haben wir gehabt, du glaubst es nicht; wäre die Base nicht gekommen und hätte mir geholfen, ich darf nicht sagen wie, du hättest mich nicht mehr gefunden, ich wäre davongelaufen, so weit mich die Beine hätten tragen wollen. Komm und sieh, was wir geschafft." "Muss gehen und helfen." sagte Uli, "die Pferde sind nicht ausgespannt, müssen noch geputzt und abgerieben sein." "Wärest mir ein schöner Meister, wenn du immer dabeisein müsstest, wenn der Wagen laufen soll, und nicht einen Augenblick Zeit hättest zu sehen, was dir deine Frau zeigen will. Komm." rief Vreneli schalkhaft, "Base, seht zur Pfanne!" und sprang die Kellertreppe hinab, dass Uli folgen musste, er mochte wollen oder nicht. Weit sperrte Vreneli die Kellertüre auf, und drinnen auf dem üblichen Tische sah er mit grossem Erstaunen Berge von Küchlein von allen Sorten. "Sieh, hier diese sind für diesen Abend, diese für morgen mittag, jene dort für nach haus zu geben, und für Unbestimmtes backen wir noch, man weiss nie, was es geben kann. Was meinst, haben wir genug?"
Ganz verstaunet stunde Uli vor den hohen Türmen, machte Augen wie Pflugsräder, und doch konnten sie das Wunder nicht fassen; fast wäre er davongelaufen, weil er dachte, dieser Segen könne nur durch den Rauchfang heruntergekommen sein, endlich sagte er: "Gott behüt uns davor! Woher dies alles und so viel Bettler!" "Bst! Bst!" sagte Vreneli schalkhaft "das frägt man nicht und darfs nicht sagen; wenn es die Erdmännchen hörten, sie zürnten es, denke, wie kommod, wenn man nur ein Küchlein auf eine Schüssel zu legen braucht, um handkehrum noch sieben andere darauf zu haben." "He ja, kommod wärs," sagte Uli, "aber vielleicht, dass du das Hexli warest," machte aber dabei doch ein Gesicht, dem man es ansah, dass er nicht wusste, was er glauben sollte, wandte sich und wollte wieder die Treppe auf: "Nit, nit," sagte Vreneli und fasste ihn am Arm, "es ist noch was anders da, welches du auch sehen musst, es wartet dir schon lange." Hinter einer Schüssel voll Küchli holte es eine Flasche und ein Glas her, vor, schenkte ihm ein und sagte: "Weisst nicht, dass es Brauch ist, dass der Meister an heissen Erntetagen zuweilen selbst ein Fuder nach haus fährt und dann was Kühles im Keller findet? Ein andermal vergiss es nicht; aber nicht wahr, du wolltest kommen und sehen, ob ich noch was hätte, hattest Angst, die Bettler hätten alles vorweggegessen, wolltest mörderlich aufbegehren und hättest fast Freude daran gehabt, wenn ich in Schmach und Schande gekommen wäre. Da, du wüster Kerli du, da nimm noch eines und schäme dich; nicht wahr, bist halb böse, dass alles anders ist, als du dachtest und du nicht Freude haben kannst an meiner Schmach? Komm und gib mir ein Müntschi, aber nur leise, dass es die Base nicht hört, und denke daran, du hättest dich an mir versündigt und wollest nicht mehr so tun und so sein." "Sagte ja kein Wort," meinte Uli, "kam nur, zu sehen, ob du fertig seiest." "Meinst," erwiderte Vreneli, "ich kenne dein Gesicht nicht und wisse nicht am Trappen deiner Füsse, wie das Herz dir schlägt, und am Ton der Worte, was hinter denselben steckt? arme Weiber sind wir, aber schlauer, als ihr denkt, und was euch durch den Kopffahrt und was ihr brütet im Herzen, das merken wir von weitem; jetzt weisst es, kannst dich hüten, und in einer halben Stunde ist das Essen fertig, mach, dass wir nicht warten müssen," und husch war es die Treppe auf und schon mitten in der Küche.
Uli war guten Mutes geworden. Er zog die Kellertüre zu mit lachendem gesicht, und lustig pfeifend ging er den Ställen zu. Er dachte, ein solch Weibchen sei doch kommod und rar, fleissig und lustig, immer mehr gemacht, als man gedacht, und immer gute Worte und ein hell Gesicht, dass man auch ein solches machen müsse, man möge wollen oder nicht. "Was hat er gesagt?" fragte droben die Base. "Augen hat er gemacht wie Pflugsräder und weiss noch jetzt nicht, ist es mit rechten Dingen zugegangen oder nicht. Aber Gottlob zufrieden ist er, und das ist die Hauptsache," antwortete Vreneli. Es steht einem Bauernhause nichts schlechter an, als wenn abends, wenn Feierabend gemacht ist, oder Sonntag mittags oder an einer Sichelten die Leute stundenlang herumlungern müssen, ehe sie zum Essen gerufen werden. Es gibt Häuser, in welchen dieses Verspäten regelmässig ist. Die Weiber in diesen Häusern müssen eine wahre Hausplage sein, es nimmt einem recht wunder, was die für ein Eingericht in ihrem Kopf haben und was sie auch denken? Wahrscheinlich werden sie erst das Ross beim Schwanz zäumen, dann lange es betrachten hinten und vornen, endlich wird es ihnen langsam kommen: eigentlich zäume man ein Ross beim Kopf und nicht beim Schwanz, und dann wird es ihnen kommen und wiederum langsam, das Beste wäre, sie täten den Zaum hinten wegnehmen und brächten ihn nach vornen