, auch keine Mystifikation auf die Weise, wie ein übermütiger englischer Junge sie wohl probiert an neugebackenen Diplomaten, sondern sie war bloss ein Sondieren, ein freundlich Bestimmen, ein Zusichern, man sei dann auch noch da, und deswegen solle Joggeli keinen Kummer haben, sondern bloss Geduld, wenn es sein müsse. Das Beste versprach Joggeli, denn Respekt hatte er vor dem Bodenbauer, und als die besten Freunde schieden sie. Darauf hatte Johannes noch eine Privatkonferenz mit Vreneli. "Sieh, Fraueli," sagte er, "dein Mann ist nicht zweg, das Zeug hat eingeschlagen bei ihm, es ist sich aber auch nicht zu verwundern, so was wird nicht alle Tage erlebt; daneben ist es besser, nicht zu viel davon zu reden einstweilen. Lass morgen den Doktor holen, besser wärs, er würde krank, als dass es ihm ins Gemüt schlägt, das ist schwer zu heilen. Du musst die Zügel fassen, lass alsobald dies und jenes machen, und wenn du mich nötig hast oder Geld willst, so lass es mir sagen. Bös stehts nicht mit euch, aber gut wärs, ihr stündet in keinen Rechnungen; das ist ungut, besonders wenn euer Hausbuch nicht in Ordnung ist, was kaum sein wird. Ich kenne das Hagelwerk und die Hagle, welche auf diese Weise handeln, nie rechnen wollen und endlich, wenn es sein muss, mit Rechnungen ausrücken, vor welchen des Teufels Grossmutter sich schämen würde. Du kannst daran nichts machen, musst warten, bis Uli wieder zweg ist, aber dann muss die Sache abgetrieben sein und ausgemacht bis auf den letzten Kreuzer. Können solche Leute einem nur die Fingerspitze berühren, so wird man ihrer nie los. Dann sage aber Uli alle Tage: Ehrlich währt am längsten, dass er es nie mehr vergisst. Von Joggeli habt ihr einstweilen nichts zu fürchten, daneben kann man auf solche Leute sich nie verlassen, es kommt immer darauf an, wer zuletzt bei ihnen ist. Sieh gut zu ihm, so viel Verstand hat er noch, dass er dies einsieht." Vreneli jammerte wegen Uli. Wenn man meine, man habe das grösste Unglück erlebt, welches möglich sei, so zeige sich schon ein anderes, noch viel grösseres, dass man bitten müsse: Nur das nicht! und versprechen, das Vergangene wolle man gerne ertragen und nicht mehr klagen. So habe es es jetzt; vom Hagelschaden wollte es nun nichts mehr sagen, wenn nur Uli zweg wäre, der mache ihm jetzt den grössten Kummer. "Zeige ihn nur nicht und rede nicht zu viel mit ihm von der Sache, es wird schon bessern, aber man muss einige Zeit vorüberlassen. Hast gehört, sei nur nicht verzagt, es war schon Mancher tiefer drin und kam wieder zweg."
Auf dem Heimwege sagte er seiner Frau: "Es ist doch kurios mit dem Menschen! Dass Uli so einfältig sei und so dumm tun könnte, hätte ich mein Lebtag niemand geglaubt, aber es muss halt alles gelernt sein auf der Welt, und wenn einer auf einem platz gut ist, so ist es noch lange nicht gesagt, dass man ihn auf einem andern auch wieder brauchen könne. Da war der Uli ein vortrefflicher Knecht, besser war er nicht zu wünschen; jetzt als Pächter macht er dummes Zeug, und wenn man nicht zu ihm sieht, so stellt es ihn auf den Kopf Es ist halt Mancher ein guter Soldat und ein schlechter Oberst! Ist sparsam, häuslich, hat bös und macht doch alles, was dumm ist und zu nichts führt, macht den guten Mann, handelt mit Händlern, prozediert, hat schlechtes Gesinde, es fehlen nur noch die Juden. Übersteht er es, so zweifle ich nicht daran, es gibt noch ein Mann aus ihm, die Frau ist gut, die hält ihm den Kopf über dem wasser. Gut ist es, dass es zu rechter Zeit so kam, später hätte es doch fehlen können, aber merkwürdig ist es, wie unser Herrgott die Menschen fasst." "Der alte Gott lebt gewiss noch," sagte die Bäurin; "ich zweiflete zwar nie daran, aber wohl hart hat er es dem armen Uli gemacht. Es ist noch die Frage, ob er es aussteht, er hat zuletzt Sachen gesagt, wo ich nicht wusste, war er noch bei Verstand oder nicht." "Habe nicht Kummer," sagte der Bodenbauer, "wen Gott doktert, der geht an diesem Doktern nicht zugrunde; er ist kein junger Pfuscher, der sich im Zeug vergreift und pfundweise gibt, was man bloss lotweise verträgt, er kennt das Mass, was einer ertragen mag und was ihm gut ist, er wird es wohl machen." "Amen," sagte die Frau.
Zwanzigstes Kapitel
Des Spruches Folgen
Vreneli war von den seltenen Weibern, welche regieren und gehorchen können, beides am rechten Orte, das sind rare Vögel. Es lief nicht umher wie ein Kiebitz, wenn er einen Frosch sieht, mit schrecklichem Geschrei: "Was soll ich machen? Was soll ich machen?" und machte am Ende von allem, was man ihm angab, das Gegenteil, damit die Welt merke, wer da regiere und Meister sei. Es regierte auch nicht von vornenherein in die Kreuz und in die Quer und fuhr nachher, wenn alles krumm kam, herum um Rat wie eine Katze, welcher man Nussschalen an die Tälpchen