Ihr mit die Hälfte des Schadens?" Auch der Bodenbauer als Bürge hatte vergessen, dar, nach zu fragen. Er wusste, was im Akkord stunde, und hielt Beide für gescheut genug, den Artikel zu erfüllen. Er war erschrocken, als er hörte, wie es stunde, und ging nun hinter Joggeli. Joggeli gab, als er den Rückstand eingestrichen hatte, den besten Bescheid, aber keinen einlässlichen. Das werde sich schon machen, wenn es um das Zahlen zu tun sei, könne man dann sehen, jetzt wüsste man ja noch nicht einmal recht, wie gross der Schade sei. "Wie teuer, Vetter," fragte der Bodenbauer, "wollt ihr das Übriggebliebene?" "Bin nicht kauflustig," sagte Joggeli, "was sollte ich damit machen?"
Mit Uli stunde es bedenklich, er war tagelang verirret, wie man zu sagen pflegt und was auf dem land gewöhnlich als ein sicheres Zeichen eines hoffnungslosen Zustandes angesehen wird. Er lag bewusstlos in Fiebern und sprach gar seltsame Sachen, dass denen, welche es hörten, ganz bange war, denn besonders viel hatte er mit dem Teufel zu tun und den Züchtigungen, welche er ihm antat. Wenn nun Vreneli den ganzen Tag auf den Beinen gewesen war, sich fast allgegenwärtig gemacht hatte, dass oft ein Knechtlein oder eine Magd sagte: "Die Donners Frau, ist die schon wieder da! Wenn die nicht schon eine Hexe ist, so wird sie eine, zählt darauf!", so sass es des Nachts an Ulis Bett und wachte.
Das sind schwere, bedeutsame Stunden, welche ein Weib am Bette ihres Gatten, der zwischen Leben und Tod in der Schwebe liegt, durchwacht. Das Geräusch des Tages ist verstummt, das Ab, und Zugehen hat aufgehört, das Schaffen und Befehlen hat ein Ende; das wachende Weib ist ungestört und alleine beim kranken mann, über ihnen ist Gott, wohl ihnen, wenn er auch zwischen ihnen ist. Ist der Mann seiner Lage sich bewusst, so werden es Stunden der Heiligung, sie gleichen den Stunden in den Tagen der ersten Liebe; was das Herz bewegt, geht über die Zunge, man freut sich in weicher Rührung der schönen vergangenen Tage, dankt sich für Liebe und Treue, Geduld und Sanftmut, bespricht die gegenwärtige Lage, und wenn das Weib jammert um die Zukunft, das Schicksal der Witwen und Waisen, die Not einer Mutter mit Kindern ohne Vater, so tröstet der Mann, gibt weise Räte und stärkt des Weibes Gemüte, indem er sie dem Allmächtigen empfiehlt, dem Vater der Witwen und Waisen. Wenn sie betet um sein Leben und dass dieser Kelch an ihr vorübergehen möchte, so sagt er Amen dazu, "doch nicht unser, sondern dein Wille geschehe." Das sind heilige Nächte, wie auf Engelsflügeln schweben sie vorüber.
Aber anders ist es, wenn im Irrsinn der Mann liegt, das Weib alleine ist, seine Gedanken ihm niemand abnimmt als Gott. Auch vor sein Auge stellt sich sein ganzes Leben, das vergangene, das gegenwärtige, das zukünftige, und klarer jede Nacht; immer mehr schwinden die Schatten, es wird ein grosses lebendiges Lebensbild. Süsse Wehmut, schöne Träume, bitteres Weinen, geduldiges Ergeben, mutvolles Erheben wechseln in des einsamen Weibes Seele. Die Bilder, welche erst regellos durcheinanderfluteten, gestalten sich in immer festeren Zügen und bestimmter Ordnung, immer klarer bildet sich aus der Gegenwatt die Zukunft. Auch dieses Weib fleht: "ist es möglich, so gehe der Kelch an mir vorüber, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!" Aber weil des Herrn Wille ihm nicht offenbar ist, bildet sich vor seinem inneren Auge die Zukunft in doppelter Weise. Es sieht sich Hand in Hand mit dem mann durchs Leben gehen, es trägt in den nächsten Tagen ihn zum grab, steht alleine mit den Waisen, muss alleine sie führen ins Leben, sie stärken zum Leben. Wie dunkle, schwere Gewitterwolken wälzen sich diese Bilder anfänglich an seinem Auge vorüber; aber allmählich klären sie sich ab, gestalten bestimmter sich, gleichförmiger, nur aber schöner jede Nacht, gestalten zu bestimmten Entschlüssen sich, zu einem Leben, den Gedanken eines Malers ähnlich, in denen er ein Bild feststellt, in grossen Umrissen zuerst und allmählich von Gestalt zu Gestalt bis zur Ausprägung der einzelnen Züge, an dessen Ausführung er Jahre, ja sein Leben setzt.
Man hat oft bewundert, mit welcher klaren Umsicht und grossen Energie Witwen die Zügel grosser Haushaltungen fassten und führten, wie ernst und fest sie ihre Kinder erzogen, wie mächtig sie dem Schmerze geboten, der doch sichtlich ihren Körper schüttelte. Wer dabeigewesen wäre in jenen stillen, langen Nächten, gesehen hätte, wie sie mit ihrem Schmerze, wir möchten fast sagen, mit Gott gerungen hätten, bis sie zu der Kraft und klarheit gekommen, welche sie üben bis zum grab, durch welche sie hineinglänzen in das An, denken der Ihren wie Sterne in die Nacht, der würde sich nicht wundern, woher ihnen das Wesen gekommen, welches niemand in ihnen ahnte, welches so segensvoll wirkte. Doch auch in einer andern Richtung bildet die Seele, schafft eigentliche Lebensbilder: sie denkt in Wehmut, wenn Gott den Geliebten ihr wieder schenke, wie sie Beide ein neues Leben führen wollten in mildem Frieden, teuer Liebe, wie alle Schatten fort müssten aus dem Leben, alles Trübe, alles Zagen, alles Kümmern um