töten, da bin